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Automobil Museum Frey: Das Mazda-Mekka

Zu Besuch im ersten deutschen Museum für Japan-Oldtimer

Mazda-Mekka

Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

12. Mai 2017 um 13:08 Uhr

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Wo würden Sie eine Sammlung von rund 120 alten Mazda-Fahrzeugen vermuten? Inklusive extrem seltener Modelle, die selbst japanische Top-Manager des Unternehmens umhaut? Klar, im Heimatland natürlich. Wahrscheinlich am Firmensitz in Hiroshima. Weit gefehlt: In Augsburg kommen jetzt die Fans von Altblech aus Nippon voll auf ihre Kosten. ,Mazda Classic – Automobil Museum Frey" heißt die Location in der Wertachstrasse 29b. Wir waren zur Eröffnungsfeier vor Ort und haben viele Eindrücke gesammelt.

Es begann mit dem Cosmo
Hinter dem ungewöhnlichen Projekt stehen drei Männer: Walter Frey mit seinen Söhnen Joachim und Markus. Sie verkaufen seit 1978 Fahrzeuge der Marke Mazda und besitzen mittlerweile drei Autohäuser im Raum Augsburg, was die Leidenschaft für die Marke schon ein wenig erklärt. Der Bezug zu alten Autos war bereits früh vorhanden, das erste Auto des Seniors war ein Singer Roadster von 1951. Vor gut 25 Jahren machte sich das Trio auf in die USA, um einen Mazda Cosmo 110 S zu kaufen, das erste Wankel-Fahrzeug der Marke, von dem nur 1.519 Exemplare entstanden. ,Es gibt eben nicht nur deutsche Autos mit Geschichte, sondern auch Mazdas mit Geschichte", erzählt mir Markus Frey. ,Daraus ist dann eine Eigendynamik entstanden, weil wir sagten, da gibt es ja noch viel mehr. Man hat sich dann in das eine oder andere Modell verguckt", so Frey weiter.

Raritäten auf Rädern
Eine leichte Untertreibung, wenn man sich den heutigen Bestand der Familie Frey ansieht. Im neuen Museum sind auf mehr als 1.500 Quadratmeter 45 historische Mazda-Modelle ausgestellt, im Mittelpunkt steht natürlich der Cosmo 110 S. ,Dieses Auto hat uns am meisten geärgert, jetzt lieben wir es", gesteht Walter Frey. Nicht nur für eingefleischte Mazda-Fans oder Liebhaber des Wankelmotors, der nur bei Mazda große Stückzahlen im Pkw-Bau erreichte, kommen auf ihre Kosten. ,Normale" Besucher entdecken die Vielfalt der Marke, während die Enthusiasten echte Raritäten wie die nur 800-mal gebaute Roadpacer-Limousine mit Wankelmotor oder den winzigen AZ-1 mit Flügeltüren entdecken. Hinzu kommen Fahrzeuge aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die einst Mazda in Europa populär machten, inzwischen aber fast aus dem Straßenbild verschwunden sind. Oder wann haben sie zuletzt einen 323 gesehen?

Verliebt ins Depot
Zu dem schön ausgebauten Standort im ehemaligen Augsburger Straßenbahndepot kommen noch ein Eventbereich, Gastronomie und ein Mazda-Classic-Shop. Über viele Jahre hatten die Freys ihre 120 Fahrzeuge (richtig: Hundert. Und. Zwanzig!) umfassende Sammlung in einer Scheune gelagert. Kein passender Zustand, um sich an Oldtimern (sowie allerlei Gerätschaften mit Wankelmotor) zu erfreuen. Und so kam die Idee einer öffentlichen Präsentation im geeigneten Ambiente. 2010 kam es zu ersten Kontakten mit der Stadt Augsburg, 2011 erwarb die Familie Frey das alte Straßenbahndepot. Ein günstiger Kaufpreis war das einzige Zugeständnis der Stadt, ansonsten erfolgte der Umbau auf eigene Kosten. Zwar ist auch Mazda Deutschland im Boot, aber eher im organisatorischen Bereich und beim Unterhalt. ,Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt Markus Frey, der sich, seinen Bruder und seinen Vater als ,positiv verrückt" bezeichnet.

Von Mazda bis MAN
Thomas Weitzel, Kulturreferent der Stadt Augsburg, freut sich über den Zuwachs in der Museumslandschaft. Das MAN-Museum ist quasi um die Ecke, erklärt er mir, hier hat Rudolf Diesel an seinem Motor experimentiert. Diese Technik-Meile könnte viele Familien anziehen. Motto: Kunst und Fugger für Mutti, Autos und Motoren für Vati. Und es könnten bei ,Mazda Classic", so der Namenszusatz des Freyschen Museums, noch viel mehr Fahrzeuge zu sehen sein. Aber ,Platz ist ein ständiges Problem", gibt Markus Frey zu. Deshalb werden die Ausstellungsstücke auch gelegentlich wechseln. Und ein Ende der Sammelleidenschaft? Nicht in Sicht: Es würden ihnen immer wieder interessante Fahrzeuge angeboten. Etwa fünf Modelle würden noch zur Abrundung fehlen. Und der 787B, mit dem Mazda 1991 in Le Mans siegte, ergänze ich. Da muss Markus Frey schmunzeln: ,Leider wird es dazu nicht kommen." Den Rennwagen verkauft Mazda niemals. Er steht als wichtigste Markenikone im anderen großen Mazda-Museum. In Hiroshima, knapp 13.000 Kilometer weit weg von Augsburg.

Moderate Eintrittspreise
Abschließend bleibt festzuhalten: Ein Besuch des neuen Mazda-Museums lohnt nicht nur für Auto-Fans. Hinzu kommt die sehenswürdige Stadt Augsburg. Was muss man wissen? Die Adresse: Wertachstrasse 29b, 86153 Augsburg. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Die Eintrittspreise: Fünf Euro normal, 2,50 Euro für Kinder von 13 bis 17 Jahren sowie Senioren und Studenten. Kinder bis 12 Jahre genießen freien Eintritt, bei Gruppen ab fünf Personen zahlt jeder nur vier Euro. Parkplatznot herrscht nicht, auf dem Gelände befinden sich ausreichend Stellplätze. Wer lieber öffentlich anreist: Vor dem Areal liegt die Straßenbahn-Haltestelle ,Senkelbach".

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