Es war im September 2015, als Opel den Astra K auf der IAA in Frankfurt debütieren ließ. Das neue Modell auf der GM-Plattform D2XX sorgte für ordentlich Furore. Der Astra wurde kürzer und flacher, trotzdem geräumiger, es gab zahlreiche neue Motoren und je nach Ausstattung wurden 120 bis 200 Kilogramm an Gewicht eingespart. Darüber hinaus wurde erstmals Matrix-LED-Licht in die Kompaktklasse bei Opel gesteckt. Eine echte Revolution. 

Kein Wunder also, dass wir bereits bei der ersten Ausfahrt mit einem Prototypen im Mai 2015 ziemlich begeistert vom Astra K waren und zu einem positiven Fazit kamen, das weiter unten im Text noch eine Rolle spielen wird. Und weil das C-Segment um fünftürige Kompaktwagen trotz der SUV-Schwemme immer noch relevant ist, die Entwicklung weitergeht und sich Geschichte ja irgendwie wiederholt, sind wir nun die Neuauflage des Astra als noch stark getarnten Prototyp gefahren. Wie sich die L-Generation schlägt, die pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum der Baureihe im Herbst 2021 auf der IAA in München gezeigt wird, klärt unser Vorserien-Test.

Optisch will Opel noch nicht allzu viel verraten und belässt es vorerst bei den Teasern, die Sie hier sehen können. So bleibt das neue Astra-Design bei unserer Testfahrt noch unter einer Tarnfolie verborgen. Kantiger soll er aber werden. Und die Front wird dominiert vom neuen "Opel Vizor". Zur besseren Vorstellung genügt hier ein Blick auf den neuen Mokka oder den gelifteten Crossland sowie den Grandland.

Bildergalerie: Opel Astra (2022) Teaser

Was für das Exterieur gilt, setzt sich im Innenraum fort. Die besser kontuierten Sitze sind zwar schon erkennbar, aber der Rest bleibt unter undurchsichtigem Vlies versteckt. Ein heimlicher Blick unter die Tarnung bestätigt aber die in den Teasern vermuteten Details. Es wird das sogenannte "Pure Panel" geben, dass aus zwei 10-Zoll-Bildschirmen besteht und optional hinter echtem Glas seine Infotainment-Arbeit aufnimmt. Dazu gibt's ein Head-up-Display, das direkt in die Windschutzscheibe visualisiert. Die wichtigsten Funktionen verbleiben auf richtigen Knöpfen. Die Anzahl und Größe der Staufächer wird angehoben.

Opel Astra L (2021) Validation Drive
Opel Astra L (2021) Validation Drive

Insgesamt wirkt der Innenraum sehr modern und aufgeräumt. Wie die Verarbeitung und die finalen Materialien aussehen werden, ist noch nicht klar, da es sich bei den Testfahrzeugen um Prototypen der ersten beziehungsweise zweiten von insgesamt vier Serien handelt. 80 Prozent beträgt der "Reifegrad". Bei der Bedienung sieht es ähnlich aus. Wir müssen uns also bis zur Premiere damit begnügen, dass Opel uns Wireless-Konnektivität und allerhand Sensoren sowie Fahrassistenten verspricht. Bis hin zu semi-automatischen Überholvorgängen. Das ist schon eine Ansage in der Kompaktklasse wie wir finden.

Weniger Geheimniskrämerei erfahren wir in puncto Plattform, Abmessungen und Motoren. D2XX ist Geschichte im neuen Astra. Die neue Basis zum Glück heißt EMP2. Ursprünglich von PSA und Toyota entwickelt, durfte Opel bei der dritten Generation dieser Plattform jetzt auch von Anfang an mitmischen. 50 Prozent neue Teile sind das Ergebnis und die DNA der Rüsselsheimer soll erkennbar sein.

Opel Astra L (2021) Validation Drive

Auf dem Datenblatt der Astra-L-Generation schlägt sich das neue Grundgerüst in veränderten Abmessungen nieder. Die Höhe schrumpfte auf 1.470 mm (-15 mm) und in der Breite legte die Neuauflage um satte 51 mm auf insgesamt 1.860 mm zu. Die Länge blieb mit 4.374 mm (+ 4 mm) nahezu unverändert. Obwohl sich der Radstand auf 2.675 mm (+13 mm) streckt. Das sich der Längenzuwachs in Grenzen hält, liegt daran, dass der vordere Überhang gekürzt wurde. Um ganze 54 Millimeter. Zu Gewichtsveränderungen äußert sich Opel übrigens nicht. Nach Rückfrage wird uns unsere Vermutung dann bestätigt: Die Veränderungen sind einfach nicht nennenswert.

Opel Astra L (2021) Validation Drive
Opel Astra L (2021) Validation Drive

Im Innenraum schlägt sich die neue Größe nicht wirklich nieder. Die um zwölf Millimeter tiefere Sitzposition lässt einen zwar etwas besser im Auto sitzen, Revolutionen bei den Platzverhältnissen dürfen Sie aber keine erwarten. Die braucht es aber auch nicht unbedingt, denn sowohl in der ersten Reihe als auch im Fond saß es sich auch schon im Astra K ziemlich gut. Der Kofferraum war etwas klein. Aber mit 422 Liter in der neuen Generation justiert Opel hier nach. 

Mit dem Plattformwechsel gehen wichtigere Änderungen einher. Unter der Haube. Nur noch Verbrenner im Angebot haben, wird jetzt auch beim Astra vorbei sein. Es wird zwar noch einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 110 oder 130 PS sowie einen 1,5-Liter-Diesel mit 130 PS geben, die alle mit einer Sechsgang-Schaltung oder (bis auf den Einstiegsbenziner) optional mit einer Achtgang-Automatik ausgerüstet sind, die Zeichen stehen aber ebenfalls auf Elektrifizierung.

Das Stichwort lautet Plug-in-Hybrid. Zur Zusammenarbeit treffen sich im Fall des Astra L ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner und ein 110 PS starker E-Motor, der aus einer 12,4-kWh-Batterie versorgt wird. 180 oder 225 PS kann dieses System an Leistung bereitstellen und über eine Achtgang-Automatik an die Vorderräder abgeben. Kommt Ihnen bekannt vor? Dann haben Sie wohl schon einmal die technischen Daten des neuen Peugeot 308 studiert. Mit dieser Brücke lässt sich auch eine grobe WLTP-E-Reichweite schätzen. Rund 60 Kilometer sollte der Astra schaffen. Wie sein löwiger Verwandter.

Opel Astra L (2021) Validation Drive

Mit all diesen Informationen im Hinterkopf geht es für uns jetzt endlich auf die erste Ausfahrt. Über ziemlich schlechte Straßen. In diesem Fall ein erheblicher Vorteil, denn Opel will demonstrieren, wie gut der Astra L mit diesen widrigen Bedingungen zurechtkommt. Und zum Vergleich steht auch noch ein aktuelles Modell für die gleiche Strecke bereit.

Vor sechs Jahren schrieben wir über den Astra K: "Der neue Astra verliert endlich seine Kopflastigkeit. Zudem wurde dem Rüsselsheimer seine Neigung zum Schaukeln und Untersteuern fast gänzlich ausgetrieben. Auch Lenkung, Bremse und Gasannahme lassen sich viel präziser und direkter steuern. Darüber hinaus sorgen die neuen Turbo-Aggregate ab etwa 2.000 Umdrehungen pro Minute für gesteigerten Fahrspaß mit Nachdruck. So wirkt das gesamte Fahrzeug viel ausgeglichener und definierter."

Ersetzen Sie jetzt einfach "sorgen die neuen Turbo-Aggregate ab etwa 2.000 Umdrehungen" durch "sorgt der Plug-in-Hybrid-Antrieb aus dem Stand weg" und das Zitat könnte erneut gelten. Opel hat noch einmal eine Schippe draufgelegt. Querfugen werden dumpf ignoriert, es ist unglaublich leise im Innenraum, die letzten Schaukeleinheiten und Versetzer, die sich der alte Astra vor allem im direkten Vergleich doch noch ziemlich arg gönnt, werden durch die verbesserten Rollraten und die steifere Karosse eliminiert. Dazu eine Lenkung, die unmissverständlich mit dem menschlichen Gehirn kommuniziert. Chapeau.

Der neue 130-PS-Benziner mit seiner Sechsgang-Schaltung muss sich aber auch nicht verstecken. Der Motor klingt kaum nach Dreizylinder und das Getriebe ist im Vergleich mit der alten Sechsgang-Box mit viele weniger Krafteinsatz bedienbar. Die Gassen wirken kürzer und besser ausdefiniert. 

Nach der Premiere auf der IAA im Herbst 2021 soll es dann relativ schnell weitergehen. Die Verkaufsbücher will Opel im Oktober öffnen und wir rechnen noch im November mit einer Testfahrt des Serienprodukts. Die Auslieferungen sollen dann bereits im Januar 2022 starten. Ambitioniert. Aber machbar. Schließlich findet alles um den Astra wieder in Rüsselsheim statt. Design, Entwicklung und schließlich auch die Produktion werden vom Stammwerk übernommen. Ein echter Opel? Der aktuelle Entwicklungsstand wirkt stark danach. Wir sind gespannt auf das fertige Fahrzeug.

Bildergalerie: Opel Astra L (2021) Validation Drive