Endlich gibt es eine schwerere, teurere, unpraktischere Version des Cayenne. Porsche hat das SUV-Coupé entdeckt. Es kommt spät. Kommt es auch gut?

Was ist das?

Kontroverse im Quadrat. Für die einen nur ein weiterer, völlig sinnfreier Beitrag zur persönlichen Mobilität. Für die anderen genau der Porsche, von dem sie seit Jahren träumen. Und ja, es gibt mehr als genug Menschen, die von einem hohen, geräumigen Porsche träumen, den man flacher, weniger geräumig, dafür aber wesentlich teurer gemacht hat. Schuld ist ein modernes Phänomen namens SUV-Coupé. Die Formel ist einfach: Setzen Sie einen Elefanten auf das Dach ihres Sports Utility Vehicles, machen Sie es in einem überschaubaren Rahmen sportlicher und schwupps - schon rennt Ihnen die Kundschaft die Bude ein. 

Bedenkt man den beängstigend überwältigenden Erfolg von BMW X6, Mercedes GLE Coupé oder Audi Q8 ist es eigentlich ein Wunder, dass man sich in Zuffenhausen so lange Zeit gelassen hat mit der Entwicklung eines solchen Gefährts. Dafür hat man es nun - zumindest meiner unbedeutenden Meinung nach - vergleichsweise subtil und .. naja ..  halbwegs elegant hinbekommen mit der Coupé-isierung des Cayenne. Ein völliger Gesäß-Overkill wie bei X6 und GLE bleibt glücklicherweise aus. Dafür schmückt den Cayenne Coupé-Hintern ein zusätzlicher Heckspoiler, der ab 90 km/h um ganze 135 Millimeter emporschnellt. Vorne stehen die A-Säulen und die Windschutzscheibe aufgrund der Dachkappung ein wenig flacher im Wind, hinten hat man Türen und Kotflügel um 18 Millimeter nach außen gezogen und in gleichem Maße die Spur verbreitert.

 

Wie es sich für das dynamischere, progressivere Modell gehört (Vorsicht, Ironie) ist das CC ein klitzekleines Stückchen länger, breiter und schwerer als der normale Cayenne. Die knapp 30 Extra-Kilo kann man jedoch durch den Erwerb des sogenannten Leichtbau-Sportpakets wieder beseitigen. Es beinhaltet asketischere 22-Zöller sowie ein skulptural geformtes Carbondach, das  beklemmende Ängste vor einem zu hohen Schwerpunkt im Nu beseitigt.

Bildergalerie: 2019 Porsche Cayenne S Coupé im Test

Ansonsten ist das hier quasi eins zu eins ein herkömmlicher Cayenne, inklusive aller technischer Tricksereien (Hinterradlenkung, elektromechanischer Wankausgleich), die ein Plus-Zwei-Tonnen-SUV erschreckend nah an die Fahrdynamik einer sehr talentierten Sportlimousine heranrücken.

Zum Start gibt es den 3,0-Liter-V6 mit 340 PS/450 Nm, den 2,9-Liter-Biturbo-V6 Cayenne S mit 440 PS/550 NM sowie den urwüchsigen Turbo mit 4,0-Liter-Biturbo-V8 und 550 PS/770 Nm. Die 0-100-km/h-Werte liegen bei 6,0/5,0/3,9 Sekunden. Alle schicken ihre Kraft per Achtgang-Automatik an alle vier Räder. Die zwei Hybride aus dem Panamera mit 462 und 680 PS folgen in Bälde.

Je nach gewünschter Konfiguration gibt es vier oder fünf Sitzplätze und mit 625 bis 1.540 Liter einen wesentlich kleineren Kofferraum. Dafür muss man, abhängig von der Motorisierung, zwischen knapp 8.000 und 9.000 Euro mehr bezahlen.

Klingt nicht unbedingt nach dem Deal des Jahres. Fährt das Cayenne Coupé denn besser?

Zuerst einmal sollte hier - Sie wissen es ohnehin schon - eines klargestellt werden: Wer ein großes SUV kauft, bei dem gefühlt die Hälfte des Kofferraums weggeschnitten wurde, tut dies in aller Regel aus Image-Gründen und nicht, weil er hofft, das weniger Blech auch weniger Kaufpreis bedeutet. 

Auch fahrdynamisch sollte man keinen Quantensprung erwarten. Klar, das Coupé hat ein Fitzelchen mehr Spur an der Hinterachse und hat etwas mehr Aero. Allerdings packt es auch ein paar Extra-Pfunde auf die Waage. Ein klassischer Tiebreak. Ohne die beiden Cayennes direkt nacheinander gefahren zu haben, ist es also verdammt schwer mit einer seriösen Aussage zu den Feinheiten in der Beweglichkeit. Deshalb versuche ich es einfacher zu formulieren: Das Cayenne Coupé fährt überaus Cayenne-esk. Das sind hervorragende Nachrichten, denn damit ist gewährleistet, dass auch dieses Auto wahre Handling-Wunderwerke vollbringt für ein solches Trumm. Es gibt wenige SUVs, die auch außerhalb des Werbeprospekts ehrliche Fahrfreude bieten. Der Cayenne ist eines von ihnen, wenn nicht sogar das beste der kleinen aber feinen Bande.

Die Lenkung wirkt fast schon aggressiv direkt. Das Einlenkverhalten ist beinahe unerhört für ein Auto dieses Umfangs. Erfreulicherweise hat Porsche die elektromechanische Lenkung mittlerweile dermaßen gut im Griff, dass hier wahre Flüsse an Fahrbahninformation in die Hände des Fahrers gelangen. Apropos Fluss: Es ist tatsächlich möglich, in einen solchen zu kommen, wenn man das Cayenne Coupé durch eine Ansammlung von Kurven manövriert. Die Bewegungen des Autos wirken sehr natürlich, fast wie bei einem sehr gut austarierten Sportwagen. Das Konzept des SUVs merkt man eigentlich nur noch durch eine minimale Hüftsteifigkeit aufgrund der Fahrhöhe und ein wenig beim Bremsen. Dennoch bin ich der Meinung, dass es (mit Ausnahme des Alfa Stelvio Quadrifoglio) kein SUV gibt, dass sich besser bewegt als dieses.

Porsche Cayenne Turbo Coupé im Test
Porsche Cayenne Turbo Coupé im Test

Allerdings ist Vorsicht geboten. Vorsicht bei der Rallye durch die Aufpreisliste. Denn das vorzügliche Kurvengefühl ist eng verbunden mit dem bereits genannten Fahrdynamik-Viagra. Und das ist aufpreispflichtig. Vor allem die 2.047 Euro teure Allradlenkung ist ein Muss. 

Und die Motoren?

Der Basis-V6 ist alles andere als langsam und für den Alltag sicher völlig ausreichend, leidet aber ein wenig darunter, dass der Cayenne so irre gut fährt, sprich: Wenn man es etwas beherzter angehen lässt (und das wird man zwangsläufig), wirkt er ein wenig zäh. 

Am anderen Ende der Skala wartet der barbarische Turbo, dessen Biturbo-V8 einem bei jedem Beschleunigungsvorgang beinahe das Gesicht vom Schädel zieht. Der Vortrieb ist zu jeder Zeit erbarmungslos, der Klang mächtig und sonor. Die beste Wahl scheint er meiner Meinung nach dennoch nicht zu sein. 

Das liegt einfach daran, dass der Biturbo-V6 im Cayenne S an sich schon ein hervorragendes, schnelles, drehfreudiges und überaus anziehend tönendes Aggregat ist. Und dann wäre da noch der Gewichtsunterschied von 150 Kilogramm. Man spürt ab der ersten Kurve, dass der S das wesentlich agilere und leichtfüßigere Fahrzeug ist. Wenn man also auf pure V8-Macht verzichten kann, kriegt man hier das bessere Paket. Nicht zuletzt, weil es auch noch 47.000 Euro (!) günstiger ist.

Wie ist er innen?

Trotz der etwas stärker geneigten Windschutzscheibe entspricht alles bis zur B-Säule dem gewohnten Cayenne-Erlebnis. Ein sehr schönes Cockpit also mit großem 12,3-Zoll-Infotainment-Screen und glänzenden Oberflächen auf der Mittelkonsole, hinter denen sich Bedientaster mit haptischem Feedback befinden. Die unzähligen Funktionen lassen sich recht logisch und einfach bedienen und Assistenzsysteme-mäßig ist auch alles an Bord, was 2019 so üblich ist. 

Die spannenderen Dinge passieren hier jedoch im Fond. Aus Panik vor lädierten Scheiteln hat Porsche die Rückbank um 30 mm abgesenkt, obwohl das Dach nur 20 mm nach unten gerutscht ist. Die Folge: Alles unter 1,85 Meter sitzt bedenkenlos. Alles darüber sollte sich nicht zu sehr ausstrecken. Beinfreiheit ist aber natürlich nach wie vor in Hülle und Fülle vorhanden. Das Kofferraumvolumen verringert sich um 145 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es 170 Liter weniger. Klingt leicht dramatisch, sollte aber für die meisten Ansprüche trotzdem locker reichen. Die Ladekante ist halt ein wenig hoch.

Standard sind ein monumentales Glasdach (2,16 qm Fläche) sowie eine dreisitzige Rückbank. Sollten Sie das Carbondach für unverzichtbar halten, müssen Sie mit zwei Einzelsitzen im Fond auskommen. Das alles ist Teil des angesprochenen Leichtbau-Sportpakets, das im Zusammenhang mit einem 4,93-Meter-SUV nicht nur verwirrend klingt, sondern mit 13.290 Euro Aufpreis auch eine mächtige Delle ins Festgeldkonto drückt. Zu seiner Ehrenrettung beinhaltet es allerdings auch herrliche Sportsitze mit Hahnentritt-Muster wie im 911 R. Sie machen das Cayenne-Interieur wirklich ein ganzes Stück cooler. Vor allem in Verbindung mit dem Alcantara-Lenkrad. Passen Sie nur auf, dass kein nostalgischer 911-Purist in die Nähe Ihres Autos kommt und vor Verzweiflung in ihren Sportstuhl beißt.    

Porsche Cayenne Turbo Coupé im Test
Porsche Cayenne Turbo Coupé im Test

Soll ich ihn kaufen?

Das Porsche Cayenne Coupé ist ein weiteres sehr großes, sehr schweres SUV, das dank unglaublich viel Ingenieurs-Hirnschmalz und einer Wagenladung an Technik fährt wie ein Sportwagen. Zumindest, wenn Sie die richtigen Fahrwerksoptionen gewählt haben.

All das kann der normale Cayenne aber auch. Dazu bietet er deutlich mehr Platz und kostet viel weniger. Besonders viel Sinn macht dieses neue Auto also nicht. Muss es aber auch gar nicht, weil: SUV-Coupé. Sehr viele Menschen sind derzeit fasziniert von abfallenden Dachlinien und geschwollenen Hüften auf Stelzen. Da ist es dann auch völlig egal, was der Spaß Aufpreis kostet oder wie viel weniger in den Kofferraum geht. 

Sollten Sie einer von diesen Menschen sein, dann kann ich Ihnen dieses Auto definitiv empfehlen. Denn verglichen mit der teils arg üppigen Konkurrenz tritt das Cayenne Coupé erfreulich dezent und stimmig auf. Außerdem hat es einen sehr schönen Innenraum mit tollem Infotainment und fährt - ganz nebenbei - alles andere in dieser Klasse in Grund und Boden. 

Fazit: 8/10

+ fährt einfach unglaublich sportlich für seine Größe (mit den richtigen Optionen); nach wie vor die SUV-Dynamik-Benchmark; hervorragende Qualitätsanmutung; optisch wohl das stimmigste SUV-Coupé

- weniger Platz für mehr Geld (die ewig gleiche, seltsame SUV-Coupé-Formel); 

 

Technische Daten und Preis Porsche Cayenne S Coupé

Motor V6-Biturbo-Benziner; 2.894 ccm
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 8-Gang-Automatik
Leistung 324 kW (440 PS) bei 5.700 U/min
Max. Drehmoment 550 Nm bei 1.800 - 5.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 5,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 263 km/h
Leergewicht 2.100 kg
Zuladung xxx kg
Anhängelast 3.500 kg
Verbrauch Normverbrauch: 9,2 Liter; Testverbrauch:
Emission 212 g/km CO2
Kofferraumvolumen 625 - 1.540 Liter
Basispreis 99.657

Bildergalerie: 2019 Porsche Cayenne Turbo Coupé im Test