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Der Audi RS 4 Avant im Test

Muss das C 63 T-Modell jetzt Angst haben?

Der Audi RS 4 Avant im Test

Manuel Lehbrink (old) Manuel Lehbrink (old)

Von: Manuel Lehbrink (old)

11. Dez. 2017 um 11:51 Uhr

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Performance-Kombis sind wahrscheinlich die schnellste und coolste Art, um bis zu fünf Passagiere und einiges an Gepäck zu transportieren … und zwar auch in der Mittelklasse. Damit das Mercedes-AMG C 63 T-Modell künftig wieder eine adäquate Konkurrenz in diesem Segment hat, schickt Audi den RS 4 Avant in die vierte Generation. Dabei macht der Ingolstädter nun Schluss mit dem V8 unter der Haube und kehrt mit einem Sechszylinder quasi zu seinen Wurzeln zurück. Ob sich der Ingolstädter mit dem Affalterbacher messen kann? Test!

Optische Beliebigkeit? Fehlanzeige!
Als der aktuelle A4 vorgestellt wurde, waren viele durchweg vom neuen Exterieur-Design enttäuscht. Ihm wurde eine gewisse Beliebigkeit vorgeworfen und es wurde bemängelt, dass Audi den Neuzugang optisch nicht deutlich genug von dem alten A4 abgesetzt hätte. Dem neuen RS 4 dürfte so etwas nicht passieren. Die Front erhält eine sehr scharfkantige Überarbeitung, die Radhäuser vorne und hinten schwellen um 30 Millimeter an. Darin sitzen 19-Zoll-Felgen (optional sind auch 20-Zöller erhältlich) und die zwei ovalen Endrohre fallen so exorbitant groß aus, dass man eigentlich ein Gitter davor machen müsste, damit die Nachbarskatze in der Nacht nicht hineinkriecht. Außerdem hat der RS 4 Avant angedeutete Lufteinlässe neben den Scheinwerfern und den Rückleuchten. Mal was Neues. Nostalgisch fällt dagegen die Lackierung aus: Der nogaroblaue Lack ist eine Reminiszenz an den glorreichen Audi RS 2, dem Urahn aller schnellen Ingolstadt-Kombis.

Akustische Bestandsaufnahme vor der Abfahrt
Mein RS 4 ist leider nicht so farbenfroh. Er ist grau. Im Vergleich zum Mercedes-AMG-Pendant wirkt der Audi trotzdem deutlich aggressiver und bulliger. Ja, während der RS 4 mit einer Voll-in-die-Fresse-Optik daherkommt, kann der C 63 noch ein gewisses Performance-Understatement wahren. Der erste Eindruck ändert sich schlagartig beim Anlassen des Motors. Wie bereits erwähnt, verzichtet Audi unter der RS-4-Motorhaube künftig auf zwei Zylinder und steckt den gleichen 2,9-Liter-Biturbo-V6 wie im RS 5 darunter. Der klingt – gelinde gesagt – etwas langweilig. Wobei ,etwas langweilig" mit Vorsicht zu genießen ist, da sich diese Aussage vor allem auf den Vergleich mit dem 4,0-Liter-Biturbo-V8 aus dem C 63 bezieht. Der hört sich nämlich an, wie der RS 4 aussieht: brutal. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf meine Testrunde mit dem Audi im bergigen Umland der südspanischen Stadt Málaga.

Qualitäts-Innenraum und adaptive Dämpfer
Der Innenraum strotzt geradezu vor kostenlosen RS-Goodies: Sportsitze, ein abgeflachtes Lenkrad, beleuchtete Einstiegsleisten oder spezielle RS-Grafiken für das Virtual Cockpit sind serienmäßig. Dazu war Audi bei der Konfiguration meines RS 4 Avant nicht gerade knauserig und so sind außerdem adaptive Dämpfer sowie eine variable Sportlenkung mit an Bord. Im Comfort-Modus bieten die Dämpfer trotz des gegenüber dem normalen A4 um sieben Millimeter tiefergelegten Sportfahrwerks einen gewissen Restkomfort, die Lenkung ist leichtgängig. Perfekt, um die Stadt mit ihren alles andere als schlaglochfreien Straßen ohne nennenswerte Rückenschäden zu verlassen.

Auf dem Papier eine echte Spaßgranate
Als schließlich der letzte Seat Ibiza aus den 90ern vor mir verschwindet und so endlich die Bergstrecke freigibt, schalte ich in den Dynamic-Modus. Die Dämpfer werden spürbar straffer, die Rückstellkräfte im Lenkrad werden stärker und die zuvor so sanft schaltende Achtgang-Automatik verringert sofort das Übersetzungsverhältnis, sodass die Drehzahl des Motors in die Höhe schnellt. Jetzt passt nicht nur die Akustik, es warten nun auch 450 PS und 600 Newtonmeter darauf, über den variablen quattro-Antrieb auf den Asphalt einzuwirken. Die Leistungsentfaltung ist brachial und sehr direkt. Mit einem Gewicht von 1.790 Kilo ist der Audi außerdem erfreuliche 80 Kilo leichter als der Vorgänger und damit fast so schwer wie das fünf Kilogramm leichtere C 63 T-Modell. In 4,1 Sekunden geht es im Ingolstädter auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird – wegen des optionalen RS-Dynamikpakets – erst bei 280 km/h elektronisch begrenzt. So ist der neue RS 4 Avant auf dem Papier 0,6 Sekunden schneller auf Landstraßentempo als sein Vorgänger, dem 476 PS und 650 Newtonmeter starken C 63 T-Modell wird beim Standardsprint immerhin noch 0,1 Sekunde abgenommen.

Was fehlt ist ein wenig Verrücktheit
All diese Zahlen und Werte klingen auf dem Papier nach einer Menge Spaß. Und der heckbetonte Allradantrieb gibt sich zusammen mit dem optionalen Sportdifferenzial alle Mühe, den besten Spagat zwischen Spurstabilität, Unter- und Übersteuern hinzubekommen. Im Normalfall gehen 60 Prozent an die Hinter- und 40 Prozent an die Vorderachse, bei Bedarf können dann bis zu 85 Prozent der Antriebskraft ans Heck geschickt werden. Diese Sicherheits-Attitüde, die Audi damit fährt, kann man mögen und die Kurvengeschwindigkeiten, die dadurch erreicht werden, sind für den Seitenhalt der Sitze und die Mägen der Passagiere eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Trotzdem fehlt mir etwas. Diese Prise Verrücktheit in Kurven, die mir ein C 63 mit Hinterradantrieb schon bei einem dezenten Gasstoß und einem ebenso geringen Lenkeinschlag liefert.

Fahrspaß? Geht, erfordert aber Mut
Wenn ich den Audi zu dem Prädikat ,Fahrspaß" überreden will, brauche ich entweder sehr viel Tempo oder ein komplett ausgeschaltetes ESC (so wird die Stabilitätskontrolle im Audi-Latein abgekürzt). Beides erfordert mehr Platz, als mir die schmalen Sträßchen Andalusiens zur Verfügung stellen. Deshalb finde ich mich damit ab, dass das Audi-pre-sense-System öfter anspringt, als mir das vielleicht lieb ist, mich die Elektronik bei allzu heftigen Übersteuermanövern einbremst und ein aufblinkendes Symbol im Head-up-Display sowie ein akustisches Signal meine Walter-Röhrl-Ambitionen im Keim ersticken.

Die Aufpreisliste in Auszügen
Kommen wir zu den Preisen: Der neue Audi RS 4 Avant ist mit einem Basispreis von 79.800 Euro genau 1.736 Euro teurer als das Mercedes-AMG C 63 T-Modell für 78.064 Euro. Die Aufpreisliste ist bei beiden Modellen eher lang. Und so muss man sich im Konfigurator keine große Mühe geben, damit die 100.000-Euro-Schallmauer durchbrochen wird. Alleine das RS-Dynamikpaket schlägt mit 5.900 Euro Aufpreis zu Buche. Das Nogaroblau kostet noch einmal 2.400 Euro extra, 20-Zöller sind für 2.000 Euro erhältlich, und wenn Audi dann noch Assistenzsysteme wie einen adaptiven Tempomat, einen Spurhalte- oder den prädiktiven Effizienzassistenten verbauen soll, sind weitere 1.640 Euro für das Tour-Paket fällig. Damit nicht genug: Das große Infotainment-System kostet 2.570 Euro Aufpreis und das Virtual Cockpit steht mit 500 Euro in der Zubehörliste. Puh!

Wertung

Preisliste

Audi RS 4 Avant

Grundpreis: 79.800 Euro

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten 360 Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation 2.570 (MMI Navigation plus) Metalliclackierung ab 890 Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll) Tempomat 300 Lederausstattung Serie

RS-Dynamikpaket 5.900 RS-Designpaket 1.500 Bang&Olufsen-Soundsystem 1.140 Virtual Cockpit 500 DAB 335 Assistenzpaket (Stadt) 700 Assistenzpaket (Tour) 1.640 Assistenzpaket (Parken) 970 Head-up-Display 980 Keramikbremse 6.000

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart V-Ottomotor mit Alu-Zylindergehäuse, Direkteinspritzung und Bi-Abgasturboaufladung  Zylinder 6  Ventile 4  Hubraum in ccm 2.894  Leistung in PS 450  Leistung in kW 331  bei U/min 1.900 - 5.000  Drehmoment in Nm 600  Antrieb Allrad  Gänge 8  Getriebe Automatik  Kraftverteilung variabel  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.580  Spurweite hinten in mm 1.575  Radaufhängung vorn Einzelradaughängung, Fünflenker-Achse mit vorne liegender Lenkung, Aluminium-Querlenker, Achsträger und Rohr-Stabilisator  Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, Fünflenker-Achse mit hinten liegender Spurstange, elastisch gelagerter Achsträger und Stabilisator  Bremsen vorn Scheiben (innenbelüftet)  Bremsen hinten Scheiben (innenbelüftet)  Wendekreis in m 11,7  Räder, Reifen vorn 265/35 R19  Räder, Reifen hinten 265/35 R19  Lenkung elektromechanische Lenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Lenkunterstützung  Maße und Gewichte Länge in mm 4.781  Breite in mm 1.866  Höhe in mm 1.404  Radstand in mm 2.826  Leergewicht in kg 1.790  Kofferraumvolumen in Liter 505  Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.510  Anhängelast, gebremst in kg 1.900  Dachlast in kg 90  Tankinhalt in Liter 58  Kraftstoffart Super Plus  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 (optional 280 km/h)  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,1  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 8,8  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 11,5  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,2  CO2-Emission in g/km 199  Schadstoffklasse Euro 6  Fixkosten Haftpflicht-Klasse 16  Teilkasko-Klasse 28  Vollkasko-Klasse 31  Service-Intervalle 30.000 km (max. 2 Jahre)  Garantie 2 Jahre ohne km-Begrenzung 

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