Höher gelegtes SUV-Imitat auf Basis des 25

Im Großstadtdschungel – dem urbanen Dickicht aus Häusern, Straßen, Menschen und Verkehr – kam schon so manches Landei unter die Räder. Ja, das dichte Buschwerk mit seinen beißenden Abgaswolken und den bedrohlichen Stau-Schlangen hat eigene Gesetze und verlangt viel Aufmerksamkeit. Wer als urbaner Konquistador diese nicht aufbringen will, sollte an sein Verkehrsmittel deshalb besondere Anforderungen stellen. Genau solchen Ansprüchen will der neue Rover Streetwise gerecht werden. Welche Mittel das 25-Derivat dem Großstadt-Guerillero zur Verfügung stellt, haben wir auf einer Probefahrt herausgefunden.

Unkonventionell und funky
Geschickt hat Rover mit Offroad-Stilelementen und 2,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit den betagten 25 aufgefrischt. Große, unlackierte Stoßfänger vorn und hinten, robust wirkende Seitenschweller, eine Dachreling, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und 205er-Niederquerschnittsreifen – fertig ist der Onroader mit Offroad-Anleihen. Nutzenorientiert ist das spritzige Geländewagen-Design jedoch nicht. Vielmehr ist der Streetwise fahrendes Statement: Ich lebe unkonventionell und bin funky.

Kein Geländegänger
Und da wären wir auch bei der eigentlichen Schwäche des Streetwise: Er sieht aus, kann aber nicht. Der neue Rover transportiert ein Image – ähnlich wie ein mit Steroiden aufgepumpter Muskelprotz, der keine Hantel heben kann. Der Streetwise verfügt nur über einen konventionellen Vorderradantrieb. Klar, wer braucht schon Allradantrieb. Die aufwändige Technik ist viel zu teuer, und nur die wenigsten Autofahrer nutzen das Potenzial von vier angetriebenen Rädern. Doch mit wenig Aufwand könnte der Streetwise wenigstens etwas Offroad-Kompetenz bieten: Ein Sperrdifferenzial wie beim Peugeot Partner Grand Escapade oder eine Traktionskontrolle würden die Fahreigenschaften auf losem Untergrund verbessern. Der Streetwise bietet nichts dergleichen.

Er steht auf Asphalt
So ist es weise, den Streetwise ausschließlich auf asphaltiertem Untergrund zu bewegen. Hier gibt sich der fesche Brite keine Blöße. Die Fahrwerksabstimmung für die Straße ist seine große Stärke. Obwohl hochbeinig, kann man mit ihm behände um die Ecken fegen – ohne störendes Fahrzeugwanken. Das Fehlen eines Stabilitätsprogramms wie ESP ist durchaus verzeihlich. Sehr spurstabil folgt der Rover exakt den Vorgaben des Lenkrads. Die Lenkung ist etwas schwergängig, vermittelt dennoch ein sehr direktes Gefühl. Der Streetwise sorgt für ein hohes Maß an Fahrspaß auf Landstraßen und auf der Autobahn. Lediglich die Geräuschkulisse im Innenraum wird bei hoher Geschwindigkeit etwas aufdringlich.

Chance verpasst
Eine Besonderheit im Innenraum ist die hintere Sitzbank, die serienmäßig nur zwei Passagieren Platz bietet. Die neuartige Konsole zwischen den beiden Fondsitzen hat jedoch keine nennenswerte Funktion. Hier hat Rover die Chance verpasst, den freien Raum praktisch nutzbar zu machen. Zwei Mulden dienen zwar als Ablagen, mehr Funktionalität ist jedoch nicht angesagt. Keine Getränkehalter, keine Armlehne, keine Durchlade für lange Gepäckstücke. Enttäuschend, wie wenig kreativ dieser Freiraum gestaltet wurde. Mehr Sinn macht deshalb die konventionelle Sitzbank für bis zu drei Personen, die jedoch 200 Euro Aufpreis kostet.

Kein Raumwunder
Während man sich vorne über gute Platzverhältnisse und angenehm straffe Sitze mit hohem Seitenhalt freut, geht es hinten trotz der Konfiguration mit zwei Sitzplätzen beengt zu. Die Kniefreiheit im Fond ist – auch gemessen an der Fahrzeuggröße – zu gering. Der Kofferraum fasst im Normalzustand 304 Liter. Das Umklappen der Rücksitzlehnen geht leicht von der Hand, ist allerdings nur vom Kofferraum aus möglich. Maximal kann der Laderaum auf 1.086 Liter erweitert werden.

Müder Benziner
Mit den 103 PS des 1,4-Liter-Benzinmotors sollte der nur 1.015 Kilo wiegende Streetwise bereits gut bestückt sein. Die Leistungsangabe ist jedoch von theoretischer Natur. Im Fahrbetrieb zeigt sich der Benziner als müdes Maschinchen. Aus dem Drehzahlkeller kommt zu wenig, bergauf verliert er deutlich an Schwung. Erst ab 4.000 Umdrehungen bis in den Begrenzer bei 7.000 Umdrehungen zeigt er Zähne. Freude mag dabei nur wenig aufkommen.

Der Diesel macht's
Dafür sorgt der 101 PS starke Zwei-Liter-Turbodiesel für deutlich mehr Spaß. Nach leichter Anfahrschwäche bietet er ab etwa 2.000 Umdrehungen mit dem Einsetzen des Turbos satten Schwung. Um dieses Temperament am Leben zu halten, muss man lediglich öfter im Fünfgang-Getriebe schalten. Der flotte Diesel passt sehr gut zum frechen Outfit des Streetwise und seinen guten Fahreigenschaften. Kurvige Bergpässe ebenso wie schnelle Autobahnetappen – immerhin 178 km/h sind möglich – vermag man im Rover freudvoll und flott zu durchfahren.

Zunächst nur zwei Motoren
Obwohl weniger Leistung und 105 Kilogramm Mehrgewicht, ist der Streetwise mit dem Dieselmotor schneller, anzugsstärker und fährt sich einfach ausgewogener als die Benzinversion. Der Sprint mit dem Selbstzünder ist nach 10,6 Sekunden beendet, der Benziner braucht 11,0 Sekunden. Für den Diesel sprechen außerdem ein niedriger Verbrauch und weniger Emissionen. Der Mehrpreis von 1.300 Euro für den munteren Antrieb lohnt sich in jedem Fall. Der Einstiegspreis für den Streetwise 1.4 als Dreitürer liegt bei 15.995 Euro. Für den 2.0 D werden mindestens 17.295 Euro fällig. Im Frühjahr 2004 wird außerdem ein 109 PS starker 1,6-Liter-Benzinmotor mit Automatikgetriebe die Streetwise-Motorenpalette abrunden. Über den Preis gibt es noch keine Informationen.

Preisliste


Rover Streetwise 1.4

Grundpreis: 15.995 Euro
Audiosystem mit GPS-Navigation 1.900
Außenspiegel elektrisch einstellbar und beheizbar 130
Fünftürer 500
elektrische Fensterheber hinten 335
Klimaanlage 922
Metallic-Lackierung 385
Nebelscheinwerfer 180
Sitzbezüge in Teilleder 600
Sitzkonfiguration mit fünf Sitzen 200

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Vierzylinder-Turbodiesel-Reihenmotor, 
Hubraum in ccm 1.994 
Leistung in PS 101 
Leistung in kW 74 
bei U/min 2.000 
Drehmoment in Nm 240 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.980 
Breite in mm 1.736 
Höhe in mm 1.495 
Radstand in mm 2.505 
Leergewicht in kg 1.120 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 178 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,6 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,0 
Weitere Informationen
1/moreName 1.600 Kilogramm 
2/moreName 480 Kilogramm 
3/moreName 50 Liter 
4/moreName 830 Kilometer 
5/moreName 304 Liter 

Bildergalerie: Rover Streetwise im Test