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Rassiges Renn-Reptil Dodge Viper SRT-10 im Test

306-km/h-Roadster bietet ein Höchstmaß an Unvernunft und Faszination

Rassiges Renn-Reptil

Fabian Grass Fabian Grass

Von: Fabian Grass

24. Nov. 2003 um 17:02 Uhr

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Die Chrysler-Marke Dodge kommt nach Deutschland. Und das bereits Ende 2003 mit zunächst 100 Vipern des Modelljahres 2004. Ob weitere Dodge-Modelle folgen, wird Anfang kommenden Jahres entschieden. Zunächst müssen wir uns hierzulande mit dem giftigen Renn-Reptil der US-Marke begnügen – einem der wildesten und stärksten Sportwagen überhaupt. Die 506-PS-Rakete ist ein eigenwilliger und polarisierender Dampfhammer für Individualisten. Auf unseren Testfahrten haben wir dieser extrem bissigen Extravaganz auf den Giftzahn gefühlt.

Sportlich und spartanisch
Wer sich in die tiefen Sitzschalen fallen lässt, wird fest umklammert. Das harte Gestühl bietet wenig Komfort, dafür aber exzellenten Seitenhalt. Die Ausstattung wirkt sportlich und spartanisch. Der durchweg schwarze Kunststoff ist von mäßiger Materialanmutung. Aufgelockert wird das Ganze durch Alu-Applikationen, weiß unterlegte Armaturen, viel schwarzem Leder und dem roten Startknopf.

Bedrohliches Grollen aus zehn Zylindern
Wie bei vielen anderen Sportwagen, so wird auch das 8,3-Liter-V10-Triebwerk der Viper per Knopfdruck zum Leben erweckt. Der gewaltige Benzinmotor der vierrädrigen US-Rakete macht mit seinem bedrohlichem Grollen ein klares Statement: Vorsicht, extrem giftig! Wer jetzt aus dem Stand vollen Schub fordert, wird mit Leichtigkeit das Heck zum Ausbrechen bringen. Theoretisch ist der Spurt von null auf 100 km/h nach 3,9 Sekunden zuende. Auf den feuchten Straßen unserer Teststrecke konnten wir diese Sprintfähigkeit jedoch nicht testen. Hier war vielmehr Feingefühl im Umgang mit den 506 PS und den 711 Newtonmetern Drehmoment angesagt. Mit Bedacht fahren wir also im Regen Richtung Autobahn.

Theoretische Höchstgeschwindigkeit: 306 km/h
Erst auf den schnell befahrbaren Fernwegen kann man das gewaltige Potenzial fordern. Eine Gelegenheit, die Tachonadel nahe an die 306 km/h zu bringen, hat sich jedoch nicht geboten. Ja, Sie haben richtig gelesen: 306 Sachen, so schnell kann die Viper fahren. So gleiten wir im sechsten Gang auf der belebten Autobahn dahin. Bei 200 km/h steht die Nadel des Drehzahlmessers bei gerade mal 2.500 Umdrehungen. Schneller kann man bei dem Verkehrsaufkommen kaum fahren. Spannender ist es deshalb, bei 150 km/h in den vierten Gang zu schalten und jenseits der 3.000 Umdrehungen die Muskeln spielen zu lassen. Mit phänomenalem Durchzug macht die Viper dann auf Wunsch einen enormen Satz nach vorne. Bombastisch, mit welchem Schub sie voranprescht, die Insassen in die Sitze presst und die Tachonadel sich unversehens wieder jenseits der 200 km/h bewegt. Ist da etwa Flugbenzin im Tank?

Prädikat: Nur für Kaltduscher
Runterschalten und Schub fordern macht mächtig Spaß. Ein Wermutstropfen dabei ist die Schaltung. Der Schalthebel liegt im Mitteltunnel ungewöhnlich weit oben und vorne. Die Gänge des hakeligen Sechsgang-Getriebes sind nicht ganz so leicht zu finden. Aber der Viper ist es ohnehin ziemlich egal, welche Stufe man einlegt. Das Kupplungspedal ist ebenfalls recht schwergängig und verdient zusammen mit der Schaltung das Prädikat ,nur für Kaltduscher". Eine Viper mit Automatik oder automatisiertem Schaltgetriebe wäre durchaus wünschenswert. Für den puristischen Viper-Fan hingegen wäre eine Automatik ein unakzeptabler Stilbruch.

Wildes Orgelspiel
Komfortabel ist der puristische Ami-Hammer auch sonst nicht. Bereits über 100 km/h wird es unter dem dünnen Stoffverdeck laut. Ab 160 km/h brüllen Fahrtwind und Frontmotor in kaum noch erträglicher Weise. Das wilde Orgelspiel aus Windgeräuschen und dem brüllenden Motor hat fraglos bei niedriger Geschwindigkeit noch seinen Reiz. Der Ritt an die 300-km/h-Grenze dürfte nur für Gehörlose oder ganz und gar unsensible Naturen erstrebenswert sein. Langstreckentauglich ist die Viper damit nicht.

Wer offen fahren will, kann das Stoffverdeck über einen mechanischen Zentralhebel zwischen Sitzen und Kofferraum verschwinden lassen. Das Gepäckabteil ist mit seinen 200 Liter Stauvolumen noch recht akzeptabel. Eine Coupéversion wird es von der neuen Dodge-Flunder übrigens nicht geben.

Hart aber haftend
Wenig sensibel ist auch das Fahrwerk, das sich mit dem Attribut knüppelhart beschreiben lässt. Die direkt wirkende Lenkung reagiert bei hoher Reisegeschwindigkeit zudem leicht nervös und fordert vom Fahrer einige Aufmerksamkeit.

Die Straßenlage in Kurven ist hingegen ausgezeichnet. Die Metapher eines auf dem Asphalt klebenden Autos ist mehr als angemessen. Vor allem die Bereifung in XXL sorgt für vorzüglichen Grip. Die groß dimensionierten Bremsen mit ABS haben ebenfalls kein Problem, den 1,6-Tonnen-Sportler schnell zum Stehen zu bringen. Ansonsten muss das Geschoss ohne weitere elektronische Fahrhilfen auskommen. ,Ungefiltert" nennt das Chrysler.

Preisliste

Dodge Viper SRT-10

Grundpreis: 105.000 Euro

keine - - -

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Zehnzylinder-V-Motor, OHC, 20 Ventile  Hubraum in ccm 8.285  Leistung in PS 506  Leistung in kW 372  bei U/min 4.250  Drehmoment in Nm 711  Maße und Gewichte Länge in mm 4.460  Breite in mm 1.944  Höhe in mm 1.210  Radstand in mm 2.510  Leergewicht in kg 1.601  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 306  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,9  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 19,4  Weitere Informationen 1/moreName 199 Kilogramm  2/moreName 70 Liter  3/moreName ca. 350 Kilometer  4/moreName 200 Liter  5/moreName Euro 3 

Bildergalerie: Rassiges Renn-Reptil

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