Dodge Caliber 2.0 CRD, Mercedes B-Klasse 200 CDI und VW CrossGolf 2.0 TDI

In der Kompaktklasse sind neue Konzepte und besondere Typen zunehmend gefragter. Dazu zählt unter anderem die 2005 gestartete Mercedes B-Klasse. Das auch Sports Tourer genannte Modell setzte sich als van-artiger Premium-Kompakter im sportlich-eleganten Blechkleid von den Durchschnittstypen der Golfklasse ab. Ein Jahr später schickte die Daimler-Chrysler-Marke Dodge mit dem Caliber einen günstigen C-Segment-Vertreter in cooler Muscle-Car-Optik auf die Straße. Und nun hat auch VW mit dem CrossGolf einen auffälligen Kompakten mit großem Innenraum im feschen Offroad-Dress. Wir haben die drei sowohl spannenden als auch recht unterschiedlichen Charakterdarsteller mit Zweiliter-Dieselmotoren zusammen kommen lassen und verglichen.

Wie es Euch gefällt
An die zwei Jahre alte B-Klasse haben sich die Meisten wohl bereits gewöhnt. Auch ein Mercedes darf mittlerweile wie ein Kompakter aussehen. Der bereits ein Jahr alte Caliber ist hingegen noch immer ein exotischer Blickfänger. Mit kräftigen Schultern, ausgestellten Radhäusern und großen Leuchten will er vor allem eines: kein Biedermann sein. Auch der CrossGolf kann sich deutlich vom Allerlei absetzen. Mit seinen stark akzentuierten Offroad-Anleihen geht er bei sportlich orientierten und freizeit­aktiven Autofahrern auf Kundenfang. Ob man sich lieber für den aggressiven Dodge, den Raum-Golf im sportiven Gelände-Kleidchen oder doch für die elegante B-Klasse entscheiden will, ist wohl insbesondere eine Frage des persönlichen Geschmacks. Widmen wir uns deshalb ausführlicher den inneren Werten ...

MOTOR / GETRIEBE
Hinsichtlich der Motorisierungen treten die drei Probanden mit nahezu identischen Aggregaten an. In allen drei Fällen sorgen Zweiliter-Turbodiesel mit jeweils 140 PS für bärigen Schub. Das kultivierteste Aggregat ist der Vierzylinder im Mercedes. Sein Selbstzünder-Dasein kann selbst dieser Motor nicht ganz verbergen. Doch die Geräusche und das Turboloch fallen dezent aus. Seine 300 Newtonmeter Drehmoment mobilisiert er bereits bei 1.600 Touren. Trotz der über 1,4 Tonnen Gewicht schafft der B 200 CDI den 100-km/h-Sprint in 9,6 Sekunden und wird 200 km/h schnell. Den Durchschnittsverbrauch gibt Mercedes mit 5,6 Litern auf 100 Kilometer an. In unserem Test gingen im Schnitt 7,5 Liter durch die Einspritzdüsen. Ein guter Wert. Überzeugend ist auch das exakte und leichtgängige Sechsgang-Schaltgetriebe.

Durstige Fahrmaschine
Noch etwas lustvoller lässt sich der Hebel durch die Gassen der betont knackigen Sechsgang-Schaltung im CrossGolf jagen. Das passt wunderbar zum insgesamt sportlichen Charakter des Niedersachsen. Mit dem etwas lauteren und ruppigeren Pumpe-Düse-TDI dauert der 100-km/h-Sprint zwar 9,7 Sekunden, dafür endet der Vortrieb erst bei 202 km/h. Obwohl nicht ganz so antrittsschnell, vermittelt das Auto deutlicher als die anderen ein dynamisch-aggressives Fahrgefühl. Dazu trägt unter anderem das ab 1.750 Umdrehungen anliegende Drehmoment von 320 Newtonmetern bei. Allerdings erreichte diese spaßbetonte Fahrmaschine mit 8,6 Litern auch den höchsten Durchschnittsverbrauch im Test.

Bester Sprinter, aber laut
Im Caliber werkelt übrigens der gleiche Motor wie im Golf. Den Dieselantrieb haben die Amis kurzer Hand bei VW eingekauft. Obwohl mit 9,3 Sekunden für den 100-km/h-Sprint am antrittsstärksten, fuhren wir ihn mit 8,1 Litern sparsamer als den VW. Die Endgeschwindigkeit liegt mit 196 km/h etwas unterhalb der beiden Deutschen. Damit könnte der Caliber beim Antriebs-Kapitel eigentlich den Sieg einstreichen. Eigentlich. In der Praxis ist das Aggregat aufgrund schlechter Abkapselung einfach zu laut. Zudem dröhnt der Motor in manchen Drehzahlbereichen unangenehm. Trotz kurzer Schaltwege ist der Gangwechsel nicht so knackig wie im CrossGolf, und der Schalthebel selbst ist alles andere als ein Handschmeichler.

FAHRWERK / LENKUNG
Auch das Fahrwerk und die Lenkung sind beim Caliber weniger überzeugend. Der Amerikaner rollt recht trocken ab, könnte etwas sanfter dämpfen und die häufig polternde Hinterachse stört ebenfalls. Zudem bringen die Vorderräder die Kraft nicht sauber auf den Asphalt. Neben spürbaren Lenkeinflüssen beim Beschleunigen aus Kurven wirkt die Lenkung zudem mäßig präzise und synthetisch. Beim scharfen Einbremsen vor Kurven kommt Unruhe ins Volant und die Stopper hinterlassen einen stumpfen Eindruck. Wer allerdings nicht betont sportlich fahren will, könnte sich auch mit dem Fahrverhalten des Dodge anfreunden.

CrossGolf vermittelt viel Fahrspaß
Deutlich besser liegt der CrossGolf auf der Straße. Zwar bietet auch der Wolfsburger kein mustergültiges Komfortniveau, doch nervt er die Insassen keineswegs mit übertriebener Härte. Dafür lässt sich der relativ hoch bauende Frontriebler besonders präzise und agil dirigieren. Ein tolles Einlenkverhalten, geringes Kurvenwanken und ordentlich zupackende Bremsen vermitteln stets das Gefühl, den Wagen gut und sicher zu beherrschen. Und ein Schlechtwegefahrwerk ermöglicht sogar Ausflüge auf Schotterpisten.

B-Klasse überzeugender Alleskönner
Ebenfalls agil doch mit mehr Schlagseite geht die B-Klasse durch Kurven. Zwar bietet sie selbst eiligen Zeitgenossen genügend Reserven. Doch ganz so betont sportlich wie der CrossGolf fährt sich der Schwabe nicht. Flotter geht es mit dem optional bestellbaren Sportfahrwerk (im Sportpaket für 1.333 Euro enthalten) ums Eck. Unser Testwagen ohne diese Option gefiel dafür mit dem guten Komfort – trotz einer bisweilen etwas rumpeligen Hinterachse – und mit einem tadellosem Geradeauslauf bei Top-Speed. Der Stuttgarter ist ein höchst befriedigender Alleskönner. Wie der VW und der Dodge verfügt selbstverständlich auch die B-Klasse serienmäßig über die elektronischen Regelsysteme ABS, ESP und ASR.

INNENRAUM / PLATZ
Alle drei Testkandidaten sind ausschließlich mit fünf Türen und fünf Sitzplätzen zu haben. Obwohl mit 4,42 Meter der Längste im Trio, schneidet der US-Kandidat hinsichtlich der Raumökonomie am schlechtesten ab. Vorne sind die Platzverhältnisse gut, doch die höher bauenden Deutschen bieten mehr Kopffreiheit und ein insgesamt großzügigeres Raumgefühl. Der normal 352 Liter große Kofferraum im Dodge lässt sich durch das Umlegen der hinteren Rückbank auf 1.339 Liter erweitern. Das wars. Dafür ist im Caliber das Angebot an Ablagen und Staufächern üppig. So befindet sich in der Mittelkonsole ein spezieller Handy-Halter. Pfiffig ist auch das Getränkedosen-Regal im gekühlten Handschuhfach. Obwohl auf den ersten Blick recht ansehnlich gestaltet und mit einer Bildschirmnavigation sowie einer Lederausstattung aufgewertet, wirkt die Hartplastiklandschaft des Caliber unterm Strich nicht sonderlich wohnlich. Vieles wirkt einfach zu billig, wie zum Beispiel die Türöffner aus Plastik.

Viel Premium im VW
Mercedes und VW bieten hingegen Premium-Flair. So sind zum Beispiel die Türgriffe jeweils aus elegantem Metall. Der Wolfsburger gefällt zudem mit einem sehr übersichtlichen wie hochwertigen und sauber verarbeiteten Interieur. Sehenswert sind die peppigen, zweifarbigen Sitzbezüge. Das straff gepolsterte Gestühl bietet zudem eine gute Seitenführung. Auch hinten sitzt man im Golf bequem. Da sich die Fondsitze längs verschieben lassen, bleibt die Wahl, ob dem Gepäck oder der Schwiegermutter mehr Platz eingeräumt werden soll. Um 16 Zentimeter kann man die Möbel verrücken. Je nach Sitzposition ergeben sich so in der fünfsitzigen Konfiguration 395 bis 505 Liter Kofferraum. Die Rücksitzlehnen fallen mit dem Zug an einer Schlaufe einfach nach vorn. Die Polster gleiten gleichzeitig nach unten, so dass sich eine ebene Ladefläche ergibt. Maximal fasst der CrossGolf dann 1.450 Liter. Kein schlechter Wert.

Raumwunder B-Klasse
Doch den überzeugendsten Innenraum bietet der Benz. Er beeindruckt mit einer durchweg sehr guten Qualität und einem hohen Sitzkomfort. Außerdem trumpft der 4,27 Meter lange Sternträger mit dem mit Abstand größten Strauraum auf. Das Gepäckabteil fasst in der Normalkonfiguration bis zur Fensterlinie 544 Liter. Hierin enthalten ist das Volumen einer Mulde, die sich unterm Kofferraumboden verbirgt. Um mehr Gepäck zu befördern, können zunächst die Sitzpolster nach vorn in die Senkrechte gekippt und die Lehnen nach vorne geklappt werden. Die Klappe am Kofferraumboden lässt sich in zwei Stellungen bringen. In der oberen Position sorgt sie für eine völlig ebene Ladefläche. Wer will, kann dann auch noch die Beinauflageflächen ausbauen. Sie passen in den Laderaum unter der Klappe. Bei dachhoher Beladung lassen sich so 1.530 Liter unterbringen. Für den Einkauf beim Baumarkt kann man außerdem die Lehne des Beifahrersitzes serienmäßig umklappen. So passen bis zu 2,95 Meter lange Gegenstände ins Auto. Wem der serienmäßige Laderaum der B-Klasse noch nicht reicht, kann das aufpreispflichtige Easy-Vario-System bestellen (298 Euro). Dann sind zusätzlich noch die Sitzlehnen im Fond ausbaubar. Sie passen allerdings nicht mehr in den Innenraum, sondern müssen zwischengelagert werden. Zusätzlich lässt sich noch der Beifahrersitz herausnehmen. Ist alles ausgebaut, kommt die B-Klasse auf ein Gepäckvolumen von stattlichen 2.245 Litern. Dabei ist der Raum neben dem Fahrer bis zur Fensterlinie mitberücksichtigt.

AUSSTATTUNG / PREISE
Mit seinem Verbrauch und seiner Sprintstärke kann der Dodge überzeugen. Doch ansonsten fährt er den deutschen Kontrahenten hinterher. Hierfür gibt es einen entscheidenen Grund: Für ihre Premium-Qualität verlangen Mercedes und VW richtig stolze Preise. Der B 200 CDI in der Basisversion kostet üppige 29.750 Euro. Ebenfalls noch hochpreisig ist der Wolfsburger Testkandidat für 27.801 Euro. Jedoch handelt es sich beim CrossGolf eigentlich um eine hochwertige Ausstattungsvariante des Golf Plus. Wer also keinen Wert auf die auffällige Cross-Optik legt, kann den zivilen Golf Plus mit 2.0 TDI bereits ab 23.287 Euro bekommen. Das sind aber immer noch gut 5.000 Euro mehr als für den Diesel-Dodge verlangt werden. Dieser bietet bereits eine umfangreiche Basisausstattung. In der Top-Version SXT kostet der Caliber 2.0 CRD nur 20.790 Euro. Wer dann noch zusätzlich das umfangreiche Luxury-Paket für 2.700 Euro bestellt, bekommt fast schon eine Vollausstattung. Preislich liegt der Dodge dann aber erst auf dem Niveau vom Golf Plus 2.0 TDI in der Basisausstattung. Zwischen den Einstiegsversionen von Caliber und B-Klasse klaffen sogar stolze 11.500 Euro. Obwohl die B-Klasse mit einer guten Serienausstattung aufwartet, wird dieser Abstand ausstattungsbereinigt sogar noch größer.

Gesamtkosten-Vergleich
Vergleicht man jedoch die Gesamtkosten* (Quelle: www.adac-autokosten.de), sind die finanziellen Unterschiede weniger gravierend. Nach dieser Autokostenberechnung muss man für den Caliber in der Basisversion pro gefahrenem Kilometer 30,1 Cent zahlen. An zweiter Stelle steht der Mercedes mit 31,2 Cent. Am teuersten ist der Kilometer im CrossGolf mit 32,2 Cent. Nimmt man hingegen statt der Cross-Version den Golf Plus mit dem 2.0-TDI-Motor, kann der VW mit nur 29,9 Cent dieses Kapitel für sich entscheiden.


*Gesamtkostenberechnung bei drei Jahren Haltedauer und 30.000 Kilometer Jahreslaufleistung.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • VW CrossGolf und Mercedes B-Klasse liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen – zwei Edel-Kompakte, denen es an nichts fehlt. Der VW bietet die auffälligere Optik und lässt sich sportlicher fahren. Der Mercedes trumpft dafür mit mehr Platz und hoher Variablität auf. Die B-Klasse hat zudem den leiseren Spar-Diesel. Doch ist der Benz dafür auch sehr teuer. Eine günstige Alternative ist der Caliber. Der Motor ist der gleiche TDI wie im VW, dennoch kostet der Ami deutlich weniger. Jedoch leistet sich der Dodge eine Reihe von Schwächen. Mit denen kann man zwar leben, mehr Freude bereiten allerdings die Deutschen.

  • Mercedes-Benz B 200 CDI
    90%
    toller Allrounder mit durchdachtem Innenraum
    auch ein kompakter Mercedes ist nicht billig
  • Dodge Caliber 2.0 CRD
    70%
    günstig mit guter Ausstattung, starker Diesel
    Fahrwerk/Bremse nur mäßig, billiges Interieur
  • VW CrossGolf 2.0 TDI
    80%
    Hingucker mit Flair und sportlichen Eigenschaften
    etwas durstig, teure Cross-Optik, harte Federung

Bildergalerie: Kompakte mit Format