Trotz seiner 177-Diesel-PS ist der starke Auris keine Macho-Kiste

Anfang März 2007 ersetzte Toyota das Kompaktmodell Corolla durch die neue Baureihe Auris. Damit auch wirklich jeder in Deutschland von diesem Modell- und Namenswechsel erfährt, hat Toyota zur Markteinführung nahezu die ganze Republik mit großwandigen Auris-Plakaten tapeziert. Dank dieser mutmaßlich größten Plakatkampagne in der Geschichte Deutschlands dürften wohl auch die letzten Hinterweltler nun wissen: Der Auris ist Toyotas neuer Kompakter.

Einer der stärksten Diesel in der Golf-Klasse
Was hingegen weniger bekannt sein dürfte: Mit dem 177 PS starken Top-Modell Auris 2.2 D-CAT hat Toyota ganz nebenbei einen der stärksten Diesel in der Golf-Klasse überhaupt auf die Straße geschickt. Nur knapp verfehlt dieses Kraftpaket die oberste Stufe auf dem Siegertreppchen starker Selbstzünder in diesem Segment. Allein Volvos C30 D5 bietet mit 180 PS noch etwas mehr Leistung. Doch Toyotas starker Selbstzünder beeindruckt nicht nur mit enormer Kraft. Dank einer aufwendigeren Hinterachskonstruktion ist das Top-Modell der Baureihe zudem sportlicher ausgelegt als seine schwächeren Brüder. Und obwohl es sich damit um den vorläufig dynamischsten Auris handelt, beeindruckt er außerdem mit hoher Alltagstauglichkeit. Dazu verhilft ihm unter anderem seine besonders umfangreiche Ausstattung. Und trotz der vielen Extras und der üppigen Leistung ist sein Preis bemerkenswert niedrig.

Kein Zündschloss
Zur sehr guten Ausstattung des 2.2 D-CAT gehört unter anderem ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem. Ein Zündschloss gibt es also nicht. Die Funktion des Schlüssels übernimmt ein Signalgeber, den man beim Einsteigen und Starten in der Hosentasche behalten kann. Rechts vom Lenkrad befindet sich ein Start-Stopp-Knopf. Mit einem kurzen Druck des rechten Zeigefingers erweckt man den Reihenvierzylinder zum Leben. Akustisch hält sich das Aggregat dezent zurück. Lediglich bei offenem Fenster dringen die klassischen Verbrennungsgeräusche eines Diesels unangenehm laut an die Insassenohren.

Trotz Turbodruck nicht ruppig
Typisch für einen Selbstzünder mit Turbolader ist auch eine leichte Anfahrschwäche. Zwar ist der Vierzylinder ab etwa 1.000 Touren fahrbar, doch akzeptabler Durchzug ist erst ab 1.500 Umdrehungen geboten. Steigen die Motordrehzahlen über die 2.000er-Marke, sorgt die Kraft des Turbos für einen sehr druckvollen Vortrieb. Obwohl die Leistungsentfaltung des D-CAT-Aggregats ihn damit zu einem typischen Vertreter der Turbodiesel-Fraktion macht, wirkt der Antrieb doch nicht so ruppig wie beispielsweise bei den TDI-Motoren von VW. Statt dessen beschleunigt der Toyota relativ gleichmäßig. Selbst jenseits der 4.000 Umdrehungen dreht der Vierzylinder noch munter hoch und wirkt dabei kaum angestrengt. Spätestens knapp jenseits der 5.000 Touren muss die nächste Gangstufe eingelegt werden. Zwischen sechs Gängen kann man im vergleichsweise lang ausgelegten Getriebe wählen. Ungewöhnlich groß ist die Spreizung zwischen dem dritten und vierten Gang. Beim Hochschalten in die vierte Stufe gehen die Drehzahlen deutlich runter. Bei 140 km/h arbeitet der Motor im sechsten Gang mit nur 2.500 Umdrehungen.

Gute Fahrleistungen, geringer Verbrauch
Trotz der Getriebeauslegung kann man aus dem Stand die 100-km/h-Grenze in 8,1 Sekunden knacken. Der zügige Vortrieb endet bei 210 km/h. Angesichts der guten Fahrleistungen ist der Verbrauch moderat. Den durchschnittlichen Spritkonsum gibt Toyota mit 6,2 Litern an. Nach einer schnell gefahrenen Autobahn-Etappe ermittelte der Bordcomputer einen Verbrauch von knapp über zehn Liter. Bei sehr sinniger Fahrweise auf der Landstraße sank dieser Wert auf etwa die Hälfte. Im Schnitt haben wir laut Bordcomputer auf unserer Testfahrt 8,4 Liter verbraucht. Hinsichtlich der Umwelt steht der Auris 2.2 D-CAT recht gut da: Immerhin reinigt ein Rußpartikelfilter serienmäßig die Abgase und mit 164 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer erreicht der Wagen ein für seine Leistungsklasse moderates Niveau.

Starke Rivalen
In seinem Segment hat der Auris 2.2 D-CAT nur wenige ähnlich potente Gegner. So bietet BMW den 120d ebenfalls mit 177 PS an. Der bayerische Kompakte knackt die 100 km/h nach nur 7,5 Sekunden und fährt 228 km/h schnell. Trotz deutlich besserer Fahrleistungen gibt BMW den Verbrauch mit genügsamen 4,9 Litern an. Weniger beeindruckend sind die Fahrleistungen des derzeit stärksten Diesel-Kompakten: Der Volvo C30 D5 benötigt 8,4 Sekunden für den 100-km/h-Sprint und verbraucht mit 6,9 Litern deutlich mehr. Auf nahezu gleichem Niveau wie der Auris bewegt sich der VW Golf 2.0 TDI GT. Seine 170 PS machen ihn 220 km/h schnell. Den Sprint erledigt er in 8,2 Sekunden. Der Verbrauch soll bei 5,9 Litern liegen.

Agil und sicher
Der 2.2 D-CAT ist die einzige Auris-Variante mit Einzelradaufhängung an der Hinterachse. Alle anderen Motorisierungen müssen mit einer einfacheren Verbundlenkerachse auskommen. Doch ist der Power-Auris damit nicht überragend sportlicher unterwegs als seine ohnehin schon agil ausgelegten Vettern. So geht es im 2.2 D-CAT zwar flotter um Ecken, doch dank seiner insgesamt noch recht komfortablen Fahrwerksauslegung wankt der Wagen dabei auch spürbar zur Seite. In besonders schnellen Kurven stört zudem der mäßige Seitenhalt der Sitze. Weniger auffällig sind hingegen die Eingriffe des Stabilitätsprogramms VSC. Die Regeleingriffe erfolgen spät. Den Wagen kann man also mit deutlich spürbarer Untersteuerungstendenz sicher durch Kurven zirkeln. Etwas mehr Biss und eine genauere Dosierbarkeit könnten die Bremsen vertragen. Dafür fallen trotz des hohen Drehmoments von 400 Newtonmeter die Antriebseinflüsse auf die Lenkung dezent aus. Beim Beschleunigen aus Kurven stört kein wildes Zerren nach links und rechts. Jedoch verhält sich die etwas leichtgängige und synthetisch wirkende Lenkung nicht so neutral wie bei einem Hecktriebler.

Viel für wenig
Seine Nase ganz weit vorn hat der Auris 2.2 D-CAT beim Preis. Für den Dreitürer werden bescheidene 24.250 Euro fällig. Zu den Höhepunkten der Serienausstattung zählen die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, das bereits erwähnte schlüssellose Zugangs- und Startsystem, ein automatisch abblendender Innenspiegel sowie die Lederbezüge für Lenkrad und Schaltknauf. Darüber hinaus sind Annehmlichkeiten wie eine Licht-an-Automatik, ein Bordcomputer, eine Zweizonenklimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, ein Regensensor, ein MP3-fähiges CD-Radio, elektrische Fensterheber und ein Tempomat an Bord. Zusätzlich zur Komfort-Ausstattung ist mit sieben Airbags und der Stabilitätskontrolle VSC auch für die Sicherheit viel geboten. Apropos sicher: Beim EuroNCAP-Crashtest hat der Auris die Höchstnote von fünf Sternen eingefahren. Wer übrigens mehr Luxus wünscht, kann mit Ledersitzen, dem Super-Navi und einem Schiebedach den Wagen nahezu voll ausstatten. Der Preis bleibt weiterhin unter 30.000 Euro. Die bereits erwähnten Rivalen aus Wolfsburg, München und Schweden kosten deutlich mehr und bieten dabei weniger Ausstattung.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Ein Kompakter mit 177-Diesel-PS – hier möchte man eigentlich eine betont harte Sportversion erwarten. Antrittsstark und agil ist der 2.2 D-CAT fraglos. Doch handelt es sich dabei nicht um eine kompromisslose Um-den-Baum-Wickel-Variante. Bereits äußerlich fehlt dem starken Auris eine martialische Muskel-Optik. Ebenso sucht man im Innenraum vergeblich nach den typischen Sportwagen-Devotionalien. Dafür verwöhnt das neue Toyota-Modell mit einer sehr umfangreichen Komfort- und Sicherheitsausstattung. Das gesamte Paket bekommt man zudem zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Auch beim Verbrauch langt das starke Kompaktmodell nicht übertrieben zu. So ist der neue Auris auch in der Top-Version vor allem ein Auto der Vernunft, ohne dass dabei die Fahrfreude zu kurz kommt.

  • Antrieb
    85%
    kraftvoller, kultivierter und sauberer Diesel
    der Diesel-Punch ist wenig beeindruckend
  • Fahrwerk
    90%
    gelungener Dynamik-Komfort-Kompromiss
    Lenkung könnte direkter sein
  • Karosserie
    90%
    gutes Platzangebot, modernes Innenraum-Design
    an manchen Stellen wirkt der Innenraum billig, die Stufe im erweiterten Kofferraum stört
  • Kosten
    95%
    niedriger Kaufpreis, sehr umfangreiche Ausstattung
    keine günstige Basis-Ausstattung für die Motorisierung

Preisliste


Toyota Auris 2.2 D-CAT Dreitürer

Grundpreis: 24.250 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 2.620
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 850
Metalliclackierung 480
Leichtmetallfelgen 17 Zoll Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.650
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbodieselmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.231 
Leistung in PS 177 
Leistung in kW 130 
bei U/min 2.000 - 2.600 
Drehmoment in Nm 400 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.525 
Spurweite hinten in mm 1.525 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, McPherson Federbein mit Schraubenfeder 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung, Doppel-Querlenker 
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 11,0 
Räder, Reifen vorn 17 x 7J, 225/45R17 
Räder, Reifen hinten 17 x 7J, 225/45R17 
Lenkung Zahnstangen-Lenkung mit elektrischer Servo-Unterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.220 
Breite in mm 1.760 
Höhe in mm 1.515 
Radstand in mm 2.600 
Leergewicht in kg 1.510 - 1.545 
Zuladung in kg 375 - 410 
Kofferraumvolumen in Liter 354 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.355 
Dachlast in kg 75 
Tankinhalt in Liter 55 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 210 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,1 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,2 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,2 
CO2-Emission in g/km 164 
Schadstoffklasse Euro 4 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 355 
Haftpflicht-Klasse 18 
Teilkasko-Klasse 22 
Vollkasko-Klasse 22 

Stark und günstig