Individualisierter Nippon-Klon: Peugeot-SUV auf Mitsubishi-Basis im Test

Mit stark wachsenden Verkaufszahlen macht das Segment der Kompakt-SUVs macht seit einigen Jahren von sich Reden. Japaner, Koreaner und auch deutsche Hersteller haben bereits eine Reihe von Modellen in diesem Boom-Segment im Angebot. Allein die ach so umtriebigen und zukunftsverliebten Franzosen verschliefen den Trend auf beinahe schon sträfliche Weise. Doch nach dem Motto besser spät als nie, wird nun der PSA-Konzern mit dem SUV-Duo Citroën C-Crosser und Peugeot 4007 erste Gehversuche abseits asphaltierter Straßen unternehmen. Wir haben dabei zugesehen und selbst im Löwen-Allradler einige Kilometer absolviert.

Japaner mit PSA-Diesel
Auf den ersten Blick gibt sich der 4007 klar als ein Peugeot zu erkennen. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem Auto, welches weitgehend von einem anderen Hersteller konzipiert wurde. Eigentlich handelt es sich um einen Nippon-Franzosen, der auf dem Mitsubishi Outlander basiert. Outlander, C-Crosser und 4007 werden allesamt im japanischen Werk Mizushima gebaut. Einzig und allein der HDi-Dieselmotor kommt von PSA aus Frankreich. Von dort tritt er die lange Reise nach Japan an, wo die komplette Endmontage stattfindet. Danach geht der Motor in der modifizierten Outlander-Hülle per Schiff wieder zurück nach Frankreich zurück.

Individualisierter Klon
Ein Peugeot soll aus der allgemeinen Masse herausragen. Deshalb trägt der 4007 das unverwechselbare Gesicht der Marke. Ein riesiger Kühlergrill wird von einem schwarzen Stoßfänger geteilt. Flankiert wird das große Löwenmaul von lang gezogenen und mandelförmigen Frontscheinwerfern. Vorne in der Mitte der Motorhaube prangt der bekannte Chrom-Löwe. Ansonsten ziert das Heck des 4007 noch eine spezielle Aluleiste und sorgen eigens designte 18-Zoll-Felgen für etwas Individualität. Doch die Änderungen können kaum verhehlen, dass der 4007 eine Outlander-Kopie ist.

Brüderliche Innenansichten
Und jetzt die Aufzählung der Details, in denen sich der Peugeot-Innenraum von der Kabine des Outlander und des C-Crosser unterscheidet: das Markenlogo auf dem Lenkrad. Das war`s. Der Rest ist gleich, was allerdings kein Grund zum Nörgeln sein muss. Die Kunststoffe sind gummiert und wirken hochwertig und kratzfest. Platz gibt es für Fahrer und Beifahrer genauso wie für die Passagiere in der zweiten Reihe. Der 4007 trägt noch eine dritte Sitzreihe im Kofferraum mit sich. Diese lässt sich per Schlaufenzug aus dem ebenen Laderaumboden herausklappen. Hier stehen zwei Notsitze bereit, die sich für den kurzen Transport von Kindern eignen.

Transport-Talente
Zur flexiblen Unterbringung von Passagieren und Gepäck hilft dem 4007 seine hohe Variabilität. Die zweite Sitzreihe lässt sich asymmetrisch geteilt umklappen, auch die Sitzflächen sind unabhängig voneinander um 80 Millimeter in der Längsrichtung verschiebbar. In der Konfiguration mit fünf Sitzen und im Boden versenkter dritter Reihe lassen sich 510 Liter Gepäck mitnehmen. Werden alle Fondsitze umgeklappt, passen 1.686 Liter Hab und Gut ins Fahrzeug. Die Heckklappe des 4007 schwingt nach oben und gibt eine hoch wirkende Ladeschwelle frei. Der Clou: Diese Ladeschwelle lässt sich nach unten umklappen. Damit müssen schwere Gegenstände nicht mehr über diese Hürde gestemmt werden. Ein weiterer Vorteil der so genannten Hobby-Ladeklappe: Sie ist mit bis zu 200 Kilogramm belastbar.

Unterboden Lösung>
Platz sparend hängt unterm Kofferraum ein Reserverad. Nach Umlegen der Hobby-Ladeklappe zeigt sich eine kleine Plastikabdeckung mit der Bezeichnung ,Tire Spare". Unter dieser verbirgt sich die Schraube, mit deren Hilfe man den Drahtkäfig absenken kann, der das Reserverad enthält. Das dünne, in militärischer Wüstensand-Jeep-Farbe gehaltene Notrad erlaubt ein Weiterfahren mit maximal 80 km/h. Und trotz Tarnfarbe fällt es natürlich auf, wenn nur noch drei schicke Alufelgen unterm Wagen rotieren.

Spezifisch europäische Auslegung
Das Fahrwerk des Basisfahrzeugs Mitsubishi Outlander soll laut Peugeot recht sportlich ausgelegt sein. So haben sich die französischen Ingenieure daran gemacht, ein paar Kompromisse ins Federwerk zu integrieren. Das Ergebnis macht Spaß: Sowohl auf der Autobahn als auch auf Holperpisten kämpft der Komfort erfolgreich gegen die Schläge aus dem Untergrund. Selbst die Bahnübergänge von Überlandbahnen donnern zwar laut ans Ohr, rütteln uns aber nicht durch. Und noch etwas überrascht: Der hohe Wagen wankt und kippt kaum. Selbst in sehr engen Kurven haben wir immer ein sicheres Gefühl. Die Lenkung ist weich, schrammt aber gerade noch am Prädikat ,zu weich" vorbei. Vom Straßenbelag verursachte Vibrationen oder Antriebseinflüsse konnten wir am Lenkrad nicht feststellen.

Neue Gummis von Michelin
Eigens für den 4007 hat Michelin neue 18-Zoll-Reifen entwickelt, die in der Dimension 225/55 R18 vorher nicht im Programm des Reifenherstellers waren. Laut Peugeot wurde das Fahrwerk speziell auf die Bereifungen abgestimmt. Im Falle der von uns getesteten 18-Zoll-Pneus glauben wir das gerne. Ein weiterer kleiner Beitrag zur guten Straßenlage ist das Aluminium-Dach. Durch diesen Leichtbau konnte der Schwerpunkt des Wagens um vier Millimeter abgesenkt werden. Gerade bei so hohen Fahrzeugen wie SUVs zählt hier jeder Millimeter.

Französisches Herz
Wie schon gesagt: Der in Japan montierte 4007 hat seinen Dieselmotor aus dem PSA-Konzern. Alternativ ist der Peugeot noch mit dem 170 PS starken 2,4-Liter-Benziner bestellbar, ein Mitsubishi-Motor, der ebenfalls im Outlander zu haben ist. Als Diesel bieten die Japaner hingegen einen 140 PS starken 2,0-TDI-Motor von VW an. Erst in 2008 wird auch der Outlander den PSA-Diesel bekommen.

Kräftiges Aggregat
Dieser 2,2-Liter-Selbstzünder leistet 156 PS und legt seine 380 Newtonmeter Drehmoment bereits bei 2.000 Touren an die Kurbelwelle. Ein variabler Einlassquerschnitt verhindert bei diesem Einfachturbo das Turboloch. 7,3 Liter Diesel verbrennt das Aggregat auf 100 Kilometer. Pro Kilometer Fahrt werden 194 Gramm Kohlendioxid freigesetzt. Dies sind moderate Werte für ein SUV, zumal das Triebwerk einen äußerst kräftigen Eindruck hinterlässt. Steigungen nimmt der 4007 mit einem breiten Lächeln. Dabei wird der Selbstzünder nie unangenehm laut, eine gepflegte Konversation ist jederzeit möglich. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Schallschutzmaßnahmen recht umfangreich sind.

Sechs Gänge für vier Räder
Bei der manuellen Sechsgang-Schaltung lässt sich präzise und mit kurzen Wegen bedienen. Ein großer Drehknopf auf der Mittelkonsole ermöglicht die Auswahl zwischen Vier- und Zweiradantrieb. Zusätzlich gibt es die Stellung ,Lock". Im Vierradmodus wird das Drehmoment elektronisch zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, um optimale Traktion zu erzielen. Ob über Stock und Stein oder auf granulatbedeckten Straßen: Die Traktion machte uns nie Sorgen. Wer ein wenig Sprit sparen will, kann in den Zweiradmodus wechseln. Jetzt werden nur die Vorderräder mit Antriebskraft versorgt. Doch beim heftigen Tritt aufs Gaspedal zeigen sich leichte Traktionsprobleme und zerren die Vorderräder an der Lenkung. Vor allem auf regennassen Straßen bietet es sich an, im 4WD-Modus zu fahren. Wird der Weg schwierig, wechselt man am besten in die Stellung ,Lock". Dabei handelt es sich aber nicht um eine Sperrmöglichkeit für ein Differenzialgetriebe. Vielmehr kann bei glattem Untergrund hier 50 Prozent mehr Kraft an die Hinterräder gelegt werden. Aber da der 4007 kein Geländefahrzeug ist, wird diese Funktion sicher eher selten zum Einsatz kommen.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Peugeots erstes SUV-Modell 4007 ist eine gelungene Mischung aus Komfort und Sport. Der kraftvolle 2,2-HDi-Motor harmoniert sehr gut mit dem hervorragend abgestimmten Fahrwerk. Der variable Innenraum wirkt hochwertig und die umklappbare Ladeschwelle lässt ein bei vielen Automodellen permanent vorhandenes Dauerärgernis mit einem Handgriff verschwinden. Materialanmutung, Größe und Ausstattung lassen keinen Zweifel: Peugeot positioniert den 4007 irgendwo zwischen oberer Mittelklasse und Oberklasse.

    Der Einstiegspreis mit dem 2.2 HDi geht in der Ausstattungsvariante Tendance bei 31.990 Euro los. Damit ist der Peugeot zwar 1.600 Euro günstiger als die Basis-Version des baugleichen C-Crosser. Doch bietet die an sich baugleiche Citroën-Variante auch mehr Ausstattung und bewegt sich preislich also auf etwa gleichem Niveau.

  • Antrieb
    95%
    reichlich Kraft für alle Lebenslagen
    Verbrauch und CO2-Emission moderat, Filter ab Werk
  • Fahrwerk
    100%
    wird mit allen Untergründen fertig
    erfreulich geringe Wankneigung
  • Karosserie
    90%
    außen ein Peugeot, innen viel Platz für alle
    dritte Sitzbank nur für Zwerge geeignet
  • Kosten
    85%
    hochwertige Materialien, gute Ausstattung
    vergleichsweise hoher Einstiegspreis

Preisliste


Peugeot 4007 2.2 HDi

Grundpreis: 31.990 Euro
Modell Preis in Euro
Peugeot 4007 2.2 HDi FAP 155 Tendance 31.990
Peugeot 4007 2.2 HDi FAP 155 Platinum 37.590
Peugeot 4007 2.2 HDi FAP 155 Sport 33.590
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 2.490
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 850
Metalliclackierung 540
Leichtmetallfelgen ab 770
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer 150

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Turbodieselmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.179 
Leistung in PS 156 
Leistung in kW 115 
bei U/min 2.000 
Drehmoment in Nm 380 
Antrieb zuschaltbarer Allrad 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Kraftverteilung variabel 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.540 
Spurweite hinten in mm 1.540 
Radaufhängung vorn McPherson mit Einzelradaufhängung, Stabilisator, 22 mm 
Radaufhängung hinten Mehrlenker-Hinterachse, Stabilisator, 20 mm 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innenbelüftet, 294 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, 302 mm 
Wendekreis in m 12,0 
Räder, Reifen vorn 225/55 R18 
Räder, Reifen hinten 225/55 R18 
Lenkung elektromechanische Servolenkung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 22 
Böschungswinkel hinten in Grad 21 
Rampenwinkel in Grad 19 
Bodenfreiheit in mm 174 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.635 
Breite in mm 1.805 
Höhe in mm 1.715 
Radstand in mm 2.670 
Leergewicht in kg 1.825 
Zuladung in kg 585 
Kofferraumvolumen in Liter 184 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.686 Liter 
Anhängelast, gebremst in kg 2.000 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 200 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,9 
CO2-Emission in g/km 194 
Schadstoffklasse Euro 4 

4007: Der erste 4x4-Löwe