Viel Platz in drei Volkswagen: Golf Plus, Passat Variant und Touran

Besonders zur Reisezeit dominieren sie auf den Autobahnen und in den Urlaubsorten: Kombis und Vans mit der ganzen Familie an Bord plus entsprechende Ausrüstung. Nach der Zulassungsstatistik kommen die meisten Kompaktvans, Mittelklassekombis und Golfklasse-Autos von VW. Wir haben drei dieser Raumkonzepte ausgewählt und gegeneinander antreten lassen: Golf Plus, Touran und Passat Variant.

Ladefreunde mit drei Gesichtern
Während der Kompaktvan Touran – dieser Test bezieht sich auf das demnächst abgelöste Modell – als Ältester der Drei sachlich-nüchtern daherkommt und schon äußerlich dem Nutzwert huldigt, sind die beiden anderen Kandidaten rundlicher gezeichnet. Den Golf Plus kann man als in die Höhe geschossenen Golf verstehen. Typisch sind hier die breite C-Säule und der kurze, hintere Überhang. Zehn Zentimeter mehr Höhe gegenüber dem Golf setzt der Kompakte in mehr Raum um. Das Design des Passat Variant ist das jüngste in diesem Trio und spricht bereits einen neuen Dialekt in der Wolfsburger Formensprache. Ein auffälliger Wappengrill vorne und fließende Linien kennzeichnen den Mittelklassekombi in diesem Vergleich.

INNENRAUM / PLATZ
Der Passat Variant ist ein klassischer Kombi mit viel Platz. Vorne wie hinten sitzen die Passagiere auf gut konturierten Polstern. Sitzposition und Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen genügen auch größeren Menschen. Bei voll besetztem Wagen passen bis zu 603 Liter in den Kofferraum – genug auch für einen größeren Urlaub. Der Laderaum ist hier deutlich breiter als bei Golf Plus und Touran. Doch die Durchladebreite zwischen den Rädern ist eher beschränkt, sodass sich der Stauraum nicht optimal nutzen lässt.

Alles schön ordentlich
Im Kofferraum sorgen diverse Haken, Klappen und Fächer für mehr Ordnung beim Laden und Stauen. Gegen Aufpreis können auch noch zusätzliche Abtrennungen und Haltenetze bestellt werden. Die Lehnen lassen sich leicht entriegeln und herunterklappen, doch das Aufstellen braucht etwas Kraft. Liegen die Rückenlehnen flach, so passen bis zu 1.731 Liter in den Variant. Praktischer ausgedrückt: Es lässt sich auch ein 26-Zoll-Fahrrad ohne Demontage des Vorderrads einladen.

Golf Plus: Klappen, Schieben, Stauen
Mit dem Satz ,kompakt wie ein Golf, intelligent wie ein Van" wirbt VW für den Golf Plus. Da sind zumindest zwei Körnchen Wahrheit drin. Denn bei dem Hochdachkompakten lässt sich die geteilte Sitzbank im Fond vielfältig verstellen und besonders einfach umklappen. Da sich die Sitze längs verschieben lassen, bleibt die Wahl, ob dem Gepäck oder der Schwiegermutter mehr Platz eingeräumt werden soll. Um 16 Zentimeter kann man die Möbel verrücken. Je nach Sitzposition ergeben sich so in der fünfsitzigen Konfiguration 395 bis 505 Liter Kofferraum. Damit ist der Stauraum des Hochdach-Verwandten viel geräumiger als beim Golf. Doch ist die Laderaumlänge deutlich geringer als bei Passat und Touran. Wer häufig lange Gegenstände transportieren muss, kann aber einen umklappbaren Beifahrersitz bestellen.

Pfiffiges Klappsystem im Golf Plus
Pfiffig und praktisch: Die Rücksitzlehnen fallen mit dem Zug an einer Schlaufe einfach nach vorn. Die Polster gleiten gleichzeitig nach unten, so dass sich eine ebene Ladefläche ergibt. Maximal fasst der Golf Plus 1.450 Liter, das 26-Zoll-­Testrad passt hier nicht ganz hinein. Der variable Laderaumboden eliminiert bei Bedarf die Ladeschwelle des Golf Plus.

Touran: Auch mit sieben Sitzen
Am variabelsten im Testfeld präsentiert sich der Wolfsburger Kompaktvan. Hier findet sogar eine dritte Sitzreihe Platz im eckigen Heck. Die beiden zusätzlichen Einzelsitze kosten 660 Euro Aufpreis. Auf längeren Strecken sind hier allerdings nur Kinder glücklich. Werden die beiden Zusatzsitze im Boden versenkt, entsteht ein fast quadratischer Laderaum mit stolzen 695 Litern Fassungsvermögen. Für unser Testfahrrad müssen dennoch die mittleren Sitze aufgestellt werden. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Fahrer und Beifahrer dürfen für diese Übung ihre Sitze nicht in die hinterste Raste schieben. Nach dem Aufstellen müssen die gefalteten Stühle zudem mit je einer massiven Stange fixiert werden. Da die dritte Reihe in einem doppelten Boden liegt, entsteht davor eine Stufe. Lohn der Mühen sind jedoch üppige 1.913 Liter Laderaum. Eine Ladeschwelle gibt es hier nicht.

Viel Platz im Kompaktvan
So ergibt sich eine klare Reihenfolge: Im Touran kann man nicht nur zu siebt auf die Reise gehen. Auch in puncto Variabilität und Größe des Laderaums bietet der Kompaktvan am meisten. Der Passat als klassischer Vertreter der Mittelklassekombis hat nicht ganz so viel Platz. Denn er ist zwar deutlich länger als der Touran, aber auch lange nicht so hoch. Außerdem ist die Variabilität im Vergleich zu den anderen Testkandidaten begrenzt. Klappen, Schieben und Falten ist hingegen die Domäne des pfiffig eingerichteten Golf Plus. Er punktet besonders durch das einfache Umlegen der Rücksitze. Allerdings hat dieser den kleinsten Laderaum im Vergleich.

FAHRWERK / LENKUNG
Die äußeren Charaktere des Test-Trios setzen sich im Fahrverhalten fort. Auch wenn bei Passat, Touran und Golf Plus zumindest die Vorderachse und die Lenkung technisch eng verwandt sind, ergeben sich Unterschiede. Neben jeweils anderen Federn und Dämpfern hat die unterschiedliche Höhe Einfluss auf das Kurvenverhalten. Der Touran ist 14 Zentimeter höher als der Passat. Zum Golf Plus beträgt der Unterschied sechs Zentimeter. Der Zusammenhang ist klar: Je höher die Karosserie, desto stärker die Wankneigung in der Kurve – wenn das Fahrwerk nicht gegensteuert.

Im Touran verschaukelt
Am meisten ,verschaukelt" fühlten wir uns im Touran. Es folgen Golf Plus und Passat Variant. Allerdings spielt hier psychologisch auch die Sitzposition eine Rolle: Wenn man höher sitzt, fühlt man das Wanken stärker. Und besonders hoch thront man im Touran. Insgesamt fühlten wir uns im Passat Variant am wohlsten in der Kurve. Auch die unterschiedlichen Radstände der drei Autos machen sich bemerkbar. Mit dem kürzesten Abstand zwischen den Achsen ist der Golf Plus der Agilste im Test. Ob auf der Autobahn oder auf der Landstraße, der Kompakte lässt sich exakt und leicht lenken. Eine sichere Straßenlage haben alle drei Kandidaten gemeinsam.

Gemeinsamkeit: Feinnervige Lenkung
Auch Touran und Passat sind nicht lahm in den Lenden. Beide sind genau wie der Golf Plus mit einer feinnervigen Lenkung gesegnet. Damit lässt sich das Trio durchaus beherzt um die Kurven treiben. Alle drei sind frei von jeglicher Tücke, wenn man in Kurven vom Gas geht. Gut auch, dass sich an dem Fahrverhalten auch beladen nichts ändert. Am stärksten macht sich die Beladung in der Traktion des Touran bemerkbar. Bei diesem zerren ab und zu Antriebseinflüsse an der Lenkung. Der Passat neigt sich im beladenen Zustand in Kurven etwas stärker zur Seite. Gleichzeitig wird die Federung bei kleinen Unebenheiten komfortabler. Am wenigsten lässt sich der Golf Plus von Ladung beeinflussen: Bis auf ein etwas stärkeres Wanken in Kurven bleibt der Kompakte auch beladen der Agilste.

AUSSTATTUNG / PREIS
Mit einem Grundpreis von 18.450 Euro in der 102-PS-Version ist der Golf Plus der Günstigste unter unseren drei VWs. Für einen gleich starken Touran verlangen die Wolfsburger 20.650 Euro, also fast 2.000 Euro mehr. Die dritte Sitzreihe – und damit die volle Variabilität – kostet 660 Euro Aufpreis. Der Passat Variant als teuerster Testkandidat steht mit dem 102 PS starken 1,6-Liter-Motor für 23.400 Euro in der Preisliste. Das sind stolze 4.950 Euro mehr als beim Groß-Golf.

Günstiger Golf Plus, Prestige-Passat
Alle drei Testlinge verfügen in Kombination mit dem 102-PS-Motor über eine Fünfgang-Schaltung. Sie bieten bereits in der Grundversion eine ordentliche Sicherheitsausstattung mit ABS, ESP und sechs Airbags. Hinzu kommen elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne sowie eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Doch nur der günstige Golf Plus besitzt elektrische Fensterheber auch hinten. Der Touran hat als einziges Auto im Test einen serienmäßigen Tempomaten sowie ein CD-Radio. Der Passat Variant verfügt dafür über eine Klimaanlage sowie eine elektrische Feststellbremse. Er rollt serienmäßig auf 16-Zoll-Stahlrädern, während seine Testgegner mit 15-Zöllern vorlieb nehmen müssen. Insgesamt sind Touran und Passat etwa gleich hochwertig ausgestattet, während der Golf Plus etwas hinterherhinkt. Berücksichtigt man allerdings das aufwendige Sitzsystem des Kompaktvans, so liegen alle drei auf dem gleichen Level – und das, obwohl der Passat eine Klasse höher als die anderen Testkandidaten antritt.

Die Gesamtkosten-Perspektive
Der Golf Plus ist also auch ausstattungsbereinigt der Günstigste im Test. Doch nicht nur der Grundpreis ist niedriger als bei Passat oder Touran, auch die Gesamtkosten. Der Golf Plus hat laut ADAC-Berechnung (www.adac-autokosten.de) die niedrigsten Betriebskosten und den geringsten Wertverlust. So kostet der Kompakte bei 15.000 Kilometern jährlich und vier Jahren Haltedauer 40 Cent pro Kilometer. Bei Passat und Touran überrascht, dass bei beiden die gleichen Kilometerkosten anfallen, obwohl der Passat ja teurer in der Anschaffung ist. Die beiden Markengeschwister belasten das Familienbudget mit jeweils 43 Cent je Kilometer. Grund: Der Passat Variant ist ein begehrter Gebrauchter mit dementsprechend niedrigem Wertverlust.
(ao/sl)

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Der Touran bietet den größten und den flexibelsten Laderaum sowie optional eine siebensitzige Ausführung. Zudem bietet er parkplatzsuchenden Großstädtern den meisten Raum pro Grundfläche. Der Passat hat weniger Raum, wirkt dafür aber eleganter. Der kompakte Golf Plus schließlich empfiehlt sich durch geringe Kosten und durchdachten Innenraum. Wer aufs Geld sehen muss, entscheidet sich am besten für den Golf Plus. Ob man Touran oder Passat wählt, hängt davon ab, ob einem eher an Platz und Variabilität gelegen ist oder an eleganter Optik und Renommee.

  • VW Golf Plus
    90%
    agil und variabel, kompakte Außenmaße
    kleinster Kofferraum im Vergleich
  • VW Passat Variant
    90%
    geringe Seitenneigung, große Modellvielfalt
    hoher Anschaffungspreis
  • VW Touran
    90%
    am meisten Kofferraum, sieben Sitze möglich
    eckige Optik, lästiger Sitzausbau

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