Optisch dezent modifiziertes Kompaktmodell mit iVTEC-Motor im Test

Vokabeln wie Science-Fiction-Fähre oder Raumgleiter drängten sich uns auf, als wir vor ziemlich genau drei Jahren anlässlich der Markteinführung die achte Generation des Honda Civic fuhren. Und auch beim nun facegelifteten Modell denkt man mehr an Krieg der Sterne als an die alltägliche Drängelei im Straßenverkehr. Wir haben das futuristische Auto mit dem neuen 1,4-Liter-Basismotor getestet.

Nun Einstieg mit 100 PS
Der Civic als solcher ist stets eine fünftürige Schräghecklimousine, denn der Dreitürer heißt Civic Type S. Daneben gibt es noch die viertürige Hybridvariante mit Stufenheck sowie das dreitürige Sportmodell Type R. Wir fuhren den Fünftürer, den es nach wie vor mit einem 140-PS-Benziner, einem ebenso starken Diesel sowie mit einem 1,4-Liter-Benziner gibt. Letzterer leistete 83 PS und wird nun ersetzt durch einen 100 PS starken Motor. Er besitzt den gleichen Hubraum wie das Vorgängeraggregat und ist aus dem Jazz bekannt. Die neue Basismotorisierung arbeitet mit der variablen Ventilsteuerung namens i-VTEC. Da hier die Leistung nicht über die Drosselklappe, sondern über die Ventilöffnungszeiten kontrolliert wird, gibt es weniger Effizienzverluste.

Sehr sparsam
So ergibt sich ein Spritverbrauch von 5,9 Liter auf 100 Kilometer – kein Tröpfchen mehr als der alte 83-PS-Motor benötigte. Auch im Vergleich mit der Konkurrenz sind 5,9 Liter ein guter, nein ein hervorragender Wert: Der Basis-VW-Golf mit 80 PS braucht 6,4 Liter, der etwa gleich starke Golf 1.6 gar 7,1 Liter. Auch das 90-PS-Basismodell im Opel Astra braucht mehr, genauso wie der 100 PS starke Ford Focus. Wie fast immer beim Verbrauchs-Vergleich liegt BMW allerdings vorne, hier aber nur minimal: Der 122 PS starke 116i benötigt nur 5,8 Liter. Zum Thema Umweltfreundlichkeit ist noch zu vermerken, dass das neue Aggregat nun anders als der Vorgänger die Euro-5-Norm einhält.

Wenig überzeugende Performance
So gut sich die Umwelteigenschaften anhören, so wenig überzeugt allerdings die Performance des Civic 1.4. In der Praxis wirkt das Auto zwar nicht direkt schlapp, aber auch keineswegs aufregend. Das mag auch am Drehmoment liegen, das mit 127 Newtonmeter nicht gerade berühmt ist. Ottomotoren mit gleicher Leistung, aber mehr Hubraum bieten mehr: Der 100-PS-Focus bietet hier mit seinem 1,6-Liter-Motor 150 Newtonmeter, der gleich große 102-PS-Benziner im Golf 148 Newtonmeter. Die verbrauchen allerdings wie erwähnt mehr – alles auf einmal kann man eben nicht haben. Abgesehen von seinem eher müden Charakter ist das Civic-Aggregat auch laut: Besonders bei Drehzahlen um die 4.000 Touren dröhnt es störend.

Serienmäßige Schaltpunktempfehlung
Serienmäßig wird der Motor wie der alte Basisantrieb mit Sechsgang-Schaltung ausgeliefert. Bei der Konkurrenz gibt es meist nur Fünfgang-Getriebe. Bei der Wahl des richtigen Gangs hilft im Civic neuerdings eine Schaltpunktempfehlung: Links neben dem Digitaltacho erscheint je nach Art des Öko-Fehltritts ein grüner Pfeil nach unten oder nach oben. Im Vergleich etwa zum BMW 1er, wo das Pfeilchen meist erst erscheint, wenn wir sowieso gerade schalten wollten, ist der Civic etwas strenger und empfiehlt das Hochschalten schon früh.

Optionales iShift-Getriebe
Auf der anderen Seite des Tachos leuchten außerdem bei Wohlverhalten grüne Eco-Punkte, die anzeigen, wie ökonomisch man fährt. Geht man aufs Gas, verschwinden die Anzeigesymbole jeweils paarweise. Wer das Schalten lieber dem Auto überlässt, kann den Civic 1.4 wie bisher schon mit einem automatisierten Schaltgetriebe namens iShift (zu deutsch: ich schalte) bestellen, das überarbeitet wurde. Auch damit kann man Sprit sparen, denn mit dem Sechsgang-Getriebe verbraucht der Civic nur 5,7 Liter auf 100 Kilometer – sprintet allerdings auch volle zwei Sekunden langsamer: Damit vergehen 15,0 statt 13,0 Sekunden bis Tempo 100.

Äußerlich ein klein wenig konventioneller
Der neue Basismotor ist die Hauptänderung bei der neuen Civic-Version. Dagegen halten sich die optischen Modifikationen sehr in Grenzen. So wurde das die Front prägende Band, das die schlitzartigen Leuchten miteinander verbindet, durch Lufteinlassöffnungen links und rechts vom Honda-H aufgelockert. Auch das Rückleuchtenband am Heck wurde im Detail modifiziert. Ansonsten ist beim Civic alles beim Alten. Nicht praktischer geworden ist der Motorstart, den wir schon 2005 monierten: Man steckt rechts vom Steuer den Schlüssel rein und kann dann erst links vom Lenkrad den Startknopf betätigen. Gut gefällt jedoch nach wie vor die direkte Lenkung. Die etwas harte Federung passt besser zu den sportlicheren 140-PS-Motoren als zu unserem 100-PS-Testwagen.

Lobenswerte Innenraumvariabilität
Hohes Lob verdient das Auto aber in puncto Variabilität: Der Gepäck- und Passagierraum lässt sich so flexibel nutzen wie bei keiner anderen Kompaktlimousine. Zunächst kann man die Sitzflächen nach oben klappen und dort arretieren. So kann man etwa ein stehendes Mountainbike hinter die Vordersitze stellen. Außerdem kann man die Sitze nach vorn klappen, wobei sie unversehens im Fahrzeugboden verschwinden.

Ab 16.790 Euro
Der Civic 1.4 mit 83 PS kostete 16.550 Euro. Für das Facelift-Modell mit dem erstarkten Motor zahlt man 16.790 Euro, also praktisch gleich viel. Zum Vergleich: Den VW Golf 1.6 mit 102 PS gibt es mit fünf Türen und der mageren Trend-Ausstattung ab 18.845 Euro, also für rund 2.000 Euro mehr als beim Civic. Die gleichwertig ausgestattete Golf-Version Comfortline kostet bereits 20.345 Euro. Einen gleichwertig motorisierten und ausgerüsteten Hyundai i30 erhält man allerdings schon für 15.140 Euro.

Ordentliche Basisausstattung
Die namenlose Basisausstattung des Civic ist ordentlich und bietet unter anderem sechs Airbags, ESP, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber rundum. Ein CD-Radio kann man für 354 Euro Aufpreis bestellen. Wer eine Klimatisierung möchte, muss jedoch die nächsthöhere Version Comfort für 18.690 Euro bestellen, die neben einer Klimaautomatik auch ein CD-Radio besitzt. Schließlich gibt es noch die Variante Sport für 20.190 Euro mit Alufelgen, elektrisch anklappbaren Außenspiegeln, Nebelscheinwerfern sowie Licht- und Scheibenwischerautomatik.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Unser kleiner Preisvergleich zeigt, dass der Basis-Civic deutlich günstiger ist als ein gleichwertiger Golf, aber teurer als ein vergleichbarer i30. Vom Preis einmal abgesehen, ist der Civic nach wie vor ein empfehlenswertes Auto. Wer ein sportlich akzentuiertes Kompaktmodell sucht und sich nicht an dem etwas extremen Design stört oder sich sogar dafür begeistert, dem sei der Honda ans Herz gelegt.

    Von Fahrwerk und Lenkung her fährt sich das Auto fast wie ein Sportler. Dennoch ist der Innenraum so flexibel nutzbar wie in sonst keinem Auto der Kompaktklasse. Der neue Basismotor passt allerdings nicht so recht zu diesen Werten. Er ist zwar für seinen hervorragenden Verbrauch zu loben, aber nicht für seine Performance.

  • Antrieb
    90%
    sehr sparsamer Basismotor
    für 100 PS wenig Temperament
  • Fahrwerk
    80%
    sehr direkte Lenkung
    etwas harte Federung
  • Karosserie
    95%
    flexibelstes Innenraumkonzept der Kompaktklasse
    extrem gestaltetes Exterieur
  • Kosten
    80%
    ordentlich ausgestattet und deutlich günstiger als VW Golf
    teurer als ein Hyundai i30

Preisliste


Honda Civic 1.4

Grundpreis: 16.790 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie, mit elektron. Bremskraftverteilung und Bremsassistent
ESP Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie (durchgehend für vorn und hinten)
Seitenairbags hinten -
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio 354
Metalliclackierung 480
Leichtmetallfelgen ab 140
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Nebelscheinwerfer 241
Anhängevorrichtung 316
automatisiertes Schaltgetriebe iShift 1.100

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-Reihenmotor, SOHC, variable Ventilsteuerung i-VTEC 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.339 
Leistung in PS 100 
Leistung in kW 74 
bei U/min 4.800 
Drehmoment in Nm 127 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.505 
Spurweite hinten in mm 1.510 
Radaufhängung vorn McPherson-Achse 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse 
Bremsen vorn Scheiben (282 mm), innen belüftet 
Bremsen hinten Scheiben (260 mm) 
Wendekreis in m 11,0 
Räder, Reifen vorn 16 x 6 1/2 J, Reifen 205/55 R16 91 H 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Lenkung elektrische Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.245 
Breite in mm 1.765 
Höhe in mm 1.460 
Radstand in mm 2.620 
Leergewicht in kg 1.257 
Zuladung in kg 433 
Kofferraumvolumen in Liter 456 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.352 
Anhängelast, gebremst in kg 1.200 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 50 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 177 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 13,0 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,9 
CO2-Emission in g/km 135 
Schadstoffklasse Euro 5 

Bildergalerie: Neue Basis-Raumfähre