Der Murtaya ist ein neues Auto auf Subaru-Basis aus England – wir testen es

Hier in Newquay in der englischen Grafschaft Cornwall treffen sich die Surfer zum Surfen und die jungen Leute zum Party machen. Aber hier sitzt auch eine innovative kleine Autoschmiede: Adrenaline Motorsport. Die enthusiastischen Jungs von Adrenaline basteln in einer alten Scheune aufregende Autos zusammen. Zur Zeit im Programm: der Toniq R, eine sehr moderne Interpretation des Lotus-7-Themas, und der Murtaya. Ebenfalls noch auf der Angebotsliste: der Minari Mark 2, der aber nur eingefleischten Motorsportfans ein Begriff sein dürfte. Wir haben uns in das Murtaya-Erprobungsfahrzeug gesetzt und uns in der grün-hügeligen Landschaft Cornwalls an Handling und Geschwindigkeit berauscht.

Murtaya: Woher kommt der Name?
Unter dem kleinen Dach von Adrenaline Motorsport hat sich eine Handvoll Leute zusammengefunden, die schon einiges an Autobau-Erfahrung mitbringen. Manche haben bei TVR gearbeitet, andere bei Rover Modelle designt. Der ,Murtaya" hat seinen Namen von drei führenden Mitarbeitern bekommen: Dan Mur (Technischer Direktor), Tom Taylor (Workshop Direktor) und Neil Yates (Marketing Direktor) sind jetzt für immer im Fahrzeugnamen verewigt. Der Designer Colin Williams, der schon bei Land Rover und Marcos Karosserien zeichnete, muss anhand seiner Formensprache erkannt werden.

Welche Basis?
Der Murtaya ist natürlich kein von Grund auf neu entwickeltes Auto. Als Basis setzt Adrenaline Motorsport cleverer Weise eines der in der breiten Öffentlichkeit am meisten verkannten Fahrzeuge ein: einen Subaru WRX. Diesem wird eine andere Karosserie verpasst, sein Motor wird zu mehr Leistung gezwungen, der Radstand des Wagens wird verkürzt und das Federsystem wird dem Subaru WRX STi entnommen.

Cabrio mit abnehmbaren Dach
Die Karosserie des Murtaya wurde vollkommen neu entworfen. Der Wagen ist sehr flach und kommt als zweisitziges Cabrio daher – schon an dieser Stelle ist das Fahrzeug meilenweit von einem Subaru entfernt. Schließlich bieten die Japaner bis heute weder offene Wagen noch Zweisitzer an. Das Dach kann in einem Stück abgenommen werden, es besteht wie der Rest der Karosserie aus Composite-Materialien. In den Kofferraum passt die Mütze allerdings nicht, wer offen los fährt, ist auf gutes Wetter angewiesen. Ansonsten erinnert die Linienführung ganz entfernt an Modelle von Lotus. Besonders die kurzen Überhänge gefallen. An der Front verarbeiten drei gigantische Einlässe in Frontschweller-Höhe den anfallenden Luftstrom.

Sportlich elegantes Heck
Die Türen sind zirka 30 Zentimeter hoch und erinnern ein wenig an die versenkbaren Türen des BMW Z1. Allerdings werden die Murtaya-Pforten per Klapptür verschlossen. Auf Grund der geringen Bauhöhe der Türen lassen sich die Seitenscheiben nur bis zur halben Höhe runterfahren. Auf der Motorhaube öffnet sich elegant eine Lufthutze und hinter den Reifen befinden sich in den Kotflügeln gut eingepasste Luftauslässe. Das Heck wirkt gefällig rundlich und zieht sich zum Ende des Wagens hin ein wenig nach oben. Die breite dritte Bremsleuchte macht die leichte Wölbung des Kofferraumdeckels mit. Unter ihr, Richtung Fahrzeugboden, kommt das zentrale Doppelendrohr aus dem Wagen, welches von einer Art Heck-Grill umrahmt wird.

Innen viel Platz
Über Seitenhalt und sportliches Sitzgefühl braucht man beim Murtaya gar nicht diskutieren: Sechspunktgurte spannen uns ins Sportgestühl, als wären wir mit Pattex festgeklebt. Platz für lange Beine bietet der Innenraum ohne Ende und hinter den verstellbaren Sitzen ist sogar noch Raum für kleinere Rucksäcke. Meine Stirn liegt allerdings bedrohlich auf einer Höhe mit der offenen Dachkante, wo auch noch ein Metallelement zum Einhängen des Daches sitzt. Ich kann nur hoffen, dass sich im Falle eines Crashs mein Hals nicht soweit dehnt, dass mein Kopf an dieser Kante anschlägt. Der Rest der Raumgestaltung geht in Ordnung, sogar ein Kofferraum fährt mit, in dem mindestens ein Flughafen-Trolley versenkt werden kann. Die Türen öffnen sich nach einem Druck auf Metall-Knöpfe in der Mittelkonsole – wer dies nicht weiß, sucht ewig nach einem Hebel oder Knopf in der Tür. Und noch eine Annehmlichkeit wartet im Murtaya auf uns: Ein Radio dudelt im DIN-Schacht vor sich hin – beileibe keine Selbstverständlichkeit in einem britischen Sportwagen.

An einem verlassenen Ort
Wir wagen eine Probefahrt. Natürlich bleibt das Verdeck in der Firmen-Garage. Die Jungs von Adrenaline Motorsport haben uns einen vergessenen Rundkurs gezeigt, eine fast schon unwirklich wirkende Landschaft. Hier ist ein ehemaliger Militärflughafen mit einer acht Kilometer langen Landebahn. Auf dem riesigen umzäunten Gelände steht nur eine Kirche auf weiter Flur. Das ehemalige Dorf drum herum musste dem Flughafen weichen, die Kirche wurde in der Hoffnung stehen gelassen, dass sie im Konfliktfall nicht Ziel eines Angriffs sein wird und somit auch dem Flughafen Schutz bietet. Um das ganze Gelände führt eine zweispurige Landstraße ohne nennenswerte Ortsdurchfahrten oder Verkehr. Um dorthin zu gelangen, geben wir vorsichtig Gas.

Dr. Jekyll und ...
Der Murtaya fährt ruhig an, als könnte er keiner Fliege was zuleide tun. Ein bisschen um die Kurve fahren, den Unterboden bei einer lieblichen Furt-Durchfahrt spülen und die aus dichtem Bewuchs bestehenden Tunnel genießen. Was für ein gemächliches, komfortables Auto. Das ist er, der vornehme, gut erzogene Dr. Jekyll. Am viereckigen Rundkurs angekommen, lassen wir es krachen. Beim Tritt aufs Gas brechen alle Dämme, der Motorsound gurgelt gierig ins Freie. Während uns der Vortrieb ins Sportgestühl presst, hackt uns bei jedem Schaltvorgang ein abschwellendes Surren ins Ohr – ein Ventil, welches das Turboloch verhindert, macht dieses akzentuierte Geräusch. Immer engere Kurven müssen es sein.

... Mr. Hyde
Adrenaline Motorsport hat den Radstand des Subaru WRX um zehn Zentimeter verkürzt und ihm die Federung des STi verpasst. Aber der STi wiegt über eine halbe Tonne mehr. Unter dem gerade mal 925 Kilogramm leichten Murtaya scheint sich das Federwerk etwas strecken zu können. So werden Unebenheiten gutmütig weggebügelt. In Kurven bleibt der Wagen sehr stabil, der Wank-Winkel hält sich im Rahmen eines Rallye-Fahrzeugs. Er ist nur schwach ausgeprägt und zeigt keinerlei Neigung, sich zu verstärken. Plötzlich taucht eine 90-Grad-Kurve wie aus dem Nichts auf. Wir schlagen das Lenkrad ein und geraten trotz Vierradantrieb in einen Drift. Dieser verläuft aber derart sanft und kontrolliert, dass wir diesen Fahrzustand ab jetzt öfter herbeiführen müssen. Selbst vollkommen ungeübte Drifter oder Leute, die aus Versehen in so eine Situation geraten, werden mit diesem Fahruntersatz nie die Kontrolle verlieren. Böse Fahrfehler, heftiger Übermut: Der Murtaya ist durchtränkt von Nächstenliebe – er vergibt einfach alles.

Bis 600 PS?
Per Rumgefummel am Turbo haben die Ingenieure von Adrenaline Motorsport aus dem 2,5-Liter-Subaru-Boxer 320 PS geholt. Angeblich sollen ohne großen technischen und finanziellen Aufwand bis zu 600 PS drin sein. Wir können nur sagen: Die 320 PS reichen für den Hausgebrauch vollkommen aus. Das japanische Aggregat ist ohnehin schon gut, und auf 320 PS hochgepimpt klingt es noch viel besser. Und da es einen leichteren, flacheren Wagen zu bewegen hat, sind der Spritzigkeit keine Grenzen gesetzt. Licht und Schatten fließen an uns vorbei, wir bewegen uns wie in einem Zeittunnel. Überholvorgänge sind auf einmal das leichteste der Welt. Und jederzeit haben wir alles im Griff. Selbst die angeblich nicht modifizierten Bremsen wirken zu keinem Zeitpunkt überfordert.

Fünf Gänge für die Guten
Der Murtaya lässt sich mit einer manuellen Fünfgang-Schaltung durch den Verkehr klicken. Zuerst muss ich mich daran gewöhnen, mit der linken Hand zu schalten. Aber als ich den Dreh raus habe, ziehe und drücke ich gerne die Gänge in ihre Schaltstufen. Sauber rastet das Gestänge ein, weich ändern die Zahnräder ihre Position. Die Schaltung ist knackig und erfreut durch kurze Wege. Sie passt perfekt zum Wagen und seinen zwei Gesichtern: Im normalen Straßenverkehr hilft sie, ruhig durch die Gegend zu brummen, auf der Rallye-Strecke wartet sie nur darauf, mit blitzschneller Hand in die richtige Position gerissen zu werden. Und wie gesagt: Dieses Fahrzeug verzeiht alles.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Mit dem Murtaya hat Adrenaline Motorsport aus einem Subaru WRX einen vorbildlich-gutmütigen Wagen gemacht, der sich per Gaspedal zu einer irren Rennmaschine mutiert – auch so würde der Name ,Murtaya" passen.

    Doch die Geister, die man ruft, bleiben jederzeit kontrollierbar. Dem Auto könnte eine Aufsehen erregende Rallye-Karriere bevorstehen. Wer den britischen Japaner für den landläufigen Straßenverkehr anschafft, wird mit einem wohligen Gefühl an das Potential des Wagens denken.

  • Antrieb
    90%
    nur leicht modifizierter Serienantrieb
    freudige Kraftentfaltung
  • Fahrwerk
    95%
    kompfortabel im Stadtverkehr
    sicher in schnellen Kurven
  • Karosserie
    80%
    extrem steifes Cabrio
    niedrige obere Frontscheibenkante
  • Kosten
    75%
    günstiger 400-PS-Umbau
    TÜV-Einzelabnahme ist nötig

Preisliste


Adrenaline Motorsport Murtaya

Grundpreis:  Euro
Modell Preis in Euro
Umbaukit ohne Steuern ab 15.300

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbo-Boxermotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.457 
Leistung in PS 395 
Leistung in kW 291 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Kraftverteilung 50:50 (vorne/hinten) 
Maße und Gewichte
Radstand in mm 2.440 
Leergewicht in kg 925 
Tankinhalt in Liter 60 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 280 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,2 

Bildergalerie: Vergebung bei 320 PS