BMW X3 18d vs. Skoda Yeti 2.0 TDI vs. VW Tiguan 2.0 TDI

Auf vergleichsweise kleine SUVs mit sparsamen Dieselmotoren hat es die Kundschaft im Moment abgesehen. Wir lassen drei populäre Vertreter aus diesem Bereich gegeneinander antreten: Der BMW X3 xDrive18d muss sich mit dem brandneuen Skoda Yeti 2.0 TDI und dem VW Tiguan 2.0 TDI messen. Während der Bayer mit 143 PS unterwegs ist, müssen bei Skoda und VW 140 PS reichen.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Förmlich ist der X3 eben ein X3: Die kantige Karosserie kennen wir bereits seit 2004, im Jahre 2007 gab es ein kleines Facelift. Obwohl er schon ein paar Jahre auf dem Heck hat, kann sich der X3 immer noch sehen lassen. Dank seiner kompakten schmalen Bauweise wirkt er deutlich sportlicher als der etwas größere X5. Innen stoßen wir mit unseren Knien dann schnell an der Seite oder der Mittelkonsole an, wir sind ein bisschen eingemauert. Erfreulich sind dahingegen wieder die Sitze: Straff gepolstert geben sie uns ein sportliches Gefühl. Interieur und Verarbeitung geben keinen Grund zum Tadel. Und die 480 Liter Kofferraumvolumen sind der Spitzenwert im Wettkampffeld, maximal stehen 1.560 Liter zur Verfügung.

Ein echter Skoda
Skodas erstes SUV, der Yeti, wurde mit Spannung erwartet und ist seit 2009 auf dem Markt. Entsprechend frisch wirkt sein Design, welches stark an den Octavia erinnert und somit gut in die übrige Modellpalette der Tschechen passt. Aussehen ist Geschmacksache, aber eine unumstrittene Schönheit können wir im robust aussehenden Yeti beim besten Willen nicht erkennen. Innen macht der Wagen schon wegen seiner Sitze Spaß: Der extrem gute Seitenhalt ist der beste im Test. Vorne und hinten genießen wir gefühlt deutlich mehr Platz als im X3. Auch im Skoda ist die Verarbeitung gut, während aber die Oberflächen einen ganz leichten Hartplastik-Touch nicht verstecken können. Der Kofferraum des Yeti ist mit 405 Liter der mit Abstand kleinste der Drei. Bei umgelegter Rückbank und dachhoher Beladung zieht der Yeti wiederum an allen vorbei: 1.580 Liter wollen jetzt mit Gepäck befüllt werden.

Für VW auffällig
Volkswagen hält sich beim Design traditionell etwas zurück und fährt gut damit. So kommt es, dass der seit 2007 erhältliche Tiguan mit seinen ausgestellten Radläufen zu einem der auffälligsten VWs geworden ist. Aber der Wagen wirkt solide und stimmig – und hat ab Marktstart alle Konkurrenten in den deutschen Verkaufszahlen ausgestochen. Die Kabine des Wolfsburgers kommt gefällig mit langstreckentauglichen Sitzen daher – und ohne jegliche sportliche Anmutung, was nichts Negatives sein muss. Die Verarbeitung und die Oberflächen gefallen uns hier am besten. Beim Gepäck ist der Tiguan mit 470 Liter dabei, kann also gerade mal zehn Liter weniger mitnehmen als der BMW. Der Kofferraum-Maximalwert des VW ist der niedrigste im Feld: 1.510 Liter stehen zur Verfügung.

FAHRWERK/FAHRVERHALTEN
Beim Fahrwerk schafft es der X3, das sportliche Gefühl beizubehalten: Zackig performt der Bayer auf der Straße, zieht schneidig durch jede Kurve. Schlagseite: Fehlanzeige. Dabei ist die Lenkung präzise und kommt ohne störendes Spiel aus. Vom Feder-Dämpfer-Komfort her ist der X3 der härteste im Test, was auf rauen Pisten den ein oder anderen Hieb mit sich bringt. Die Bremsen sind klassisch BMW: Bissig machen sie bei Bedarf dem Vortrieb ein schnelles Ende. Der Allradantrieb sorgt für Traktion auf allen Untergründen, macht aus dem X3 aber keinen Geländewagen.

Eher der Gleiter
Der Yeti macht in Sachen Fahrwerk schon einen auf Schneemensch: In schnellen Kurven bekommt der Wagen Schlagseite, wankt nach Kräften. Und die Lenkung verlangt wegen ihres weiten Spiels in der Mittellage nach etwas längerer Eingewöhnung. Der Wagen ist viel weicher als der BMW, was aber dem Abrollkomfort zugute kommt. Nur über tiefe Asphaltlöcher wird gut rübergepoltert. An den Bremsen gibt es auch beim Skoda nichts zu tippen. Der Allradantrieb leitet seine Kraft beinahe komplett nach vorne, bei nachlassendem Grip sorgt die elektronisch gesteuerte Haldex-Kupplung für eine Verlagerung der Momente nach hinten. Auch der Yeti fühlt sich auf Asphalt am wohlsten, kann aber mit Ausflügen ins Gelände mehr anfangen als der BMW.

Genau dazwischen
Dass Tiguan und Yeti mit unterschiedlich abgestimmten Fahrwerken unterwegs sind, spüren wir schon auf den ersten Metern: Der VW macht sich agil an die Arbeit, in Kurven neigt sich die Karosserie nur minimal. Trotzdem kommt der Wolfsburger auch mit Querrillen und Schlaglöchern ausgesprochen gut zurecht – womit der VW den BMW in dieser Disziplin schlägt. Auch die Lenkung macht uns Spaß: Mit guter Rückmeldung können wir den Tiguan sauber durch die Biegen zirkeln, hier liegen X3 und der Konkurrent aus Wolfsburg auf Augenhöhe. Zudem gibt sich auch der VW beim Bremsen keine Blöße. Das Allradprinzip des Tiguan ist mit dem des Yeti identisch: Auch hier wird der Wagen grundsätzlich über die Vorderräder angetrieben, aber die Haldex-Kupplung verschiebt die Antriebskraft bei Bedarf bis zu 100 Prozent auf die Hinterräder.

MOTOR/GETRIEBE
Mit dem 143-PS-Diesel erweitert BMW die Selbstzünder-Palette nach unten. Das Aggregat stellt eine niedrigere Leistungsstufe des 2,0-Liter-Ausgangsmotors mit 177 PS dar, dessen Hubraum von genau 1.995 Kubikzentimeter komplett erhalten bleibt. Dank elektronischer Leistungsreduzierung stehen jetzt 34 PS weniger zur Verfügung, was mit einer Ersparnis von 2.750 Euro gegenüber dem 20d einhergeht. Super: Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter bleibt unangetastet. Vom Start weg braucht das bayerische Aggregat Gas, sonst ist es untenrum ein bisschen faul. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h erledigt der X3 in 10,3 Sekunden, womit er zwischen Yeti und Tiguan liegt. Das Top-Drehmoment wird hier vom Top-Gewicht (1,8 Tonnen) aufgefressen. Als Endgeschwindigkeit sind 195 km/h drin, der schnellste Wert im Test. Und in höheren Geschwindigkeitsregionen fühlt sich der Bayer sichtlich wohl, kann mit dem besten Vorwärtsdrang punkten.

Sauber schalten
Der X3 Xdrive18d wird immer mit einer Sechsgang-Handschaltung ausgeliefert. Das Schalten per Hand unterstreicht ein bisschen das sportliche Feeling und die Gänge flutschen extrem sauber in die ihnen zugedachte Position. In Sachen Schaltung ist der BMW vorn. Beim Verbrauch sind wir mit 8,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer unterwegs, wobei ein hoher Anteil Stadtverkehr und hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn dabei sind. Mit moderatem Gasfuß kommen wir auf 6,6 Liter.

VW-Herz
In Yeti und Tiguan schlägt das gleiche Herz: Ein 2,0-Liter-Common-Rail-Diesel aus dem Hause VW. Das Aggregat leistet 140 PS und kommt auf ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter. Der Tscheche schafft mit dem Triebwerk den Spurt von null auf 100 km/h in 9,9 Sekunden – Bestwert im Test. Allerdings wird der Antrieb nach oben raus schnell zäh. Es geht zwar hoch bis 190 km/h, aber dafür braucht es jede Menge Geduld. Außerdem klingt der Diesel-Yeti rau und laut zu uns herein, und auch die Windgeräusche sind bereits ab 110 km/h unüberhörbar. Geschaltet wird im Osteuropa-SUV ebenfalls mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung. Diese ist für den Alltag okay, fällt aber durch ihre langen Schaltwege und manchmal durch ein wenig Hakeln auf. Bei verbrauchsintensiver Stadt- und Autobahnfahrt kommen wir auf einen Schnitt von 8,4 Liter pro 100 Kilometer – lassen wir es sparsam angehen, genügen 6,9 Liter.

Ähnlich?
Gleiches Triebwerk, ähnliche Leistungen? Der Tiguan ist zwar mit dem gleichen Motor unterwegs wie der Yeti, trotzdem gibt es beim Antrieb jede Menge Unterschiede. Für die Beschleunigung von null auf 100 km/h braucht der Wolfsburger 10,5 Sekunden – 0,6 Sekunden länger als sein tschechischer Kollege. Außerdem ist in Sachen Endgeschwindigkeit bei 186 km/h Schluss. Allerdings ist der VW besser gedämmt als der Yeti und seine Außenspiegel scheinen auch etwas windschlüpfiger zu sein: Zum einen fällt die Innengeräuschkulisse sanfter aus, zum anderen halten sich die Windgeräusche zurück. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist unspektakulär und kommt ohne Hakler aus. In unserem Test gab sich der Tiguan mit 7,8 Liter auf 100 Kilometer zufrieden, mit moderatem Gasfuß waren wie beim Skoda 6,9 Liter drin.

PREISE/KOSTEN
Bei den Einstiegskosten schlägt BMW die härteste Kelle: 35.850 Euro wollen die Bayern für den X3 xDrive18d mindestens haben. Ordentliche 8.260 Euro weniger, also 27.590 Euro, wandern für den Yeti nach Tschechien. Der Tiguan liegt dazwischen: Mit 29.600 Euro kostet er 2.010 Euro mehr als der Skoda, aber immer noch erkleckliche 5.950 Euro weniger als der BMW. Zudem muss der BMW mit 4.154 Euro pro Jahr den höchsten Wertverlust ertragen – beim Skoda sind es nur 3.169 und beim VW 3.387 Euro (Quelle: adac-autokosten.de, bei einer Haltedauer von fünf Jahren und einer Jahreslaufleistung von 15.000 Kilometer). Ähnlich verteilen sich dann die jährlichen Gesamtkosten: Der X3 ist mit 7.764 Euro dabei, der Yeti mit 6.565 Euro und der Tiguan mit 6.716 Euro.

Aufpreis-Unterschiede
Die Ausstattung kann an dieser Reihenfolge nichts ändern: Beim X3 sind 17-Zoll-Alufelgen und eine manuelle Klimaanlage Serie, für Tempomat, Metallic-Lackierung, Klimaautomatik, Sitzheizung vorn und Parksensoren vorn und hinten werden insgesamt 3.000 Euro fällig. Der Skoda ist mit 140-PS-Diesel erst ab der zweitbesten Ausstattung ,Ambition" zu haben. Hier sind 16-Zoll-Alufelgen, wieder die manuelle Klimaanlage und immerhin Parksensoren für vorne mit dabei. Für die beim BMW genannten Extras werden 1.620 Euro aufgerufen. Zudem ist beim Yeti als einzigem Kandidaten ein Fahrer-Knieairbag mit von der Partie. Der Tiguan muss in der Basisausstattung ,Trend & Fun" mit 16-Zoll-Stahlfelgen leben, außerdem ist eine manuelle Klimaanlage an Bord. Die beim BMW 3.000 Euro teuren Extras schlagen beim VW mit 2.135 Euro zu Buche, wobei es die Sitzheizung nur in Verbindung mit dem Winterpaket gibt.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Die drei Kombattanten fallen durch ihre unterschiedlichen Charaktere auf: Der BMW X3 xDrive18d macht den sportlichsten Eindruck. Dies betrifft sowohl Fahrwerk, Antrieb als auch den Innenraum. Der Skoda Yeti 2.0 TDI mit 140 PS erscheint uns als perfekter Stadt-Cruiser mit dem großzügigsten Innenraum. VW fährt auch mit dem Tiguan 2.0 TDI mit 140 PS die Erfolgsschiene des Allrounders – echte Schwächen zeigt der Wagen nicht.

    So entscheidet der Tiguan den Vergleich für sich, während der X3 etwas für die sportlich orientierte Kundschaft ist, die zudem nicht so aufs Geld schaut. Der drittplatzierte Skoda könnte aber je nach persönlichem Gusto locker auch der Zweitplatzierte sein: Sein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wird für den ein oder anderen kaufentscheidend sein – und der Wagen ist dabei immer noch ein super Auto.

  • BMW X3 xDrive18d
    90%
    sportlichster Wagen im Test
    beengter Innenraum
  • Skoda Yeti 2.0 TDI 140 PS
    80%
    sehr günstiger Cruiser
    schwammiges Fahrwerk, Lenkung mit Spiel
  • VW Tiguan 2.0 TDI 140 PS
    100%
    top Allrounder
    preislich in Ordnung

Hoch auf den Dieseln