Die zweite Auflage des Minivans wird größer und bietet innovative Detaillösungen

Vor drei Monaten in Rüsselsheim: Wir befinden uns auf dem Werksgelände von Opel und werden in eine nur schummrig ausgeleuchtete Tiefgarage geleitet. Und was bekommen wir dort zu sehen? Einen Mazda RX-8, einen Mini Clubman, ein London-Taxi – und einen Rolls-Royce Phantom. Mit dieser ungewöhnlichen Präsentation hat uns Opel auf den neuen Meriva eingestimmt. Denn der teilt mit den genannten Fahrzeugen eine nicht alltägliche Besonderheit: gegenläufig öffnende Türen. Jetzt konnten wir die zweite Auflage des Minivans nicht mehr nur betrachten, sondern erstmals auch fahren.

Für ,Baby-Makers" und ,Baby-Boomers"
Seit der Meriva 2003 auf den Markt kam, hat er sich über eine Million Mal verkauft – fast jeder dritte davon ging nach Deutschland. Die Ansprüche an den Nachfolger fallen deshalb hoch aus. ,Baby-Makers" und ,Baby-Boomers" sind die Zielgruppe, wie Marketingleiter Michael Klaus es so schön neudeutsch ausdrückt. Gemeint sind junge Familien mit Kindern sowie aktive Senioren. Um sie zu erreichen, ist der Minivan ein ganzes Stück erwachsener geworden. Das gilt für das deutlich ansprechendere Design im Vergleich zum etwas biederen Vorgänger. Und auch für die Abmessungen: In der Länge hat der Meriva um stattliche 24 Zentimeter auf 4,29 Meter, in der Breite um zwölf Zentimeter auf 1,81 Meter zugelegt.

Ein bisschen Corsa, Astra und Insignia
Optisch greift der Meriva das aktuelle Opel-Design auf, wie es den Corsa, den Astra oder den Insignia kennzeichnet. Die Front wird von großen, weit nach hinten gezogenen Scheinwerfern dominiert. In der Seitenansicht ist eine sichelförmige Sicke zu erkennen, die nach hinten ansteigende Gürtellinie verleiht Dynamik. Im Bereich der hinteren Türen fällt eine charakteristische Welle auf. Sie soll vor allem Kinder auf den Rücksitzen eine verbesserte Sicht nach außen ermöglichen. Das Interieur verbreitet eher Mittelklasse- als Kleinwagenflair und weiß durch ansprechende Gestaltung und hohe Wertigkeit zu überzeugen. Lediglich die zahlreichen Schalter und Knöpfe in der Mittelkonsole sind des Guten ein wenig zu viel – das kennen wir jedoch schon von Astra und Insignia.

Türen à la Rolls-Royce
Besonderer Clou des neuen Meriva sind aber die gegenläufig öffnenden Türen. Sie erfüllen zwei Zwecke: Einerseits sollen sie laut Chef-Entwickler Helmut Ruff den ,Coolheitsfaktor" des Fahrzeugs erhöhen. Das könnte in der Tat gelingen. Denn vollwertige, hinten angeschlagene Türen wecken zwangsläufig Erinnerungen an Luxuskarossen von Rolls-Royce und Co. Zum anderen wird aber auch der Ein- und Ausstieg für die Fondpassagiere verbessert. Der gewohnte Bewegungsablauf muss dazu zwar etwas angepasst werden. Allerdings sind weniger Verrenkungen notwendig, das Ganze geht flüssiger und eleganter vonstatten. Einfacher tun sich zudem Eltern, die ihre Kinder ins Auto setzen oder herausheben. Hilfreich ist dabei jeweils auch der außergewöhnlich große Öffnungswinkel von bis zu 84 Grad, der für alle vier Seitentüren gilt.

Erst seit 2006 wieder zulässig
Und warum gerade hinten angeschlagene Türen? Die Variante eines breiteren herkömmlichen Zugangs zum Fond hätte kleinere Vordertüren nach sich gezogen. Schiebetüren wurden verworfen, weil dann das Heck deutlich hätte verlängert werden müssen, um entsprechende Schienen unterzubringen. Die Folge wären weniger kompakte Außenmaße gewesen. Die bereits in der 1930er-Jahren als ,Selbstmördertüren" gerügten, schließlich 1961 verbotenen und erst 2006 wieder zugelassenen Einstiegsportale müssen übrigens strenge Vorgaben erfüllen. So hat der Hersteller sicherzustellen, dass sich die hinten angeschlagenen Türen während der Fahrt nicht öffnen können. Beim Meriva werden sie ab vier km/h elektrisch verriegelt.

Jede Menge Flex
Da Vans heutzutage durch ein hohes Maß an Flexibilität punkten müssen, bietet der neue Meriva einige praktische Detaillösungen mit der Bezeichnung Flex: Die außergewöhnliche Türenkonstruktion hört auf den Namen FlexDoors, dazu gibt es noch FlexSpace, FlexRail und FlexFix. Hinter dem FlexSpace verbirgt sich das weiter optimierte Sitzkonzept. Es ermöglicht mit wenigen Handgriffen und ohne hohen Kraftaufwand die variable Umgestaltung des Fonds. So lassen sich die drei Rücksitze einzeln versenken und vergrößern dadurch den 400 Liter fassenden Gepäckraum auf bis zu 1.500 Liter. Werden hinten nur zwei der drei Plätze benötigt, können die beiden äußeren Sitze zurück und ein Stück nach innen geschoben werden. Erwachsene erwartet auf allen Sitzen ein ordentliches Platzangebot mit viel Kopffreiheit. Für Fahrer und Beifahrer bietet Opel so genannte Ergonomiesitze an. Sie sind mehrfach verstellbar, besonders rückenfreundlich und sehr bequem. Die ,Aktion gesunder Rücken e.V." hat die Sessel sogar mit einem Gütesiegel ausgezeichnet.

Premiere für neue Mittelkonsole
Das Mittelkonsolen-Konzept FlexRail funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Der Kunde kann hier bis zu drei Module miteinander kombinieren – etwa Becherhalter oder eine aufklappbare Armlehne. Diese Bauteile lassen sich jeweils verschieben und individuell fixieren. Zwischen Fahrer und Beifahrer finden so etwa zwei 1,5-Liter-Flaschen, eine Handtasche oder sogar ein Laptop Platz. Für 590 Euro extra ist das vom Corsa und Astra bekannte FlexFix-System verfügbar. Dabei handelt es sich um einen Fahrradträger, der in die Heckstoßstange integriert ist. Er kann wie eine Schublade herausgezogen werden und ermöglicht den Transport von bis zu zwei Rädern.

Zunächst fünf Motorisierungen
Zum Marktstart stehen für den Meriva zwei Diesel und drei Benziner mit einem Leistungsspektrum zwischen 75 und 140 PS zur Verfügung. Opel rechnet damit, dass sich jeder zweite Käufer für den 1.4 ecoFlex mit 120 PS entscheiden wird. Das Aggregat ist kultiviert, durchzugsstark und für den Alltag absolut ausreichend. Auch der Normverbrauch von 6,1 Liter und ein CO2-Ausstoß von 143 Gramm gehen in Ordnung. Der Minivan liegt insgesamt gut auf der Straße und bietet ordentlichen Abrollkomfort. In Kurven wankt der Meriva ein bisschen, das ist aber vor allem der hohen Karosserie geschuldet. Das Schaltgetriebe arbeitet erfreulich exakt, allerdings muss man sich hier mit fünf Gängen begnügen. Sechs Schaltstufen gibt es nur bei den großen Motorisierungen, etwa dem 140-PS-Benziner. Das stärkste Meriva-Triebwerk liefert 200 Newtonmeter und bietet auch beim Überholen noch ausreichend Kraftreserven. Im Spätsommer ergänzen drei weitere Selbstzünder mit 95, 110 und 130 PS die Antriebspalette. Eine Start-Stopp-Automatik wird es erst 2011 geben.

Einstieg unter 16.000 Euro
Zu den Händlern kommt der neue Meriva am 12. Juni 2010. Die Einstiegsvariante 1.4 ecoTec mit 100 PS ist dann ab 15.900 Euro zu haben, das sind 800 Euro mehr als beim günstigsten Vorgängermodell. Immer mit an Bord sind Front- und Seitenairbags vorne sowie Kopfairbags vorne und hinten. Auch eine elektronische Parkbremse, elektrische Fensterheber vorne, ein Berganfahr-Assistent und ein höhenverstellbarer Fahrersitz gehören zur Serienausstattung. In der Ausstattungslinie Edition gibt es zusätzlich die FlexRail-Mittelkonsole, ein CD-Radio, eine Klimaanlage und einen Tempomat. Die Topvariante Innovation verfügt sogar über nicht klassenübliche Extras wie ein Kurven- und Abbiegelicht, eine Einparkhilfe für vorne und hinten sowie eine Sitz- und Lenkradheizung.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der neue Opel Meriva ist nicht nur deutlich größer, schicker und hochwertiger als sein Vorgänger, er bietet vor allem einige innovative Detaillösungen. Dazu gehören natürlich die gegenläufig öffnenden Türen. Sie sind nicht nur als netter Gag zu verstehen, sondern bringen echte Vorteile mit sich. Auch in puncto Platzangebot und Flexibilität weiß der Minivan zu überzeugen. Schwächen gibt es nur wenige: Dazu gehören die etwas überfrachtete Mittelkonsole oder der fehlende sechste Gang bei den meisten Motorisierungen. Unverständlich bleibt zudem, dass wir bei Opel noch immer auf ein Start-Stopp-System warten müssen.

  • Antrieb
    80%
    kultivierter 120-PS-Benziner, kraftvoller 140-PS-Otto
    sechs Gänge nur für die Topmotorisierungen
  • Fahrwerk
    80%
    ausreichend komfortable Abstimmung, straffe Lenkung
    wankt in Kurven aufgrund hoher Karosserie
  • Karosserie
    90%
    ordentliches Platzangebot, innovative Detaillösungen
    zu viele Schalter und Knöpfe in der Mittelkonsole
  • Kosten
    90%
    fairer Einstiegpreis, nur wenig teurer als der Vorgänger
    nicht klassenübliche Extras wie Lenkradheizung verfügbar

Preisliste


Opel Meriva 1.4 ecoFlex Edition

Grundpreis: 19.320 Euro
Modell Preis in Euro
Opel Meriva 1.4 ecoFlex Innovation 20.920
Opel Meriva 1.4 ecoFlex Selection 17.270
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten 250
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 470
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Bildschirmnavigation 900
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 460
Leichtmetallfelgen ab 650
Sitzhöheneinstellung Serie Fahrer
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.350
Kurvenlicht 400
Nebelscheinwerfer 175
Berganfahr-Assistent Serie
elektrische Parkbremse Serie
Tagfahrlicht Serie
FlexFix-Fahrradträgersystem 590
Ergonomiesitze vorn 500
Reserverad 60
Bluetooth-Freisprecheinrichtung 300
Bordcomputer Serie
dritte Kopfstütze hinten 50
Lederlenkrad 160
Panoramadach 650
Einparkhilfe vorne und hinten 520
Sitzheizung 225
Sitz- und Lenkradheizung 320

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Reihen-Ottomotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.364 
Leistung in PS 120 
Leistung in kW 88 
bei U/min 1.750 bis 4.800 
Drehmoment in Nm 175 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.488 
Spurweite hinten in mm 1.509 
Wendekreis in m 11,1 
Räder, Reifen vorn 205/55 R16, 6,5 J x 16 
Räder, Reifen hinten 205/55 R16, 6,5 J x 16 
Lenkung elektrohydraulische Servolenkung, geschwindigkeitsabhängig 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.288 
Breite in mm 1.912 
Höhe in mm 1.615 
Radstand in mm 2.644 
Leergewicht in kg 1.360 
Zuladung in kg 530 
Kofferraumvolumen in Liter 400 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.500 
Anhängelast, gebremst in kg 1.050 
Dachlast in kg 60 
Tankinhalt in Liter 54 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 188 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,5 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,1 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,0 
CO2-Emission in g/km 143 
Schadstoffklasse Euro 5 

Gallery: Nicht nur Türen mit Clou