Schon gefahren: Die Audi A8 Langversion W12 quattro und mit 250-PS-Diesel

Mit den Langversionen der großen Limousinen-Baureihe A8 lässt Audi seine bestens bestückten Flaggschiffe zu Wasser. Im Vergleich zur Normalversion des A8, die mit 5,14 Meter Länge nicht gerade als Kurz-Größe gilt, misst der neue Edel-Liner nun 5,27 Meter. Das Plus von 13 Zentimeter Radstand kommt den Gästen in zweiter Reihe zugute und verwandelt den Fond in einen geräumigen Auto-Salon. Der Luxus-Flotte voran gleitet wieder ein A8 L W12 quattro, dessen Zwölfzylinder in der neuesten Generation 500 PS leistet. Im September 2010 kommt der lange Audi auf den Markt, wir sind ihn bereits jetzt gefahren.

Dreiliter-Diesel mit 250 PS als Einstieg
Der A8 L geht mit fünf Motorisierungen an den Start, alle sind mit einer Achtstufen-Automatik gekoppelt. Zu den Einsteigern gehören zwei Dreiliter-V6-Motoren. Das sind ein Diesel mit 250 PS und ein TFSI-Otto mit 290 PS. Aus dem V8-Regal kommen zwei 4,2-Liter-Maschinen: Ein 350 PS starker Selbstzünder und ein FSI-Benziner mit 372 PS. Die Spitze bildet der bereits erwähnte W12 mit einer Leistung von 500 Pferdestärken.

W12 sieht anderes aus
Das Zwölfzylindermodell unterscheidet sich auch optisch von den V8- und V6-Brüdern. Am Singleframe-Grill prangt ein W12-Logo, in die Querstreben wurden schwarze Leisten integriert. Dahinter wartet ein Rautengitter auf Insekten. Die Kunden in China und den USA, wo der W12 die meisten Abnehmer findet, mögen viel Chrom. Also trägt der Wagen verchromte Applikationen und schwarz-glänzende Streben an den Lufteinlässen. Von hinten erkennt man den Platzhirsch an trapezförmigen Auspuffenden.

Massagesitze auf Wunsch
Wir erkunden zunächst den Arbeitsplatz des Chauffeurs und gleiten hinter das Steuer. Uns empfängt eine luxuriöse Wohnlandschaft, die mit hellem und dunklen Leder, gebürstetem Aluminium und edlem Wurzelholz verfeinert wird. Schon das Einstellen des überaus bequemen Sitzes nimmt etwas Zeit in Anspruch, aber der Sessel lässt sich genau nach unseren Wünschen anpassen. Verschiedene Massage-Programme, die sich selbst in der Intensität regelbar sind, lassen diesen Arbeitsplatz attraktiver werden als die Couch zu Hause. Dass die Sitze auch belüftet und beheizt werden können, gehört fast schon zum Standard in dieser Klasse.

Breites Angebot an Helferlein
Der A8 L lässt sich wie auch die kurze Limousine mit den modernsten Komfort- und Sicherheitsfeatures bestücken. In unserem W12-Testwagen beispielsweise finden wir einen Nachtsicht-Assistenten, der sein Bild im großen Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho anzeigt. Ein Spurverlassenswarner, eine kamerabasierte Verkehrszeichenerkennung, ein Totwinkelassistent und ein Abstandstempomat mit Stop-and-Go-Funktion versüßen uns den Fahrer-Job ebenso wie ein Navigationssystem mit Google-Earth-Karten. Musik können wir dank einer 5.1-Soundanlage von Bang & Olufsen mit 19 Lautsprechern genießen.

W12: 4,7 Sekunden auf Tempo 100
Das geht auch während der Fahrt hervorragend, denn der 500 PS starke Zwölfzylinder hält sich zurück. Der 6,3-Liter-Motor ist im Stand kaum zu vernehmen und fällt beim Beschleunigen überwiegend durch Rauschen bis dezentes Fauchen in Hintergrund auf. Der Zwölfender lässt sich beim Cruisen spielerisch voranbringen, doch ein Tritt aufs Gaspedal wird von Vortrieb und nochmals Vortrieb belohnt. Der über zwei Tonnen schwere Wagen sprintet in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine abgeregelte Spitze von 250 km/h. Die Achtgangautomatik, die wir auch mit Paddles am Lenkrad manuell bedienen könnten, sortiert die Stufen so sanft und ruckfrei, dass wir das kaum merken. Nur im Sportmodus spüren wir die Wechsel als leichtes Nicken.

Abstimmung individuell einstellen
Der lange Bayer ist wirklich ein Auto für Entscheider: Über das Bediensystem MMI kann der große Ingolstädter auf Knopfdruck in den Stufen ,Comfort" ,Auto", ,Dynamic" und ,Individual" in festgelegten Parametern abgestimmt werden. Dieses Setup-System heißt ,drive select" und ist in jeder Variante des A8 L ebenso serienmäßig an Bord wie die Luftfederung. Im Komfortmodus wird die Lenkung indirekter, der Motor reagiert später auf Gaspedalbefehle, die Luftfederung bügelt die Straße besser und das Getriebe schaltet früher hoch. Die Unterschiede zur in allen Bereichen merklich strafferen Dynamik-Einstellung sind spürbar. Für uns wäre aber durchaus vorstellbar, dass beim Umschalten auf ,komfortabel" das Fahrwerk kurze Bodenwellen noch besser wegbügelt und dass die Lenkung bei dynamischer Einstellung noch direkter reagiert.

Individuell einstellbar
In der Stellung ,Auto" kümmert sich der Wagen von allein je nach Fahrweise um die richtige Abstimmung. Bei ,Individual" können wir selbst festlegen, welche Komponenten sich wie ändern. So lassen sich kurze Schaltzeitpunkte mit einem weicheren Fahrwerk kombinieren.

Schiebedach und Sonnenrollos
Viele Entscheidungen treffen zu müssen, erfordert eine Ruhephase. So tauschen wir unsere Chauffeursmütze mit einem Kollegen und steigen in den Fond des W12. In diesem Beispiel erleben wir die Top-of-the-Line-Version mit einem neuen Ruhesitz. Wir nehmen auf dem rechten Seite Platz und fühlen uns wie einer Lounge. Über uns strahlt die Sonne durch ein Glas-Schiebedach, das sich auch öffnen lässt. Mit den Tasten für die Fensterheber können wir die seitlichen Sonnenschutzrollos nach oben gleiten lassen, auch die Heckscheibe kann derart Rollo geschützt werden.

Mittelkonsole als Steuerzentrale
Die Kopffreiheit ist üppig, für die Beine bleibt Raum ohne Ende. Zwischen uns und dem zweiten Einzelsitz links außen erstreckt sich eine Mittelkonsole, die eine Reihe von Funktionen beherbergt. Hier finden sich die Steuerung für den hinteren Teil der Vierzonen-Klimaautomatik, die Fernbedienung fürs Entertainment-System, die Bedienungstasten für den Ruhesitz und an einer Kabelfernbedienung die Massagesitz-Steuerung. Ein kleiner Tisch lässt sich ebenfalls aus der Mittelkonsole zaubern. Dort können wir unser Notebook oder iPad ablegen und per WLAN und UMTS ins Internet gehen. Bis zu acht Geräte können auf diese Weise mit dem World Wide Web verbunden werden.

Relaxen im Ruhesitz
Vor uns, in Höhe der Beifahrer-Kopfstütze, blicken wir auf einen Zehn-Zoll-Monitor. Hier können wir DVDs und TV schauen oder uns mit Musik berieseln lassen. Das geht nicht nur im Sitzen: Ein längerer Druck auf eine Taste an der Tür lässt den Beifahrersitz nach vorn fahren und an dessen Rücklehne eine Fußstütze ausklappen. Auch unser Sitz bewegt sich, die Höhe und die Neigung der Rücklehne können wir nach unseren Wünschen variieren und so in eine fast liegende Position kommen. Für den W12 kostet der Sitz inklusive aller Luxus-Komponenten wie dem Entertainment-System einen Aufpreis von 5.765 Euro, für alle anderen Motorisierungen etwa 12.000 Euro. Wer das Geld nicht investieren will, kann auch zwei verstellbare Einzelsitze bestellen oder es bei der Seriensitzanlage lassen. Das Platzangebot ist bei allen drei Lösungen hervorragend.

Sparsamer Einstiegsdiesel
Audi beziffert den Verbrauch des 500 PS starken W12 mit 12,4 Liter – das sind immerhin 1,2 Liter weniger als beim 50 PS schwächeren Vorgänger. Sehr viel weniger verbraucht der lange Gleiter allerdings mit dem 250-PS-Diesel. Der V6, der nur halb so viele Zylinder und halb soviel PS hat, trinkt auch nur etwa halb soviel: Audi nennt einen Wert von 6,6 Liter. Außerdem punktet der kleine Selbstzünder mit einem CO2-Wert von 176 Gramm pro Kilometer. Eine erste Probefahrt zeigt, dass der vergleichsweise kleine Motor den großen Wagen souverän und leichtfüßig voranbringt. Das Motorengeräusch ist allerdings etwas lauter. Die Fahrwerte sind nicht von schlechten Eltern: Nach 6,2 Sekunden hat der A8 L 3.0 TDI die Tempo-100-Marke erreicht und wird erst bei einer Spitze von 250 km/h abgeregelt.

Von 79.900 Euro bis 137.000 Euro
Auch der Preis ist ein interessanter Wert: Der 3.0 TDI kostet 79.900 Euro. 80.400 Euro will Audi für den 3.0 TFSI, 94.300 Euro für den 4.2 FSI, 95.800 Euro für den 4.2 TDI und 137.000 Euro für den W12. Was die Optionen im Einzelnen kosten, hat Audi noch nicht mitgeteilt, es gibt auch noch keine detaillierte Liste mit Ausstattungsdetails und Preise für die Extras. Zum Vergleich noch die Konkurrenz: Ein BMW 760 Li mit 544 PS ist ab 145.400 Euro zu haben, ein 517 PS starker Mercedes S 600 L ist 156.902 Euro teurer.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Mit dem A8 L bringt Audi wieder ein feines Flaggschiff. Besonders die Topvariante W12, deren seidenweicher Zwölfzylinder-Motor gemeinsam mit der sanften Achtgangautomatik für ein überaus souveränes Vorankommen sorgt, ist natürlich die Krönung der Reihe. Doch wer nicht so viel bar ausgeben oder für Leasing-Raten bezahlen will, ist mit den kleineren Motoren nicht schlechter dran. Selbst der Dreiliter-Einstiegs-Diesel mit 250 PS ist ein würdiger – und sparsamer – Antrieb für den Luxus-Liner aus Ingolstadt. Die optionalen Möblierungsmöglichkeiten für den geräumigen Fond stellen die Antriebsfrage vielleicht auch an zweite Stelle: Wer sanft im Ruhesitz schlummert, muss das Fahren ohnehin seinem Chauffeur überlassen.

  • Antrieb
    95%
    W12: Souveräner, seidenweicher Lauf
    W12: leises Aggregat, viel Kraft
  • Fahrwerk
    90%
    für alle Bedingungen fast perfekt einstellbar
    dürfte bei "Komfort" Unebenheiten noch besser bügeln
  • Karosserie
    95%
    mächtig viel Beinfreiheit im Fond
    edle Innenausstattung
  • Kosten
    90%
    sehr viele innovative Features bestellbar
    Luftfederung bei allen Modellen serienmäßig

Preisliste


Audi A8 L W12

Grundpreis: 137.000 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach Serie
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Nebelscheinwerfer Serie
LED-Scheinwerfer Serie
Ruhesitz 5.765
Schließhilfe für den Gepäckraumdeckel Serie
Audi drive select, Luftfederung, aktive Dämpfer Serie
elektrische Jalousien im Fond Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart W-Otto-Motor 
Zylinder 12 
Ventile
Hubraum in ccm 6.299 
Leistung in PS 500 
Leistung in kW 368 
bei U/min 4.750 
Drehmoment in Nm 625 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Kraftverteilung variabel 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.644 
Spurweite hinten in mm 1.635 
Radaufhängung vorn Fünflenker-Vorderachse, Querlenker oben und unten, Roh-Stabilisator, Luftfederung 
Radaufhängung hinten Trapezlenker-Achse mit Querlenker, Rohr-Stabilisator 
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet 
Bremsen hinten Scheiben, innenbelüftet 
Räder, Reifen vorn 255/45 R19 
Räder, Reifen hinten 255/45 R19 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.267 
Breite in mm 1.949 
Höhe in mm 1.471 
Radstand in mm 3.122 
Leergewicht in kg 2.055 
Zuladung in kg 600 
Kofferraumvolumen in Liter 510 
Dachlast in kg 100 
Tankinhalt in Liter 90 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,7 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 12,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 18,2 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 9,0 
CO2-Emission in g/km 290 
Schadstoffklasse Euro 5 

Ingolstädter Auto-Salon