Von diesem 200.000-Euro-Sportwagen werden nur 356 Exemplare zu kaufen sein

Der erste Porsche Speedster kommt im Jahr 1954 auf den Markt. Er wird auf Wunsch des New Yorker Porsche-Importeurs Maximilan E. Hoffmann konstruiert. Hoffmann, der seit 1950 den 356 über den großen Teich holt, will ein preiswertes Einstiegsmodell. Es soll leicht und auch für die Rennstrecke geeignet sein. Und offen muss es sein, damit seine männlichen Fahrer problemlos mit den Mädchen am Gehweg Kontakt aufnehmen können. Hoffmann und sein ebenfalls aus Österreich stammender Händlerkollege John von Neumann, der an der US-Westküste agiert, bekommen von Ferry Porsche den mit 3.000 Dollar recht preiswerten, 55 PS starken 356 Speedster 1500 geliefert. Die gesamte erste Jahresproduktion geht in die USA. Bis 1957 werden 4.854 Exemplare gebaut. Die Hollywoodstars lieben den Wagen, Paul Newman macht damit noch Jahre nach Produktionsende Jagd auf Filmgangster.

Aktuell: Vierte Speedster-Generation
Nun steht die vierte Speedster-Generation vor uns. Zwischenzeitlich hatte es die Modelle 911 Carrera 3.2 Speedster gegeben, gebaut 1988 und 1989 in einer Auflage von 2.103 Fahrzeugen mit 231 PS, und den 911 Carrera 2 Speedster, gebaut 1992 und 1993 in 930 Exemplaren mit 250 PS. Von dem aktuellen Speedster werden sogar nur 356 Exemplare angeboten. Damit will Porsche dem Ur-Speedster 356 Tribut zollen. Und heute handelt es sich nicht um das günstigste Einstiegsmodell der Marke wie 1954, sondern um einen der teuersten Elfer, den die Zuffenhausener im Angebot haben: Genau 201.682 Euro kostet eine der Raritäten.

Mit Anleihen von anderen 911ern
Zwar findet die auf 408 PS erstarkte Variante des sonst 385 PS ausgebenden 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxers noch in den Modellen 911 Sport Classic und 911 Carrera GTS Verwendung. Und auch Details wie die schwarz umrandeten Scheinwerfer oder die Felgen im Fuchs-Design werden in anderen Porsche-Modellen genutzt. Es stört auch nicht, dass die Entwickler weitere Teile geschickt aus vorhandenen Modellen entliehen und zur Speedster-Spezialität angerührt haben – der 911 Speedster ist trotzdem einzigartig.

Die Speedster-Formel: Flach und breit
Als Ausgangsbasis dient die Rohkarosserie eines 911-Carrera-S-Cabriolets. Anleihen aus dem ,Wide Body" des allradgetriebenen Carrera-4S-Cabrios führten im Heckbereich zu einer Verbreiterung um 44 Millimeter. Die leichten Türen aus Aluminium steuerte der 911 Turbo bei. Der Rahmen der Frontscheibe wurde um 60 Millimeter gekürzt. Damit ist der Speedster mit 1,23 Meter Höhe (1,28 Meter mit geschlossenem Dach) der flachste aller aktuellen Elfer: Der offene Speedster duckt sich 4 Zentimeter tiefer als ein Carrera S Cabriolet. Von vorn ist der Speedster an seiner speziellen Bugverkleidung, abgedunkelten Bugleuchten und den erwähnten schwarzen Scheinwerferringen erkennbar. Außerdem gibt es den Speedster nur in Blau und Weiß. Spezifische Seitenschweller und die eigenständige Heckverkleidung mit schwarzem ,Speedster"-Schriftzug runden den individuellen Auftritt ab.

Sonderentwicklung: Manuelles Verdeck
Für das neue Modell entwickelten die Porsche-Ingenieure ein manuell bedienbares Verdeck. Es wurde ein kinematisches Meisterwerk, das dem puristischen Speedster-Gedanken Rechnung trägt. Die Stoffqualität des stets schwarzen Verdecks entspricht der des 911-Cabriolets, während die Geräuschdämmung dem klassischen Speedster-Ansatz folgt: Das Verdeckgestänge ist zu sehen. Dennoch ist das hochwertig gemachte Teil voll alltags- und vor allem höchstgeschwindigkeitstauglich.

Von einer Person zu bedienen
Im Gegensatz zu den Vorgängern und den aktuellen Cabrios liegt beim neuen Speedster die Stoffmütze auf dem Verdeckkasten-deckel auf (sonst liegt das Endstück des Verdecks unter dem Deckel). Um die nötige Dichtheit sicherzustellen, wird die Kapuze beim manuellen Verriegeln von innen gespannt. Dabei wird die Dichtung des Stoffes wasserdicht auf den Verdeckkastendeckel gepresst. Eine einzelne Person kann das Verdeck alleine öffnen und schließen. Allerdings muss man dazu aussteigen, der Speedster fördert also die Beweglichkeit seines Besitzers und es dauert auch ein wenig länger als das elektrische Öffnen des Cabrioletdachs.

Dorne durchbrechen die Heckscheibe
Der Überrollschutz befindet sich unterhalb des Verdeckkastendeckels. Zwei Klappen machen im Notfall den Weg nach oben frei. Bei geschlossenem Verdeck sollen zwei Dorne auf den Bügeln das gezielte Durchstoßen der Heckscheibe gewährleisten. Diese besteht aus Sicherheitsglas, das in ungefährliche, stumpfe Partikel zerfällt. Trotz der typischen Zweisitzer-Optik mit dem voll geschlossenen Verdeckkastendeckel und seinen charakteristischen Auswölbungen bietet der 911 Speedster hinter den Sitzen viel Stauraum für zusätzliches Gepäck. Zusammen mit dem klassischen Elfer-Kofferraum im Bug, der 135 Liter fasst, entsteht ein durchaus urlaubstaugliches Kofferraumvolumen.

Viel Gewicht gespart
Seinen sportlichen Anspruch unterstreicht der 911 Speedster nicht zuletzt durch seine umfangreichen Gewichtseinsparungen. Aluminiumtüren, der Verzicht auf die Rücksitzanlage und die serienmäßigen Keramikbremsen reduzieren das Gewicht erheblich. Auch der Verdeckkastendeckel besteht aus Aluminium. Dadurch ist es gelungen, trotz der umfangreichen Mehrausstattung des 911 Speedster mit 1.540 Kilogramm exakt auf dem Gewichtsniveau des offenen Carrera S zu bleiben. In Verbindung mit der höheren Motorleistung ergibt dies ein Leistungsgewicht von 3,8 kg/PS.

Testfahrt auf den Col de Turini
Was das in der Praxis heißt, haben wir auf einer Fahrt von Nizza auf den Col de Turini ausprobiert. Das ist einer der bekanntesten Pässe der Seealpen; er verdankt seine Bekanntheit nicht zuletzt der Rallye Monte Carlo. Natürlich sind wir offen gefahren und während es in Nizza noch schön warm war, wurde es oben auf dem Pass in morgendlichen 1.600 Meter Höhe doch recht frisch. Da hieß es also: Daunenjacke, Schal und Mütze anziehen und der Zugluft tapfer trotzen. Und zugig geht es im Speedster allemal zu. Von wegen Windschott oder gar Airscarf – für Weicheier ist dieses Auto wirklich nichts, doch die Hälfte der Produktion dürfte ohnehin in warme Länder gehen, wo solche Überlegungen keine Rolle spielen.

Der Wagen will Drehzahlen
Auf serpentinenreichen Strecken kann der Speedster sein ganzes Potenzial voll ausspielen: Das maximale Drehmoment von 420 Newtonmeter erreicht er bereits ab 4.200 U/min, 200 Touren früher als der 911 Carrera S. Außerdem bewirkt eine neue Resonanzsauganlage im Drehzahlbereich von 3.000 bis 4.000 U/min im Vergleich zum Carrera-S-Triebwerk eine Steigerung des Drehmoments. Dennoch will der Speedster fleißig auf Touren gehalten werden, wenn man richtig schnell fahren will, denn der Boxermotor entwickelt seine maximale Leistung erst bei 7.300 U/min, also kurz vor der Höchstdrehzahl von 7.500 U/min.

Blubbern und Röhren aus neuem Auspuff
Eine neue Abgasanlage sorgt für den passenden Abgasgegendruck. Sie liefert einen eindrucksvollen Sound: Niedertourig blubbert und hochtourig röhrt es viel besser als in den normalen Elfern. Anders als im Sport Classic, der ähnlich ausgestattet ist, hört man das im offenen Speedster auch richtig gut. Das alleine dürfte für manche schon Kaufgrund genug sein. Der 911 Speedster ist nur mit PDK-Getriebe lieferbar, das am Dreispeichen-Lenkrad mit Schaltpaddles auch manuell geschaltet werden kann (Porsche sollte alle Modelle mit diesen Paddles anstelle der unhandlichen Schiebetasten ausstatten, die ansonsten im Lenkrad sitzen).

Besonders agiles Fahrverhalten
Mit einem Fahrzeugschwerpunkt von unter 50 Zentimeter zeigt sich ein besonders agiles Fahrverhalten. Immerhin ist auch die Spurbreite der Vorderachse um sechs Millimeter größer als beim 911 Carrera S Cabriolet, an der Hinterachse sogar um 34 Millimeter. Dort kommt auch ein stärkerer Stabilisator zum Einsatz. Des Weiteren verfügt der Speedster zusätzlich über ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Das resultiert in hervorragender Traktion – der Speedster kommt teuflisch schnell aus den engen Kehren des Col-de-Turini-Passes. Wie alle Top-Elfer verfügt auch der Speedster serienmäßig über das aktive Dämpfungssystem PASM. Dank einzeln regelbarer Dämpfer kann der Fahrer zwischen zwei Fahrwerkprogrammen wählen: "Normal" oder "Sport". So kann man mit dem Auto wie ein Wilder rasen, da es äußerst satt auf der Straße liegt. Wir waren aber auch erstaunt, wie komfortabel man dahincruisen kann – der Speedster ist absolut alltagstauglich.

Hingucker par Excellence?
So fuhren wir nach unserer Rückankunft in Nizza die kurze Strecke nach Monte Carlo rüber. Zum einen wollten wir den Wagen mit geschlossenem Dach ausprobieren (man fühlt sich richtig heimelig untergebracht und auch 1,90-Meter-Leute haben noch genug Platz über dem Kopf). Zum anderen wollten wir testen, wie so ein blauer Sonderexpress in der Stadt der Reichen auffällt. Doch nicht allzu viele Leute reckten ihre Hälse nach uns. Ob es daran lag, dass der Speedster geschlossen nicht so auffällig ist wie geöffnet, da seine Heck-Höcker verborgen sind, oder daran, dass die Monegassen ohnehin einen Supersportwagen nach dem anderen geboten bekommen, wissen wir aber nicht.

Wertung

  • ★★★★★★★★★★
  • Trotz Vollausstattung und hochwertigem Interieur erscheint der Porsche 911 Speedster teuer. Doch nur 356 Stück gehen in den Handel (es gibt noch zwei Presse-Testwagen und einen Ersatz, die müssen aber ins Museum). So dürfte der reinrassige offene Sportwagen zur Wertanlage mutieren und in den Garagen kalifornischer Millionäre oder arabischer Scheichs landen. Wer ihn allerdings zum Fahren kauft, wird mit einem Sportfahrzeug erster Güte belohnt. Und auch im Alltagsbetrieb dürfte der Roadster überzeugen.

  • Antrieb
    100%
    exklusive Maschine mit Leistungssteigerung auf 408 PS
    voller Sound dank exklusiver Auspuffanlage
  • Fahrwerk
    100%
    erstklassiges, sportliches Fahrverhalten
    alltagstauglicher Komfort
  • Karosserie
    95%
    exklusive Breitkarosserie mit eigener Verdeckmechanik
    bei schneller Fahrt mit offenem Dach sehr zugig
  • Kosten
    85%
    umfangreiche Vollausstattung mit viel zweifarbigem Leder
    trotz zu erwartender Wertsteigerung doch etwas teuer

Preisliste


Porsche 911 Speedster

Grundpreis: 201.682 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung Serie
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Exterieurfarben Purblau, Carreraweiß ohne Aufpreis
Werksabholung 702

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Boxermotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.800 
Leistung in PS 408 
Leistung in kW 300 
bei U/min 4.200-5.600 
Drehmoment in Nm 420 
Antrieb Heckantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungsgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.492 
Spurweite hinten in mm 1.550 
Radaufhängung vorn McPherson-Bauart, Federbeinachse mit einzeln aufgehängten Rädern 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerachse, zylindrische Schraubenfedern mit koaxialen innenliegenden Schwingungsdämpfern, PASM-Sportfahrwerk mit Tieferlegung um 20 Millimeter und elektronisch geregelten Schwingungsdämpfern mit zwei manuell anwählbaren Kennfeldern; mechanische Hinterachsquersperre 
Bremsen vorn gelochte und innenbelüftete Keramik-Bremsscheiben mit 350 Millimeter Durchmesser und 34 Millimeter Dicke 
Bremsen hinten Keramik-Bremsscheiben mit 350 Millimeter Durchmesser und 28 Millimeter Dicke 
Räder, Reifen vorn 8,5 J x 19 mit 235/35 ZR 19 
Räder, Reifen hinten 11,5 J x 19 mit 305/30 ZR 19 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.440 
Breite in mm 1.852 
Höhe in mm offen 1.230 mm, geschlossen 1.284 
Radstand in mm 2.350 
Leergewicht in kg 1.540 
Zuladung in kg 380 
Kofferraumvolumen in Liter vorn 135 
Tankinhalt in Liter 64 
Kraftstoffart Super Plus 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 305 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 10,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 15,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,3 
CO2-Emission in g/km 242 
Schadstoffklasse Euro 5 

Porsche 911 Speedster