Wie alltagstauglich ist der neue Mitsubishi L200 Pick-up?

Der erste Gedanke, als wir den Mitsubishi L200 für unsere zweiwöchige Testfahrt in Empfang nehmen? Die 17 -Zöller erinnern uns an irgendetwas. Um genau zu sein, wecken die Schmiederäder sogar Erinnerungen. Sie sehen verdammt nochmal wie die Lamborghini-Felgen aus, die in den 1980er-Jahren an dem Countach geschraubt wurden. Bevor Sie jetzt aber aufspringen und mit mindestens 26.290 Euro zum Mitsubishi-Händler hechten, muss ich Sie enttäuschen: Sie werden dort kein Lambo-ähnliches-Schnäppchen machen. Warum sich der Ausflug trotzdem lohnen könnte, verrät unser Test.

Wenn US-Pick-ups und der Amarok nicht passen
Ein amerikanischer Fullsize-Pick-up ist Ihnen zu groß und zu sehr Spritschleuder? Ein VW Amarok ist Ihnen zu gewöhnlich? Aber es soll trotzdem ein Lastesel mit offener Ladefläche sein? Hier springt der Mitsubishi L200 der fünften Generation in die Bresche. Genau wie der Toyota Hilux, der Isuzu D-Max oder der Nissan NP300 Navara. Alle sind Ein-Tonnen-Pick-ups, die aus Fernost stammen. Mit einer Länge von jeweils rund 5,30 Meter (unser Testwagen mit fünfsitziger Doppelkabine misst 5,29 Meter) haben alle Derivate in etwa die gleichen Abmessungen. Und auch in der Zuladung rangieren sie um die Ein-Tonne-Marke (bei unserem L200 sind es 955 Kilogramm).

Ansprechendes Äußeres … mit sehr viel Chrom
Von Außen hat sich Mitsubishi bei der neuen Generation wirklich große Mühe gegeben. Die Front wurde runderneuert und auch das Heck erhielt eine neue und leicht veränderte Optik. Sie sollten allerdings keine Abneigung gegen den japanischen Designeinschlag haben und außerdem mit dem inflationären Einsatz von Chrom zurechtkommen. Beim Design will der L200 eindeutig die Brücke zwischen Nutz- und Alltagsfahrzeug schlagen, so wie es die mit Chrom überladene Konkurrenz aus Nordamerika schon seit langem tut. Und wir müssen sagen: Von Außen gelingt das dem Mitsubishi wirklich gut – und nicht nur wegen den Felgen in Lambo-Optik.

Innenraum mit Nutzfahrzeug-Flair
Der überarbeitete L200-Innenraum ist dagegen nicht gerade preisverdächtig geworden. Viel Plastik, emotionslose Schalter und Tasten sowie einfache Stoffbezüge (Leder gibt es nur in der Top-Version) sprechen immer noch und eindeutig den Nutzfahrzeug-Dialekt. Der beim Interieur eher auf Lifestyle getrimmte NP300 Navara liegt hier deutlich vorne. Trotzdem ist im Mitsubishi alles gut verarbeitet und bequem ist es obendrein. Außer Sie müssen auf die hintere Sitzreihe ausweichen: Die Fond-Passagiere sollten sich nämlich trotz Doppelkabine und vier Türen auf ein sehr beengtes Platzangebot einstellen. Kopf- und Beinfreiheit erinnern eher an ein 2+2-Sitzkonzept als an einen vollwertigen Fünfsitzer. Der Nissan-Pick-up ist auch hier deutlich besser.

Unser Testwagen und weitere Derivate
Widmen wir uns lieber dem Antriebsstrang: Der überarbeitete Motor ist in Vollaluminium-Bauweise konstruiert. Es handelt sich um einen 2,4 Liter großen Vierzylinder-Diesel mit 181 PS und 430 Newtonmeter. Weitergeleitet werden Kraft und Leistung in unserem Fall über ein manuelles Sechsgang-Getriebe, das die Hinterräder beliefert. Die Vorderachse lässt sich manuell zuschalten, sodass ein permanenter Allradantrieb entsteht. Auf Wunsch ist der L200 aber auch als 154-PS-Ausführung mit 380 Newtonmeter erhältlich und neben dem Schaltgetriebe kann auch eine Fünfstufen-Automatik geordert werden.

Guter Nutzfahrzeug-Diesel und ein Schaltgetriebe mit Abzügen
Der Antrieb versucht so gut wie möglich zu vertuschen, dass er für ein Nutzfahrzeug konstruiert wurde, bei dem Zugkraft (die gebremste Anhängelast beträgt 3,1 Tonnen) wichtiger ist als schnelles Vorankommen. Der Motor läuft trotzdem vergleichsweise ruhig. Doch die Schaltwege sind sehr lang, das Getriebe ist eher undefiniert, manchmal hakt es beim Einlegen der Gänge gewaltig und der lange Schaltknüppel wackelt bei laufendem Motor im Leerlauf sehr bedrohlich. Das manuelle Getriebe hat aber auch einen Vorteil: Es hat einen sechsten Gang. Dadurch ist der L200 auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn gut fahrbar.

Geringer Komfort auf befestigten Straßen
Es bleibt ruhig im L200-Innenraum und aufdringliche Geräusche von außerhalb sind zusätzlich gut weg gedämmt. Zu schnell sollten Sie gerade mit einem unbeladenen Pick-up aber nicht werden. Zum einen, weil die etwas zu leichtgängige Lenkung nicht viel Rückmeldung gibt und zum anderen, weil nur die Vorderachse mit einer Einzelradaufhängung ausgestattet ist. Bei der Hinterachse des Ein-Tonnen-Mitsubishi wird immer noch auf die bewährte und robuste, aber nicht gerade komfortable Banjo-Achse mit Blattfedern gesetzt. Gerade bei Bodenwellen oder Querfugen poltert es gewaltig im Heck und an die versteifte Kurvenlage muss man sich langsam herantasten. Hier ist der L200 am weitesten von einem alltagstauglichen Lifestyle-Wagen entfernt. Wenn Sie mehr Komfort wollen, legen Sie sich deshalb entweder einige Sandsäcke auf die 152 Zentimeter lange und 147 Zentimeter breite Ladefläche, oder Sie wählen das Pendant von Nissan. Denn der NP300 Navara mit Doppelkabine ist mit einer deutlich komfortableren Multilenker-Hinterachse ausgerüstet.

Ein gutes Arbeitstier im Gelände
Abseits der befestigten Verkehrswege ist der robuste Mitsubishi L200 hingegen eine Wucht. Der permanente Allradantrieb lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h ab- oder zuschalten. Dazu kommen eine Geländeuntersetzung, ein sperrbares Mitteldifferenzial und eine Wattiefe von 600 Millimeter. Lediglich die Bodenfreiheit von nur knapp 21 Zentimeter (im unbeladenen Zustand) sowie die eingeschränkten – aber dennoch akzeptablen – Böschungswinkel von 30 Grad vorne und 22 Grad hinten, machen allzu wildem Geländetreiben einen Strich durch die Rechnung. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Wer will sich schon diese schönen Felgen ruinieren?

Ausreichende Technik und ein fairer Preis
Zum Abschluss dann noch weitere Punkte für die Pro-und-Contra-Liste: Die Technik-Ausstattung samt der Assistenzsysteme ist mehr als ausreichend für ein Fahrzeug dieser Klasse. Es gibt Spurhalteassistenz, eine Rückfahrkamera, einen Tempomat und eine Zweizonen-Klimaautomatik. Die Start-Stopp-Funktion hätte man sich hingegen sparen können. Erstens schafft sie es maximal 15 Sekunden lang, den Motor im Stand-by-Modus zu halten und zweitens weckt sie das Aggregat so unsanft aus dem Sekundenschlaf, dass das ganze Fahrzeug ordentlich durchgeschüttelt wird. Und der Preis? Hier liegt unser gut ausgestatteter Testwagen in der ,Plus"-Ausführung mit 33.890 Euro im guten Mittelfeld.

Wertung

  • ★★★★★★★☆☆☆
  • Wer sich mit dem Mitsubishi L200 einlässt, sollte bedenken, dass dieser Ein-Tonnen-Pick-up zwar von außen wie ein chrombeladener Lifestyle-Lastenesel aussieht, er sich im Großen und Ganzen aber noch wie ein Nutzfahrzeug fährt und der Innenraum sich auch so anfühlt. Für kurze Ausflüge in den Alltag ist der L200 aber durchaus geeignet. Doch richtig wohl fühlt er sich nur im Gelände oder mit einer vollen Ladefläche. Wer mehr Lifestyle und weniger Nutzfahrzeug in einer japanischen Designverpackung sucht, sollte hier eindeutig zum Nissan NP300 Navara mit Doppelkabine greifen. Und alle anderen sollten hier zugreifen. Und wenn Sie es nur wegen den fantastischen Felgen tun.

    + guter Allradantrieb, ansprechendes Design, umfangreiche Ausstattung, angemessener Verbrauch, kraftvoller Diesel

    - Materialien im Innenraum, Platzverhältnisse im Fond, weiche Lenkung, schwammiges Getriebe, wenig Komfort

  • Antrieb
    75%
  • Fahrwerk
    65%
  • Karosserie
    70%
  • Kosten
    80%

Preisliste


Mitsubishi L200 2.4 DI-D+ Doppelkabine 6-Gang AS&G Plus

Grundpreis: 33.890 Euro
Modell Preis in Euro
L200 Plus 33.890
L200 Top 38.490
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio Serie
MP3 Serie
Metalliclackierung 690
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrersitz)
Tempomat Serie
Xenonlicht Serie
Nebelscheinwerfer Serie
Start-Stopp-Automatik Serie
Bluetooth-Schnittstelle Serie
Rückfahrkamera Serie
Multifunktions-Lenkrad Serie
Spurhalteassistent Serie
Chrom-Paket Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Diesel-Reihenmotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.442 
Leistung in PS 181 
Leistung in kW 133 
bei U/min 2.500 
Drehmoment in Nm 430 
Antrieb Heckantrieb mit zuschaltbarem Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltgetriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.520 
Spurweite hinten in mm 1.515 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker 
Radaufhängung hinten Banjo-Hinterachse mit Blattfedern 
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet 
Bremsen hinten Trommel 
Wendekreis in m 11,8 
Räder, Reifen vorn 245/65 R17 
Räder, Reifen hinten 245/65 R17 
Lenkung Servounterstützte Zahnstangenlenkung 
Geländekompetenz
Böschungswinkel vorn in Grad 30 
Böschungswinkel hinten in Grad 22 
Rampenwinkel in Grad 24 
Querneigung in Grad 45 
Steigfähigkeit in Prozent 35 
Wattiefe in mm 600 
Bodenfreiheit in mm 205 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.285 
Breite in mm 1.815 
Höhe in mm 1.780 
Radstand in mm 3.000 
Leergewicht in kg 1.950 
Zuladung in kg 955 
Anhängelast, gebremst in kg 3.100 
Dachlast in kg 80 
Tankinhalt in Liter 75 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 179 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,4 
Elastizität von 80 
bis 100 
in Sekunden 4,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,4 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,6 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,7 
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 9,1 
CO2-Emission in g/km 169 
Schadstoffklasse Euro 5 


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