Es war die Sensation des Jahres 1991: Bugatti kehrt als Automarke zurück! Schon der Name des neuen Modells EB110 ist eine Verbeugung vor Ettore Bugatti. EB steht für Ettore Bugatti, 110 für seinen 110. Geburtstag.

Ausgedacht hat sich das Ende der 1980er-Jahre ein Italiener. Romano Artioli ist seit Jahrzehnten ein großer Sammler von Bugatti-Fahrzeugen. Zugleich arbeitet er als erfolgreicher Automobilimporteur und -händler im Norden Italiens, vor allem für Ferrari und zwei japanische Marken. Mitte der 1980er-Jahre träumt er von dem ultimativen Sportwagen.

Artiolis Leidenschaft zu Bugatti ist so groß, dass er die legendäre französische Automobilmarke wiederbelebt. 1987 kauft er die Markenrechte. 

Als Antrieb für den Supersportwagen wählt Artioli einen 3,5-Liter-V12-Mittelmotor, dem damaligen Formel-1-Reglement entsprechend, mit vier Turboladern und einer Höchstdrehzahl von 8.250 U/min. Je nach Modell und Ausbaustufe leistet das Triebwerk zwischen 560 und 610 PS.

Der EB110 fährt in einer neuen Liga: Von 0 auf 100 km/h sprintet der EB110 in bis zu 3,26 Sekunden und ist damit das schnellste Serienauto seiner Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit der SS-Version liegt bei 351 km/h. Weltrekord für einen Seriensportwagen.

Doch der Markt für Supersportwagen bricht zur gleichen Zeit dramatisch ein, die Nachfrage sinkt drastisch. Daneben investiert Artioli in das Automobilunternehmen Lotus (die Elise ist nach seiner Enkelin benannt) und häuft hohe Verbindlichkeiten an. Als er Probleme mit Lieferanten bekommt und sie nicht mehr bezahlen kann, wird die Produktionsstätte in Italien geschlossen. Auch die Entwicklung einer 455 PS starken Limousine namens EB112 wird gestoppt. Bis 1995 entstehen in der Manufaktur in Campogalliano nur rund 96 EB110 GT und 32 EB110 Super Sport, insgesamt etwa 128 Fahrzeuge, davon 2 offizielle Werksrennwagen mit 670 PS.