Fiat wiederbelebt den Multipla als Mix aus Minivan, SUV und Pick-up
Der Multiplay hebt Modularität auf die nächste Stufe - ist quasi drei Autos in einem
Fiat bringt den Multipla zurück. Nun ja, zumindest dessen Geist. Der Multiplay ist eine eigenwillige Studie, die Minivan, SUV und Pick-up im kompakten Format zusammenführt. Vorgestellt am Vorabend des Pariser Autosalons 2026 neben zahlreichen Konzeptfahrzeugen weiterer Stellantis-Marken, setzt die ungewöhnliche Kreation auf extreme Vielseitigkeit.
Mit 4,45 Metern Länge soll der Multiplay alles vom Schulweg bis zum Wochenendabenteuer abdecken, ohne dass Besitzer mehrere Fahrzeuge anschaffen müssen. Sein besonderer Kniff ist ein verschiebbares Heckmodul, das den Familienwagen mit sechs Sitzen plus einem zusätzlichen Platz in einen viersitzigen Pick-up mit offener Ladefläche verwandelt. Man kann ihn sich als Schweizer Taschenmesser auf Rädern vorstellen – mit einer ordentlichen Portion italienischer Leichtigkeit.
Allzu große Vorfreude ist allerdings nicht angebracht: Fiat betont, dass der Multiplay keine konkrete Vorschau auf ein bestimmtes Serienmodell ist. Stattdessen dient er als Ideenlabor für mögliche künftige Fahrzeuge der italienischen Marke. Die Verwandlung der Studie basiert auf einer Architektur, die Fiat "Metamorfosi" nennt und bei der ein beweglicher Heckbereich die Fahrzeugkonfiguration verändert.
Fiat Multiplay Konzept 2026
Dieser kleine Fiat ist ein Verwandlungskünstler
Im Familienmodus bietet der Innenraum sechs Sitzplätze plus einen cleveren Zusatzplatz. Wird mehr Stauraum benötigt, gleitet das Heckmodul auf speziellen Führungen nach hinten und schafft hinter den verbleibenden vier Sitzen eine offene Ladefläche. Damit wäre die Studie zumindest auf dem Papier vielseitiger als ein klassisches Familienfahrzeug.
Fahrräder, Sportausrüstung und sperrige Gegenstände lassen sich transportieren, ohne den gesamten Passagierraum opfern zu müssen. Fiat nennt keine Abmessungen der Ladefläche und auch keine Nutzlast.
Ein weiterer Trick steckt am Heck. Der Heckspoiler lässt sich drehen und wird im Pick-up-Modus zu einem integrierten Fahrradträger für bis zu zwei Fahrräder.
Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das die Praktikabilität eines Vans, die robuste Anmutung eines SUV und die Transportfähigkeit eines Pick-ups kombiniert. Ob Kunden tatsächlich alle drei Konfigurationen nutzen würden, steht auf einem anderen Blatt. Fiat verdient aber Anerkennung dafür, über die übliche Crossover-Formel hinauszudenken.
Fiat Multiplay Konzept 2026
Außen kompakt, innen erstaunlich groß
Der Name der Studie ist kein Zufall. Der Multiplay lässt sich von zwei früheren Fiat-Modellen inspirieren, bei denen maximaler Innenraum auch ohne üppige Außenabmessungen funktionierte. Diesen Ansatz führt er fort, auch wenn Fiat beim Exterieur einen anderen Weg geht. Die Karosserie ist in einem leuchtenden Grün gehalten, das von der Schale einer Wassermelone inspiriert ist; rote und rosafarbene Akzente im Innenraum erinnern an das Fruchtfleisch. Das unübersehbar verspielte Farbschema passt zu den familienfreundlichen Ambitionen der Studie.
Große Fensterflächen und ein Panoramadach sorgen für ein luftiges Raumgefühl. Das breite Armaturenbrett integriert ein verborgenes Display, das verschwindet, wenn das Fahrzeug ausgeschaltet ist. Zudem experimentiert Fiat mit Monomaterial-Textilien, die in einem nahtlosen 3D-Strickverfahren entstehen. Das soll Abfall reduzieren und zugleich flexible Oberflächen ermöglichen.
Im Innenraum lässt Fiat seiner Fantasie besonders freien Lauf. In der Familienkonfiguration gibt es sechs Sitze plus den von Fiat so genannten "Petsenger seat" (ja, wirklich) – ein modulares Element, das einen Kindersitz oder ein Haustier aufnehmen kann und sich alternativ als kleiner Tisch oder Ablagefach nutzen lässt.
Auch an die Praxis des Reisens mit Tieren hat Fiat gedacht. Ein Teil des Sitzpolsters lässt sich abnehmen und als Leine verwenden, während ein klappbarer Napf in einem Türfach verstaut wird. Zusätzliche Taschen und elastische Bänder helfen dabei, Alltagsgegenstände ordentlich unterzubringen.
Fiat versucht außerdem, ein weiteres bekanntes Problem zu lösen: die oft beengte dritte Reihe in Familienautos. Das hintere Abteil des Multiplay bietet Platz für bis zu zwei Kinder und bei Bedarf sogar für einen Erwachsenen. Die Anordnung gibt jüngeren Passagieren einen eigenen Bereich, hält sie aber dennoch in Reichweite der Eltern.
Fiat Multiplay Konzept 2026
Der Multiplay setzt auf einen modularen Innenraum
Der Beifahrersitz kann sich unterdessen in etwas verwandeln, das Fiat "Sunseat" nennt. Steht das Auto, dreht sich der Sitz nach hinten und nutzt das Armaturenbrett als Rückenlehne. So entsteht unter dem Panoramadach eine Art Chaiselongue.
Fiat nennt weder einen Antrieb noch eine Batteriekapazität, Fahrleistungen oder andere technische Daten. Das liegt daran, dass die Studie nicht als Vorbote eines bestimmten Modells für den Handel gedacht ist.
Die Idee hat dennoch einen offensichtlichen Reiz. Viele Familien benötigen unter der Woche Platz für Passagiere und am Wochenende zusätzliche Transportkapazität. Für jeden Zweck ein eigenes Fahrzeug zu kaufen, ist jedoch nicht für alle realistisch. Ein kompaktes Auto, das zwischen beiden Rollen wechseln kann, könnte sinnvoll sein – vorausgesetzt, der Verwandlungsmechanismus ist praktisch, langlebig und bezahlbar.
Offene Fragen bleiben
Natürlich lassen Konzeptfahrzeuge clevere Lösungen oft einfacher wirken, als sie tatsächlich sind. Fiat erklärt nicht, wie schwer die bewegliche Struktur wäre, welche Auswirkungen sie auf Sicherheit und Karosseriesteifigkeit hätte oder wie viel Kofferraum im Familienmodus übrig bliebe. Das sind entscheidende Fragen, die beantwortet werden müssten, bevor der Multiplay ein realistisches Serienfahrzeug werden könnte.
Für den Moment ist die Studie eine interessante Erinnerung an Fiats langjährige Vorliebe, in kleinen Autos möglichst viel Raum zu schaffen. Der ursprüngliche Multipla tat dies mit einem unkonventionellen Innenraumlayout, während der Multiplay die Idee weiterdenkt und gleich die gesamte Fahrzeugkonfiguration verändert.
Ob es eine dieser Ideen in die Serie schafft, bleibt abzuwarten. Sollte Fiat aber jemals beschließen, ein Familienauto zu bauen, das zugleich als Pick-up dient, müsste die Marke zumindest nicht bei null anfangen.
Quelle: Fiat
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