Zum Hauptinhalt springen

Porsche will Autos mit Schaltgetriebe verkaufen, bis sie verboten werden

Erwarten Sie aber keinen Hybrid-911 mit drei Pedalen, zumindest noch nicht

2027 Porsche 911 Carrera S MT Package
Bild von: Porsche

Das Schaltgetriebe ist zweifelsfrei eine aussterbende Spezies, doch Porsche ist noch nicht bereit, endgültig den Stecker zu ziehen. Im Gegenteil: Der Sportwagenhersteller will Fahrzeuge mit drei Pedalen so lange anbieten, wie es Vorschriften und Kundennachfrage zulassen.

Erste Schritte, um den Handschalter am Leben zu halten, haben die Schwaben bereits unternommen. Zum Modelljahr 2027 erhält der Carrera S optional ein Sechsgang-Schaltgetriebe, nachdem er zunächst ausschließlich mit PDK angeboten wurde.

Die Entscheidung zeigt, dass die Kundennachfrage bei Porsche weiterhin erhebliches Gewicht hat, wenn es um die Wahl des Getriebeangebots geht. Anfang des Monats erklärte Timo Resch, Präsident und CEO von Porsche Cars North America, in einem Interview mit Motor1, die starke Nachfrage nach dem handgeschalteten 911 GT3 habe den Weg für den Carrera S mit echtem Schalthebel geebnet. In einem separaten Gespräch mit The Drive unterstrich Resch das langfristige Bekenntnis des Unternehmens zum Schaltgetriebe.

„Sie können sicher sein, dass wir versuchen werden, Schaltgetriebe so lange anzubieten, wie es uns rechtlich erlaubt ist und solange es Kundennachfrage gibt. Und wir sehen, dass die Nachfrage nach dem optionalen Schaltgetriebe auch bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein bestehen bleibt.“

<p><em>2027 Porsche 911 Carrera S MT-Paket</em></p>

2027 Porsche 911 Carrera S MT-Paket

Foto: Porsche

Porsche hält am Handschaltgetriebe fest

Ein klareres Bekenntnis zum Schaltgetriebe dürfte man von einem Hersteller im Jahr 2026 kaum bekommen. Während die meisten Marken den Handschalter entweder aufgegeben oder seine Verfügbarkeit drastisch reduziert haben, sieht Porsche weiterhin genügend Nachfrage, um ihn im Programm zu halten. Der letzte Teil von Reschs Aussage könnte bedeuten, dass auch die nächste Generation des 911 noch ein drittes Pedal bekommt. Die Baureihe 992 ist seit 2019 auf dem Markt; sofern ihr Lebenszyklus nicht deutlich über ein Jahrzehnt hinaus verlängert wird, könnte auch ihr Nachfolger den Fahrern weiterhin die Gangwahl selbst überlassen.

Einfach wird es allerdings nicht, das Schaltgetriebe am Leben zu halten. Sie wissen es: der 911 wird zunehmend elektrifiziert, um Emissionsvorschriften zu erfüllen. Der aktuelle 911 GTS und der Turbo S nutzen das T-Hybrid-System, das laut Resch derzeit nicht mit einem Schaltgetriebe kompatibel ist. „Derzeit“ ist dabei das entscheidende Wort, denn der Porsche-Manager lässt die Tür für einen möglichen Hybrid-911 mit drei Pedalen offen.

„Es würde mich nicht überraschen, wenn sie [die Ingenieure in Weissach] irgendwann eine Lösung finden.“

Warum Schaltgetriebe verschwinden

Von anderen Herstellern haben wir bereits viele Begründungen gehört, warum Handschalter aussterben. Einige verweisen darauf, dass sie nicht mit Elektrifizierung sowie immer komplexeren Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen vereinbar seien. Andere führen an, dass die Zulieferbasis schrumpfe und Schaltgetriebe zudem Leistungsgrenzen hätten.

Porsche ist jedoch nicht bereit, sich dem Trauerzug für das manuelle Getriebe anzuschließen. Solange es das Gesetz erlaubt und Käufer es weiterhin verlangen, hat der Handschalter in Zuffenhausen eine Zukunft.


Motor1 meint:  Porsche hat keine Glaskugel und kann daher nicht versprechen, wie lange die Gesetzgebung das Schaltgetriebe noch zulassen wird. Derzeit wirkt das Unternehmen jedoch entschlossen, für das dritte Pedal zu kämpfen – weil die Kunden es ganz offensichtlich weiterhin wollen und bereit sind, dafür viel Geld zu bezahlen.

Die Logik legt nahe, dass der Handschalter in Nordamerika länger überleben wird, wo die Emissionsvorschriften weniger streng sind als in der Europäischen Union. Nach dem, was wir von verschiedenen Herstellern gehört haben, die weiterhin Autos mit Schaltgetriebe verkaufen, etwa BMW, ist die Quote der Handschalter bei amerikanischen Käufern zudem höher als in Europa.

Mit Blick nach vorn könnten die USA die letzte Bastion des Schaltgetriebes werden – und Porsche ist bereit es zu verteidigen.