Wenn man an die Modell-Historie von Lamborghini denkt, kommen einem eher die großen Klassiker in den Sinn. Legenden wie der Miura, der Countach (der gerade erst in einer Kleinserie wiederbelebt wurde) oder auch noch der Diabolo. Aber die Vergangenheit des italienischen Sportwagen-Herstellers ist viel reichhaltiger, als man meinen könnte. Ein Beispiel ist der fast vergessene Lamborghini Jalpa, der dieses Jahr das 40-jährige Jubiläum feiern kann.

Erstmals präsentiert wurde der Jalpa auf dem Genfer Autosalon im März 1981. In bester Lamborghini-Tradition stammt der Name des Jalpa von einer Kampfstierrasse, dem Jalpa Kandachia. Der Jalpa war die letzte Entwicklung des Urraco- und Silhouette-Projekts.

Das Design des Targa-Coupés stammte aus der Feder des Franzosen Marc Deschamps, seit 1980 Stildirektor von Carrozzeria Bertone. Teilweise mitentwickelt wurde die Gestaltung von Giulio Alfieri, dem damaligen Geschäftsführer und Technischen Direktor von Lamborghini.

Lamborghini Jalpa (1981-1987)
Lamborghini Jalpa (1981-1987)
Lamborghini Jalpa (1981-1987)

Die wichtigste technische Neuerung des Jalpa war die finale Evolutionsstufe des 90-Grad-V8-Motors, der komplett aus Aluminium bestand und über vier kettengetriebene obenliegende Nockenwellen verfügte. Ursprünglich war das Aggregat schon in den Modellen Urraco und Silhouette verbaut. Auch diese Fahrzeuge sind heute ziemlich in Vergessenheit geraten, oder?

Dank einer vergrößerten Bohrung auf 3,5 Liter Hubraum erreicht der Motor nun eine maximale Leistung von 255 PS bei 7000 U/min und ein maximales Drehmoment von 319 Nm bei 3500 U/min. Versorgt wurde das Aggregat von vier Weber-42-DCNF-Doppelvergasern mit einem Verdichtungsverhältnis von 9,2:1. Damit erreicht der Jalpa eine Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h. Die Beschleunigung auf Tempo 100 wurde mit 5,8 Sekunden angegeben. Erreicht wurden diese Werte in der Praxis aber eigentlich nie.

Lamborghini Jalpa (1981-1987)

Damit hatte man bei Lamborghini aber zumindest auf dem Papier einen Konkurrenten für den Porsche 911 oder den Ferrari 328 im Programm. Dem Wagen aus Sant’Agata Bolognese stand aber irgendwie immer sein Gewicht von 1.500 kg im Weg. Der Ferrari war mit 270 PS nicht nur stärker, sondern auch rund 200 kg leichter. Ein vergleichbarer 911er aus dieser Zeit brachte sogar fast 300 kg weniger auf die Waage.

Lamborghini Jalpa (1981-1987)
Lamborghini Jalpa (1981-1987)

Trotzdem ging der Jalpa im Jahr 1982 in die Produktion. Das Fahrzeug bestand aus einer halbtragenden Stahlkarosserie und verfügte über schwarze Stoßfänger und Motorlufteinlässe sowie horizontale Rückleuchten. Die 16-Zoll-Alufelgen wurden direkt vom Prototypen Athon übernommen und mit den P7-Niederquerschnittreifen von Pirelli ausgestattet.

Die Innenausstattung des Jalpa war luxuriös, mit umfangreicher Verwendung von Leder und Teppichen. Das Targa-Verdeck ist für ein leichtes Abnehmen und Aufsetzen konzipiert gewesen und konnte in einem dafür vorgesehenen Raum hinter den Rücksitzen verstaut werden.

1984 wurde die "zweite Serie" des Jalpa präsentiert. Sie zeichnete sich durch einige ästhetische Veränderungen wie Stoßfängern und Lufteinlässen in Wagenfarbe, abgerundete Rückleuchten und eine überarbeitete Innenausstattung aus. Das kommerzielle Leben des Jalpa endete 1988 nach der Produktion von 420 Fahrzeugen.

Es war der letzte Sportwagen in diesem Segment für Lamborghini. Und das letzte Modell mit einem V8-Motor in dieser Positionierung. Konzeptionell gilt der Jalpa aber trotzdem als der direkte Vorläufer des Gallardo von 2003, der dann sehr erfolgreich wurde und zu einem der meistverkauften Lamborghini-Autos der Geschichte avancierte.

Bildergalerie: Lamborghini Jalpa (1981-1987)