Bildschöner Rennwagen auf Basis des 1101/1102 "Tudor"

Skoda ist im Rennsport eigentlich nur für Rallyes bekannt, doch ein einziges Mal starteten die Tschechen auch beim Langstreckenrennen in Le Mans. Das war im Jahr 1950, also vor ziemlich genau 70 Jahren.

Das benutzte Rennfahrzeug, ein Skoda Sport, basierte auf dem Serienmodell 1101/1102 Tudor. Wir erinnern an das denkwürdige Ereignis aus der Skoda-Historie und zeigen den bildschönen Wagen. 

Die neue Modellreihe 1101/1102 Tudor wurde nach dem 2. Weltkrieg präsentiert. Die Bezeichnung Tudor leitet sich nicht von dem Königsgeschlecht ab, sondern vom englischen Ausdruck "Two Doors" (Zweitürer). Ausgestattet mit einem nur 1.089 Kubikzentimeter großen Vierzylinder waren die Autos auch außerhalb Tschechiens sehr gefragt. Sie bewiesen ihre Zuverlässigkeit auch im Motorsport bei Rallyes und Rundstreckenrennen.

Für die Saison 1949 entwickelte Skoda auf Basis des Tudor eine spezielle Rennvariante: den Skoda Sport. Am Samstag, den 24. Juni 1950 startete der offene Zweisitzer in Le Mans. Damals war noch der typische Le-Mans-Start angesagt: Die Fahrer standen gegenüber den aufgereihten Autos und sprinteten erst nach dem Startsignal zu den Fahrzeugen. Aus Sicherheitsgründen wurde diese Art des Starts 1970 abgeschafft.

Für den Einsatz in Le Mans verfügte der Skoda Sport über einen auf 2.150 Millimeter verlängerten Radstand, der die Richtungsstabilität verbesserte. Sichelförmige Luftöffnungen neben den Hauptscheinwerfern leiteten den Bremsen Kühlluft zu und zwei zusätzliche Scheinwerfer sorgten in der Nachtstunden für bessere Sicht. Der wassergekühlte Vierzylinder unter der Fronthaube mit unverändert 1.089 Kubikzentimetern brachte es mit einer höheren Verdichtung und einem anderen Vergaser auf 50 PS (satt 32 PS wie in der Serie). Mit dem damals üblichen Rennkraftstoff – einem Mix aus Benzin, Ethanol und Aceton – erreichte der Skoda Sport 140 km/h. 

Skoda Sport bei den 24 Stunden von Le Mans
Der Skoda Sport in Le Mans aus der Sicht des Malers Vladimír Bidlo (1925-1997)

Die Fahrer Václav Bobek und Jaroslav Netušil lagen schon bald auf dem zweiten Platz in der mit elf Fahrzeugen besetzten Klasse bis 1.100 Kubikzentimeter. Nach 13 Stunden aber rollte das Auto in der Morgendämmerung aus: Ein Sicherungselement eines Pleuelzapfens war gerissen, die Reparatur vor Ort war nicht möglich, und das Rennen war für Skoda beendet.

Der Start im Jahr 1950 blieb bis heute der einzige Skoda-Renneinsatz in Le Mans; die politische Lage verhinderte in den Folgejahren weitere Teilnahmen. Der restaurierte Skoda Sport gehört heute zu einer tschechischen Privatsammlung. Anfang Juli hätte er anlässlich des Jubiläums beim Le Mans Classic erneut an den Start gehen sollen, doch das Event wurde wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben.

Bildergalerie: Skoda Sport bei den 24 Stunden von Le Mans