Der schicke Bruder des Ascona wird 50

Man kennt das ja: Es kommt oft ganz anders, als man denkt. So auch beim Opel Manta. Als Kultauto, Filmstar und Witzobjekt berühmt-berüchtigt, war er eigentlich so nie geplant. Selbst der Name Manta kam erst kurzfristig zustande. Im Jahr 2020 wird die erste Generation des Manta 50 Jahre alt. Perfekt, um auf ein paar Runden im Manta A zurückzublicken. Wie fährt sich der Rochen heute?

Eigentlich hätte der spätere Opel Manta als Kadett Coupé (und dessen Nobelversion Olympia Coupé) reüssieren sollen. Doch gegen Ende der 1960er-Jahre merkte man in Rüsselsheim, dass die Lücke zwischen Kadett und Rekord immer größer wurde. Es schlug die Stunde der Mittelklasse: Aus dem eigentlich für 1970 geplanten Kadett C wurde der erste Ascona, Ford brachte zeitgleich den Taunus, VW schließlich 1973 den Passat auf Basis des Audi 80.

Im Köcher hatte Opel 1970 auch den nun Ascona Coupé genannten Entwurf. Schon ein Jahr zuvor hatte Ford mit dem Capri für Aufsehen gesorgt und der Konkurrenz einen vor den Latz geknallt. Da war er, der europäische Volks-Mustang. Zu diesem Zeitpunkt stand beim Opel-Händler zwar schon der GT, eine Art Baby-Corvette. Aber er war eng, teuer und in gewisser Weise zu extrem.

Opel Manta A (1975)

So kam das Ascona Coupé alias "Projekt 1450" gerade recht. 4,29 Meter lang und (mit etwas Wohlwollen) Platz für vier Personen. Dazu satte 575 Liter Kofferraum. Fehlte nur noch ein prägnanter Name. Hier wurde Opel der Legende nach bei Giugiaro fällig und erwarb für 10.000 DM die Namensrechte für "Manta". Die Taufe einer automobilen Berühmtheit, welche sogar schon die Post AG auf einer Briefmarke verewigt hat.

Der 4,29 Meter lange Opel Manta A verkaufte sich schnell wie warme Semmeln: Allein zwischen 1971 und 1973 wurden nur in der Bundesrepublik 116.789 Fahrzeuge verkauft, 16 Prozent als vom Erzrivalen Ford Capri. Das Grundkonzept war bei beiden ähnlich: Bewährte Großserientechnik (60 bis 105 PS bot Opel im Manta A an, aber keine Sechszylinder wie im Capri), dazu viel Platz.

Opel Manta A (1975)

Die damals witzige Opel-Werbeabteilung griff das auf: Egon hat sich einen neuen Manta gekauft. Doch er muss zähneknirschend feststellen, dass neben seiner Verlobten auch deren kleiner Bruder und die zukünftige Schwiegermutter ins Auto passen, Gepäck inklusive.

Heute dürfte Egon schon lange Rentner sein und fährt vielleicht einen Opel Mokka X. Ich hingegen habe das Vergnügen mit einem Opel Manta A 1900 in der noblen Berlinetta-Ausführung. Sie gab es ab 1972, besonderes Kennzeichen ab Werk: das zeitgeistige Vinyldach. Meine Blick schweifen über die in "Tarragonarot" lackierte Karosserie. Der Manta A wirkt graziler als der Ford Capri mit seiner langen Motorhaube. Dafür sorgen beim Manta die aus meiner Sicht harmonischeren Proportionen und großen Fensterflächen. Am Heck zitieren vier runde Lampen den GT. Allerdings sind im Gegensatz zum ähnlich langen Capri die feminineren Formen in der Entstehungsgeschichte des Manta begründet. Stünde "Kadett Coupé" dran, würde der Auftritt auch passen.

Opel Manta A (1975)

Ab in den plüschigen Innenraum mit seinen dunkelroten Cordsitzen und dem Kunstholz in den Türen. Hier geht es geräumig zu. Das Cockpit unseres Fotofahrzeuges von 1975 gefällt durch Übersichtlichkeit und moderne Gestaltung. Eine Einweisung braucht hier wirklich keiner und so drehe ich den Zündschlüssel. Der 1,9-Liter-Benziner mit 90 PS erwacht zum Leben, den Klang hat jeder Opel-Fan sofort im Kopf. Es handelt sich um den mit Abstand beliebtesten Motor im Manta A: Von 488.606 gebauten Exemplaren in nur fünf Jahren hatten 300.000 den 1900er an Bord. 

Warum das so war, wird mir schnell klar: Bullig trägt das Aggregat den knapp eine Tonne schweren Manta nach vorne. Schon bei 2.500 Umdrehungen stehen 149 Newtonmeter bereit. Kein Wunder, dass so mancher Kunde gerne die Dreigang-Automatik orderte. Doch ihm entging so die geschmeidige Viergang-Schaltung. Präzise führt meine Hand den Knüppel durch die Gassen, 170 km/h Spitze wären theoretisch möglich.

Opel Manta A (1975)

Flink, aber nicht tückisch gibt sich der hinterradgetriebene Manta in Kurven. Beinahe bin ich dazu geneigt, vom Mazda MX-5 der 1970er-Jahre zu sprechen. Ob es Zufall war, dass der MX-5 ein Jahr nach dem Ende der Manta-Baureihe vorgestellt wurde? Seit 1988 jedenfalls ist der Name Manta Geschichte, sein Nachfolger Calibra lebte bis 1997, aber mit Frontantrieb. Deshalb hier mein Angebot an die Herren Lohscheller und Tavares: Wenn Ford den Capri wiederbelebt, reagiert bitte wie einst 1970. Das wäre mantastisch! 

Bildergalerie: Opel Manta A (1975)

Bild von: Fabian Grass