Immer mehr automobile Methusaleme: Der Durchschnitts-Pkw ist mittlerweile fast zehn Jahre alt

In Deutschland ist gut jedes fünfte Auto (21,5 Prozent) bei den TÜV-Prüfstellen mit „erheblichen Mängeln“ durch die Hauptuntersuchung (HU) gefallen. Das ist das Ergebnis des aktuellen „TÜV-Reports 2020“, für den rund 9 Millionen Pkw-Hauptuntersuchungen ausgewertet wurden.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Durchfallquote geringfügig um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln müssen von den Besitzern repariert und erneut vorgeführt werden, bevor sie eine neue Prüfplakette bekommen. Weitere 9,7 Prozent der Fahrzeuge waren mit „geringen Mängeln“ unterwegs (minus 2,3 Punkte). Der Anteil der mängelfreien Fahrzeuge ist um 1,1 Punkte auf 68,8 Prozent gestiegen.

„Ein großer Teil der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen ist mit erheblichen Sicherheitsmängeln unterwegs“, sagte Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV). „Insbesondere die Besitzer älterer Autos sollten ihre Fahrzeuge regelmäßig warten lassen, um sich und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.“ Laut TÜV-Report 2020 wurden von den Prüfern 0,1 Prozent der Fahrzeuge als „verkehrsunsicher“ eingestuft und mussten sofort stillgelegt werden. Betrachtet man alle durchgeführten Hauptuntersuchungen in Deutschland, entspricht das rund 15.000 Fahrzeugen innerhalb eines Jahres.

Der "gefährliche Mangel“ ist erst kürzlich in die Statistik eingeflossen. Dieser wird bei Defekten bescheinigt, die gefährlicher sind als ein „erheblicher Mangel“, aber nicht zur Stilllegung führen („verkehrsunsicher“). Beispiele sind undichte Bremsschläuche, defekte Leuchten oder ein nicht funktionierendes Reifendruckkontrollsystem. Diese Defekte sind „unverzüglich“ zu beheben, man muss also sofort zur Werkstatt. Weitere Neuerungen sind die Wiedereinführung der Endrohrmessung bei der Abgasuntersuchung sowie Prüfungen von Software-Updates und des Notrufsystems eCall. 

Laut aktuellem TÜV-Report steigt die Durchfallquote bei der HU mit dem Alter der Fahrzeuge erheblich an:

  •  2 bis 3 Jahre:     5,8 Prozent
  •  6 bis 7 Jahre:   16,4 Prozent
  • 10 bis 11 Jahre: 28,2 Prozent.

Das Alter der Pkw steigt in Deutschland aber weiter kontinuierlich an. Aktuell liegt es bei 9,5 Jahren. Das sind 2,6 Jahre mehr als im Jahr 2000. Der Grund: Heutzutage werden kaum noch Autos wegen Korrosion aus dem Verkehr gezogen. Umso mehr sollte man aber auf Bremsen, Leuchten und dergleichen achten, so der VdTÜV.

Die niedrigeste Durchfallquote hatten unter den 2-3-Jährigen der Mercedes GLC (2,17 Prozent) sowie der Mercedes SLK und Porsche 911 (beide 2,20 Prozent). Alle anderen Altersklassen gewinnt der Porsche 911: bei den 4-5-Jährigen der Typ 991 und bei den 6-7-Jährigen, 8-9-Jährigen und 10-11-Jährigen der Typ 997. Auffällig ist, dass unter den Top 10 des TÜV-Reports bei den 2-3-Jährigen fast ausschließlich deutsche Hersteller vertreten sind: sechs Mercedes-Modelle, zwei Audis und ein Porsche. Einzige Ausnahme ist der Mazda CX-3 auf Platz 6. 

Mercedes dominiert im laufenden Jahr auch die Übersicht der Klassenbesten:

  • Kleinstwagen: Opel Adam
  • Kleinwagen: Audi A1
  • Kompaktwagen: Mercedes A-Klasse
  • Mittelklasse: Mercedes C-Klasse
  • SUVs: Mercedes GLC
  • Vans: Mercedes B-Klasse

Die schlechtesten Modelle sind bei den 2-3-Jährigen:

  • Kleinstwagen:Ford Ka (10,7 Prozent)
  • Kleinwagen: Fiat Punto (10,8 Prozent)
  • Kompaktwagen: Dacia Logan (13,6 Prozent)
  • Mittelklasse: Ford Mondeo (9,1 Prozent)
  • SUVs: Dacia Duster (11,7 Prozent)
  • Vans: Citroen Berlingo (11,2 Prozent).

Bei den 10-11 Jahre alten Fahrzeugmodellen haben mit einer Durchfallquote von jeweils 43,1 Prozent der Dacia Logan und der Chevrolet Matiz am schlechtesten abgeschnitten. 

Künftig (ab dem Jahr 2021) soll bei der Hauptuntersuchung bei Diesel-Fahrzeugen auch die Partikelanzahl gemessen werden. Das reicht aus Sicht des TÜV-Verbands aber nicht aus. Er fordert, dass bei Dieseln auch Stickoxide und bei Benzinern die Partikelanzahl ermittelt werden. Zudem müssten Prüforganisationen die Abgassoftware und die im Fahrzeug gespeicherten Daten prüfen können, um Manipulationen durch Hersteller und Fahrzeughalter aufspüren können.