Nur 1,7 Tonnen schwerer Supersportler geht 2020 in Serie

Der erste Lotus mit Elektroantrieb ist da. Der Lotus Evija soll mit einer (angestrebten) Leistung von 2.000 PS der leistungsstärkste Serien-Straßensportwagen werden, der je gebaut wurde. Der Elektro-Sportwagen wurde nun in London enthüllt.

Evija (ausgesprochen "E-vi-ja") ist ein lettischer Frauen-Vorname, eine Variation des Vornamens Eva. Lotus übersetzt ihn mit "das Erste, was existiert" oder "das Lebendige". So gesehen kann man auch "die Evija" sagen, im Englischen bleibt "The Evija" diesbezüglich unkonkret. Der Evija ist nicht nur das erste Elektroauto von Lotus, sondern auch das erste Hypercar der Marke. Und es ist das erste komplett neue Auto, das unter der Leitung von Geely entstand.

Der Elektroantrieb wurde von Williams Advanced Engineering entwickelt, einem Lotus-Partner, dessen Schwesterfirma Williams Racing für ihre Erfolge in der Formel 1 und Formel E bekannt ist. Die 70-kWh-Akkus sind unmittelbar hinter den beiden Sitzen in der Mitte montiert – eine Analogie zur traditionellen Architektur des Mittelmotor-Sportlers. Die Reichweite soll 400 Kilometer im WLTP-Zyklus betragen.

Bemerkenswert sind die Ladeeigenschaften: Laut Lotus lässt sich der Akku in nur neun Minuten komplett wieder aufladen. Das wird möglich durch die hohe Ladeleistung, die der Evija schafft: 800 Kilowatt. Unter Verwendung der bestehenden Ladetechnologie – die stärksten Ladesäulen schaffen derzeit 350 kW – dauert eine komplette Ladung 18 Minuten. Die CCS2-Ladebuchse ist hinter einer Klappe im Heck versteckt. 

Der Akku versorgt vier Elektromotoren à 500 PS. Zusammen liefern sie 2.000 PS sowie 1.700 Newtonmeter Drehmoment. Vier Planetengetriebe übertragen die Kraft von den E-Maschinen auf die beiden Achsen. Durch ein Torque-Vectoring wird die Agilität in der Kurve erhöht und der Wendekreis verkleinert, was sich auf der Rennstrecke in kürzeren Rundenzeiten niederschlagen soll. So kann die Kraft auch nur auf zwei, drei oder vier Räder übertragen werden.

Der Evija ist nicht nur stark, sondern auch leicht: Mit einem Zielgewicht von nur 1.680 Kilo soll der Evija das leichteste Elektro-Hypercar der Welt werden. Die Räder messen vorne 20, hinten 21 Zoll und werden mit Pirelli-Trofeo-R-Reifen bestückt. Auf der Geraden soll der Wagen in unter drei Sekunden auf Tempo 100 sprinten und eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreichen. Auch bei hohen Geschwindigkeiten soll er noch exzellent beschleunigen. So sind 300 km/h schon nach neun Sekunden erreicht. Die ausgefeilte Aerodynamik und die Kühlung halten die Batterie auf Temperatur. So soll der Evija für mindestens sieben Minuten die volle Leistung liefern können. Dies bezieht sich auf den Track-Modus. Daneben bietet der Evija noch vier weitere Fahrmodi: Range, City, Tour und Sport. Sie werden durch einen roten Drehknopf unten am Lenkrad aktiviert.

Lotus Evija (2019)

Der Evija hat nur ein großes Display. Es befindet sich hinter (und über) dem Lenkrad und zeigt die wesentlichen Fahrdaten an. Andere Informationen erscheinen nur auf Knopfdruck und verblassen mit der Zeit wieder. Auffällig ist die Mittelkonsole im "Skipisten-Stil": Die sehr steil stehende Konsole enthält Touch-Buttons mit haptischem Feedback.

Abblend- und Fernlicht arbeiten mit Lasertechnik von Osram. Der Evija ist zudem das erste Lotus-Straßenfahrzeug mit einem einteiligen Kohlefaser-Monocoque. Statt Außenspiegeln hat der Wagen ausfahrende Kameras in den vorderen Kotflügeln. Statt eines Innenspiegels gibt es eine dritte Kamera auf dem Dach. Die Bilder werden innen auf drei separaten Displays angezeigt: Für die "Außenspiegel" befinden sie sich in den Türverkleidungen, der "Innenspiegel" ist an gewohnter Stelle montiert.

Die Scherentüren haben keine Griffe, sie werden über die Fernbedienung geöffnet und können von innen über eine Taste in der Dachkonsole geschlossen werden. Man nimmt in Carbon-Rennsitzen Platz, die mit Alcantara bezogen sind und elektrisch einstellbar sind. Statt der serienmäßigen Dreipunktgurte gibt es optional auch Hosenträgergurte. 

Zu den Design-Highlights gehören so genannte Venturi-Tunnel am Heck. Lotus-Chefdesigner Russell Carr erklärt: "Wir haben untersucht, wie Le-Mans-Rennwagen es schaffen, dass der Luftstrom über, unter und um das Fahrzeug herum, aber auch durch es hindurch geht. Dieses Konzept der 'Porosität' ist der Schlüssel zum Evija und hat es uns ermöglicht, ein zeitloses Design mit außergewöhnlich viel Abtrieb zu kreieren."

Lotus Evija (2019)
Die Ausgänge der Venturi-Tunnel werden mit roten LED-Elementen hervorgehoben

Die Produktion ist auf 130 Exemplare begrenzt; damit gehört der Evija zu den exklusivsten Autos, die je auf den Markt kamen. Die Zahl 130 ist eine Anspielung an die interne Typnummer des Autos: Typ 130. Gefertigt wird das Auto in Hethel, der rund 200 Kilometer nordöstlich von London gelegenen Heimatstadt von Lotus. Die Produktion soll im Laufe des Jahres 2020 beginnen. Der Preis wird vor Steuern bei 1,5 bis 2,0 Millionen Pfund (1,7 bis 2,2 Millionen Euro) liegen. Gegen eine Anzahlung von 250.000 Pfund (276.000 Euro) kann man sich ab sofort einen Produktionsslot sichern.

Bildergalerie: Lotus Evija (2019)