Kantige schwarze Luxuslimousine

Mit seiner kantigen Karosserie und seinem tiefschwarzen Lack war der Lincoln Sentinel eine faszinierende Designstudie vom Ende der 90er-Jahre. In unserer Reihe zu den vergessenen Designstudien der Automobilgeschichte erinnern wir an den Wagen.

Name: Lincoln Sentinel Concept

Premiere: Detroit Motor Show (NAIAS) 1996

Daten: 6,0-Liter-V12 aus zwei miteinander verschraubten 3,0-Liter-V6, Hinterradantrieb, Länge 5,53 Meter, 20-Zoll-Räder, nicht fahrfähig

Hintergrund:

Ein Jahr vor dem Sentinel im Januar 1995 wurde auf der NAIAS 1995 die schicke Studie Ford GT90 Concept vorgestellt, an die Sie sich vielleicht wegen des Videospiels Need for Speed 2 erinnern:

Der Supersportwagen sollte mit seinen vielen Kanten den Weg für Fords neue Designrichtung "New Edge" ebnen. 1996 übernahm die Ford-Premiummarke Lincoln die Optik für eine Luxuslimousine, die ähnlich wie der GT90 nie Wirklichkeit wurde: das Sentinel Concept.

Der Sentinel wurde als Flaggschiff konzipiert. Das Design knüpft an Lincoln-Traditionen an. So wird zum Beispiel eine modernisierten Version des Kühlergrills des ersten Continental verwendet. Die Studie hatte auch Selbstmördertüren wie der Continental von 1961 und einen V12-Motor wie der Continental der ersten Generation. Für den Sentinel fügte Lincoln einfach zwei 3,0-Liter-V6-Aggregate zusammen, genauso wie man es bei der Roadster-Studie Ford Indigo Concept gemacht hatte, der ebenfalls 1996 auf der NAIAS debütierte:

Im Indigo Concept leisteten die beiden miteinander verschraubten Duratec-V6 441 PS bei 6.100 U/min und brachten 549 Newtonmeter Drehmoment bei 5.250 U/min. Die Werte für den Sentinel wurden nie veröffentlicht, dürften aber ähnlich gewesen sein.

Die Originalversion des Sentinel hatte einen glänzend schwarzen Lack und getönte Fenster. So ließ sich auch die Tatsache verbergen, dass die Studie keinen fertigen Innenraum hatte. Lincoln arbeitete weiter an der 5,54 Meter langen Studie und zeigte sie später in fertiger Form auf anderen Messen, wo sie in Blaugrau und mit einer vom italienischen Designstudio Ghia entworfenen Cockpit präsentiert wurde.

Lincoln Sentinel Concept von 1996

Mit seinen rahmenlosen Fenstern, den bündigen Türgriffen und den winzigen Vorsprüngen, in denen Rückfahrkameras statt der Außenspiegel untergebracht sind, hatte die Studie sehr "cleane" Flanken. Sie rollte auf 20-Zoll-Alurädern. Die senkrecht angeordneten Scheinwerfer grenzten außen direkt an die vertikalen Grillrippen und gaben dem Wagen einen einzigartigen Look.

Ein Ford- und Lincoln-Händler aus South Carolina wollte die Designstudie im April 2009 angeblich für 80.000 Dollar verkaufen, fand aber keinen Käufer. Monate später tauchte das Auto bei eBay zu einem viel niedrigeren "Sofort-Kaufen"-Preis von 31.500 Dollar auf. Wo die Studie aber verblieben ist, bleibt ein Rätsel.

Bildergalerie: Lincoln Sentinel Concept von 1996