Der A4 ist kaum wieder zu erkennen. Gut so. Er kriegt Mildhybrid-Motoren und kann jetzt mit Ampeln sprechen

Ich erinnere mich noch recht gut daran, was passierte, als Audi Ende 2015 den aktuellen A4 (Baureihe B9) auf den Markt brachte. Die Reaktionen auf das neue Auto waren - sagen wir mal - ausbaufähig. "Zu nah am Vorgänger" oder "zu bieder" - das hörte man häufiger, wenn es um die fünfte A4-Generation ging. An den Verkaufszahlen rüttelte es wohl weit weniger als anfangs angenommen. Selbst im letzten Jahr mit den massiven WLTP-Problemen verkaufte man noch 345.000 Exemplare. Zum Vergleich: Die Mercedes C-Klasse wurde mit frischem Facelift 397.000-mal ausgeliefert. Dennoch scheint der Wunsch nach einem weitreichenderen A4-Neustart groß gewesen zu sein. Neu-Designer Mark Lichte hat bereits den Rest des Audi-Portfolios maßgeblich und sehr konsequent umgekrempelt. Beim A4 musste daher wohl ein besonders radikaler Schnitt her. Die optischen Neuerungen sind für eine Modellpflege ungewöhnlich umfangreich. Bis auf Dach und Heckklappe hat man jedes Karosserie-Teil verändert. Jetzt stehen auch alle Preise fest (siehe Tabelle unten).

Design

Vorne erkennt man das A4-Faclift am breiteren, flacheren Singleframe-Grill und den neuen LED-Scheinwerfern, die optional auch als Matrix-LED-Versionen zu haben sind. Am Heck orientieren sich die neuen Rückleuchten-Grafiken (insgesamt wird es drei verschiedene Rückleuchten geben)und der neue Stoßfänger mit den integrierten Trapez-Endrohren stärker am großen Bruder A6. Am aufwendigsten war aber sicher die Neugestaltung der Seitenlinie. Türen, Kotflügel - alles anders. Die Schulterlinie ist nun tiefer, außerdem hat man die Kotflügel mit den sogenannten Quattro-Blistern versehen. Damit wirken die Radhäuser viel kantiger und muskulöser, obwohl der A4 in Wirklichkeit nur einen halben Zentimeter breiter ist als vorher. Klar, über Optik lässt sich immer trefflich streiten. Allerdings dürfte es wenig Zweifel geben, dass dieser A4 ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung ist.

2019 Audi A4 Avant
A4-Designer Marc Chirek (links) erklärt Motor1.com-Reporter Wagner die neue Optik des A4 Avant

Technik

Anders als beim Design fallen die technischen Neuerungen beim modellgepflegten A4 und A4 Avant wohl erst auf den zweiten Blick so richtig auf. Im Chassis- und Fahrwerksbereich bleibt alles beim alten. "Wir haben einen sehr guten Mix aus Sportlichkeit und Komfort. Hier sahen wir keinen Handlungsbedarf", sagt technischer Projektleiter Roland Hudler. Gleich vier verschiedene Fahrwerksvarianten gibt es für das Auto. Neben dem Serienfahrwerk und dem 23 mm tieferen Sportfahrwerk, kann man auch ein Komfortfahrwerk (minus 10 mm) sowie ein Sportfahrwerk (ebenfalls minus 23 mm) mit adaptiven Dämpfern ordern. 

Ganz anders sieht es bei den Motoren aus. Die Leistungsdaten der insgesamt acht Turbo-Aggregate mögen Ihnen bekannt vorkommen, allerdings hat Audi alle bis auf zwei mit einem 12-Volt-Mildhybrid-System ausgestattet, das den Verbrauch im Realbetrieb um bis zu 0,3 Liter senken soll. Der neue S4 TDI erhält sogar ein 48-Volt-Mildhybrid-System inklusive elektrischem Zusatzverdichter. Hier ein kurzer Überblick über die Varianten und ihre Basispreise:

  Drehmom./Mildhybrid Basispreis Limousine Basispreis Kombi
35 TFSI (2.0 TFSI 150 PS) 270 Nm / 12 V 35.900 Euro 37.550 Euro
40 TFSI (2.0 TFSI 190 PS) 320 Nm / 12 V 39.900 Euro 41.550 Euro
45 TFSI quattro (2.0 TFSI 245 PS) 370 Nm / 12 V 46.200 Euro 47.850 Euro
30 TDI (2.0 TDI 136 PS) 320 Nm / 12 V

33.600 Euro (später)

k.A. (kommt später)
35 TDI (2.0 TDI 163 PS) 380 Nm / 12 V k.A. (kommt später) k.A. (kommt später)
40 TDI quattro (2.0 TDI 190 PS) 400 Nm / - 44.850 Euro 46.500 Euro
45 TDI quattro (3.0 TDI 231 PS) 500 Nm / - 47.900 Euro 49.550 Euro
S4 TDI (3.0 TDI 347 PS) 700 Nm / 48 V 62.600 Euro 64.250 Euro

Bis auf den 35 TFSI (mit Sechsgang-Handschalter) sind alle Varianten serienmäßig mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Je nach Motorisierung handelt es sich dabei um eine Siebengang-Doppelkupplung oder (bei den V6-TDI) um einen Achtgang-Wandler. Der Fahrmodus-Schalter Audi Drive Select ist ab den Versionen mit 190 PS Serie. Für die meisten Varianten ist natürlich auch der Quattro-Allradantrieb verfügbar.

Innen

Und damit ab zum Innenraum, der sich in puncto Connectivity deutlich stärker entwickelt hat als in seiner Erscheinung. Will heißen, hier drin sieht es erst einmal nicht viel anders aus als vor dem Facelift. Wer gehofft hat, der neue A4 würde das Bediensystem mit zwei Displays aus A6, Q8 und Co. übernehmen, könnte also ein wenig enttäuscht sein.

2019 Audi A4 Allroad

Passiert ist trotzdem jede Menge. Auf dem Armaturenbrett hockt nun nämlich ein merklich größerer Bildschirm als zuvor. Er basiert auf dem modularen Infotainmentbaukasten der dritten Generation, misst 10,1 Zoll und ist ein Touchscreen. Den Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole gibt es damit nicht mehr. Audi verspricht eine schnellere Treffersuche durch freie Texteingabe und eine natürlichere Sprachsteuerung, die wesentlich mehr versteht. Vor Ihrer Nase sorgen wie bisher zwei teil-analoge Instrumentendisplays oder das 12,3 Zoll große Virtual Cockpit für die Anzeige von Geschwindigkeit, Drehzahl, Navigation etc.

Und dann gibt es da noch einige neue Features, die den gelifteten A4 in der Future-Tabelle ein ganzes Eck nach oben hieven. Dass er jetzt mit Ampeln sprechen kann, zum Beispiel. Das Auto ist nun mit der Infrastruktur der Stadt vernetzt (anfangs Ingolstadt und Düsseldorf, aber keine Sorge, es werden ständig mehr) und kriegt über einen Server Infos vom Ampel-Zentralrechner. Sprich: Der neue A4 weiß, wann die Ampel vor Ihnen grün wird und sagt Ihnen dann, wie schnell Sie fahren müssen, damit Sie geschmeidig auf der grünen Welle surfen. Gut für den Verbrauch, gut für den Verkehrsfluss.

Neu ist auch, dass Sie jetzt quasi „Ausstattung on demand“ kaufen können. Oft wurde schon darüber gesprochen, jetzt geht es langsam damit los. Beim A4 bedeutet das: Wenn Sie nach dem Kauf merken „Mist, ich hab das MMI plus, das Digitalradio und das Smartphone Interface vergessen“, dann sind Sie erstens ein ganz schöner Schussel und haben zweitens Glück, denn Sie können die Funktionen jetzt einfach dazu buchen. Entweder testweise für einen Monat, ein Jahr oder für immer.

Preise und Marktstart

Die einzelnen Preise für den A4 und A4 Avant finden Sie in der Tabelle oben. Laut Audi gibt es beim A4 Facelift keinen generellen Preisaufschlag. Die günstigste Art dieses Auto zu fahren, kommt kurz nach Marktstart mit dem frontgetriebenen und handgeschalteten 150-PS-Benziner ab 33.600 Euro. Der 30 TDI (nein, wir wissen immer noch nicht, was das heißt; gemeint ist der 136-PS-Diesel) mit S tronic und Frontantrieb kostet ab 38.900 Euro. Ein 190-PS-TDI mit Allrad und Doppelkupplung ist ab 44.850 Euro zu haben.

Der Bestellstart für A4 Limousine und Avant war im Mai. Im Herbst 2019 stehen sie dann bei den Händlern. Das gilt auch für den neuen A4 allroad quattro, der sich im Design stärker als bisher vom normalen A4 Kombi unterscheiden soll. Er kommt wie bisher mit plus 35 mm Bodenfreiheit, 30 Prozent Steigfähigkeit, einem Böschungswinkel von 16,8 Grad und einer Anhängelast von zwei Tonnen. Als Aggregate stehen hier die Diesel mit 190 und 231 PS zur Verfügung.

Bildergalerie: 2019 Audi A4 Avant und 2019 Audi A4 Allroad