Neue Dieselmotoren und Elektroautos bis 2020

Altkanzler Helmut Schmidt sagte einst, wer Visionen hat, möge zum Arzt gehen. Doch die Vision, welche Mazda hat, klingt gar nicht krank. Unter der Bezeichnung ,Nachhaltiges Zoom-Zoom 2030" stellen die Japaner ihren Fahrplan für die nächsten 20 Jahre vor.

Benziner nach Diesel-Prinzip
Wesentlichster Punkt ist die Einführung einer Skyactiv-X-Motorengeneration im Jahr 2019, mutmaßlich im dann neuen Mazda 3. Falls Sie sich mit den Buchstaben bei Skyactiv nicht auskennen: ,G" bezeichnet die Benziner, ,D" die Diesel und ,R" ist für einen künftigen Wankelmotor reserviert. Aber X? Dahinter verbirgt sich der laut Mazda weltweit erste Serien-Benzinmotor mit Kompressionszündung. Hier entzündet sich ein besonders homogen-mageres Kraftstoff-Luft-Gemisch wie bei einem Diesel von selbst, wenn es im Brennraum komprimiert wird. Die NOx-Rohemissionen bleiben trotz sehr magerer Verbrennung auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Bereits 2007 hatte Mercedes ein ähnliches Konzept entwickelt, aber nicht weiterverfolgt. Der griffige Name damals: ,Diesotto".

Die Zündkerze bleibt
Wie hat es nun Mazda geschafft? Hier verzichtet man nicht vollständig auf eine Zündkerze. Sie soll einen zusätzlichen Druckanstieg im Brennraum einleiten. Offizieller Name: ,Spark Controlled Compression Ignition", kurz SPCCI. Dadurch sollen die beiden größten Probleme, die bislang einer Großserienfertigung eines ,Diesottos" entgegenstanden, gelöst worden sein: Maximierung des Betriebsbereichs, in dem Kompressionszündung möglich ist, sowie ein nahtloser Übergang zwischen Betrieb mit Kompressions- und Fremdzündung.

Extrem sparsam
Der Weg zum Skyactiv-X-Motor erscheint logisch, arbeiten doch schon die aktuellen Mazda-Benziner mit einer hohen Verdichtung von 14:1. Und was bringt das X in der Praxis? Zum einen ein sehr gutes Ansprechverhalten des Motors: Das Drehmoment soll zwischen zehn und 30 Prozent über den aktuellen Ottomotoren der Marke liegen. Zum anderen eine um bis zu 30 Prozent höhere Effizienz. Beim Verbrauch unterbietet der Skyactiv-X sogar die aktuellen Mazda-Diesel. Ein Nebeneffekt ist außerdem mehr Freiraum bei der Auswahl von Übersetzungsverhältnissen.

Die Zukunft von Diesel, Elektro und Wankel
Perspektiven also, die uns Europäer mit Blick auf drohende Diesel-Fahrverbote erfreuen. Mazda entwickelt aber den Dieselmotor weiter, 2020 soll die nächste Generation kommen. Was ist mit Elektroautos? Diese möchten die Japaner ab 2019 gemeinsam mit anderen Technologien zum elektrischen Fahren (man meint offenbar Plug-in-Hybrid) auf den Markt bringen. Zunächst in Regionen, die einen hohen Anteil erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung haben oder zur Reduzierung von lokalen Emissionen bestimmte Autos aussperren. Im übrigen ist sehr wahrscheinlich, dass der markentypische Wankelmotor zunächst hier ein Comeback als ,Range Extender" feiert, ehe ein reiner Wankel-Sportwagen kommt. Zu guter Letzt startet Mazda Tests zum autonomen Fahren im Jahr 2020, ab 2025 soll die entsprechende Technik zum Serienumfang aller Modelle gehören. Bereits vor einigen Tagen haben Toyota und Mazda eine Zusammenarbeit beschlossen. Die Unternehmen wollen unter anderem ein Joint Venture gründen, das in den USA Fahrzeuge produziert, sowie bei der Entwicklung von Elektroautos und vernetzten Fahrzeugen und bei Sicherheitstechnologien enger zusammenarbeiten. Auch eine Ausweitung ergänzender Produkte ist geplant.

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