Günstiges Elektro-Stadtauto für China

Jubel um das Tesla Model 3 und Diesel-Diskussionen in Deutschland: Ist das Elektroauto der Heilsbringer der individuellen Mobilität? Nun, hierzulande ist die Prämie für E-Autos bislang ein Schuss in den Ofen. Ganz anders in China: Dort gibt es richtig viel Geld.

Elektro-Vorteil in Städten
Allerdings wird das Füllhorn im Reich der Mitte nicht aus reiner Nächstenliebe ausgeschüttet. So gibt es in den großen Städten des Landes eine Beschränkung für Neuzulassungen. Ein großer Teil ist für Elektroautos reserviert. Hier gibt es mehr Zulassungen als Bewerber, während bei klassischen Pkw die Zulassungen ausgelost werden müssen. Kein Wunder also, dass SAIC-GM-Wuling, ein Joint Venture von General Motors in China, dort nun den kleinen und günstigen Baojun E100 auf den Markt bringt.

Pflicht zum Stromauto?
Die Gründe liegen auf der Hand: 2016 wurden in China gut eine halbe Million Elektrofahrzeuge verkauft, der Kuchen ist also üppig. Zudem plant die Regierung, ab 2018 eine E-Auto-Quote einzuführen. Nach bisherigen Entwürfen muss jeder Hersteller mindestens acht Prozent seiner Fahrzeuge in China als Elektroauto verkaufen. Was liegt da näher, als einen Stromer für die Massen auf den Markt zu bringen.

Weltrekord-Wendekreis
Sehen wir uns deshalb den Baojun E100 näher an. Formal beschreitet er den Weg des Smart Fortwo und ist wie dieser ein reiner Zweisitzer. Optische Ähnlichkeiten dürften der geringen Länge geschuldet sein: 2,49 Meter sind das Format des allerersten Smart von 1998. Der Radstand beträgt 1,60 Meter, die Höhe 1,67 Meter. Bemerkenswert ist der extrem kleine Wendekreis von 3,70 Meter. Maximal sind 100 km/h möglich. Diese Eckdaten zeigen: Der Baojun E100 ist konsequent als Stadtauto konzipiert. Sinnvoll ist das nicht nur mit Blick auf die Zulassungspolitik der Städte, sondern auch angesichts der schieren Größe diverser Megacities in China. Bis man ,raus auf dem Land" ist, kann es dort dauern.

Leistung? Ausreichend.
Der Antrieb des E100 ist ein Elektromotor mit einer Leistung von 29 Kilowatt entsprechend 40 PS und 110 Newtonmeter Drehmoment. Gefüttert wird er von einem nicht näher spezifizierten Lithium-Ionen-Akku. Eine volle Ladung dauert 7,5 Stunden, gemeint dürfte hier eine Haushaltssteckdose sein. An Bord ist auch ein System zur Rekuperation. Sowohl technisch wie auch in Sachen Ausstattung gibt sich der Baojun keinesfalls ärmlich: Einzelradaufhängung vorne und ein einzelner Querlenker hinten gesellen sich zum ABS, der elektrischen Servolenkung, Einparksensoren oder auch einer Fußgängererkennung. Innen gibt es einen Sieben-Zoll-Bildschirm und einen Internetzugang.

Supergünstig dank Prämien
Was davon jedoch serienmäßig ist, teilt der Hersteller nicht mit. Angeboten wird der Baojun E100 in zwei Varianten. Im günstigsten Fall, nach Abzug aller nationalen und lokalen Prämien, beträgt der Preis 35.800 Yuan, umgerechnet rund 4.500 Euro. Kein Wunder, dass sich für die ersten 200 Fahrzeuge beim Vorbestellstart in der Stadt Liuzhou schon mehr als 5.000 Interessenten registriert haben. Falls Sie jetzt sagen: ,Toll, das Auto möchte ich auch in Köln haben!", müssen wir Sie enttäuschen. Ein Export ist nicht geplant. Und auch der vermeintliche Schnäppchenpreis muss relativiert werden: In China sind umgerechnet bis zu 12.000 Euro E-Auto-Zuschuss möglich, Steuererleichterungen inklusive. Realistisch liegt der Baojun E100 also eher bei 15.000 Euro. Trotzdem ist der Ansatz interessant und konträr zu Tesla: Elektromobilität nicht von oben, sondern von unten.

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