Aktuelle Modelle mit 3.0-TDI-Motor schummeln auf dem Rollenprüfstand

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, den 27. Juli 2017, gab Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekannt, dass für den aktuellen Porsche Cayenne mit Dreiliter-Dieselmotor (Cayenne 3.0 TDI 193 kW, Euro 6) ein Zulassungsverbot ausgesprochen wurde. Bei dem Fahrzeug wurde festgestellt, dass es auf dem Rollenprüfstand ein anderes Abgasverhalten zeigte als im realen Straßenverkehr, dass es also mit einer ,Schummelsoftware" ausgestattet ist.

Dobrindt: ,Unzulässige Abschalteinrichtung"
Im Einzelnen sagte der Minister: ,Ein weiterer Teil unserer Abgasuntersuchungen liegt als Ergebnis vor. Wir haben Fahrzeuge der Marke Porsche vom Typ Cayenne 3.0 TDI Euro 6 untersucht. Auf dem Rollenprüfstand springt eine sogenannte Aufwärmstrategie an, die im Realverkehr nicht aktiviert wird. Das ist nach unserer Einschätzung eine sogenannte Prüfstandserkennung und wir stufen das als unzulässige Abschalteinrichtung ein."

Zulassungsverbot
Dobrindt führte aus, dass seine Behörde einen amtlichen, verpflichtenden Rückruf anordnen wird, wie dies in anderen Fällen auch erfolgt sei. Des weiteren sagte der Minister: ,Hier handelt es sich um ein Fahrzeug, das sich noch in der Produktion befindet. Deswegen werden wir weiter ein Zulassungsverbot aussprechen, bis eine andere Software zur Verfügung steht, die vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt werden muss."

7.500 Autos in Deutschland betroffen
Das heißt im Klartext, dass Porsche den Verkauf der Cayenne-Modelle mit Dreiliter-Dieselmotor vorerst stoppen muss. Auf Rückfrage erklärte Dobrindt, dass es sich um 7.500 in Deutschland zugelassene SUVs handelt und in ganz Europa um 22.000. Der NOX-Wert am Rollenprüfstand lag nach Dobrindts Angaben bei 54,9 mg/km, während er ohne Aufwärmstrategie 138,55 mg/km betrug. Die Euro-6-Norm sieht einen Grenzwert von 80 mg/km vor.

VW Touareg 3.0 TDI mit gleicher Software?
Dobrindt ergänzte, dass der nahezu baugleiche VW Touareg 3.0 TDI ebenfalls betroffen sein könnte, da davon auszugehen sei, dass die gleiche Software benutzt werden könnte. Sein Ministerium habe das bisher aber noch nicht überprüft. Ein entsprechender Test werde umgehend erfolgen.

Behebung durch Software-Update?
Abschließend zeigte sich Dobrindt zuversichtlich, dass Porsche das Problem schnell lösen könne: "Die Fahrzeuge sind ja mit moderner Abgasreinigungstechnologie ausgestattet, so dass Porsche aus unserer Sicht in der Lage ist, die Abgasgrenzwerte einzuhalten und dass wir deswegen auch glauben, dass Porsche schnell in der Lage ist, eine entsprechend veränderte Software zu liefern, um diese Fahrzeuge in einen rechtskonformen Zustand zu bringen."

Der Diesel kommt von Audi
Am Freitag nachmittag nahm Porsche selbst zu dem Vorgang Stellung. In einer Pressemitteilung heißt es, dass der Rückruf – nach Freigabe des vorgeschlagenen technischen Software-Updates durch das KBA – voraussichtlich im Herbst 2017 starten wird und baldmöglichst abgeschlossen werden soll. Die Besitzer der Fahrzeuge würden direkt von ihrem zuständigen Porsche-Partner kontaktiert. Der kostenlose Werkstattbesuch werde nach Vereinbarung schnellstmöglich erfolgen und etwa eine Stunde in Anspruch nehmen. Betroffen seien europaweit rund 21.500 Fahrzeuge der Baujahre 2014 bis 2017, davon 6.000 in Deutschland. In der Pressemitteilung führt Porsche zudem aus, dass die Marke selbst keine Diesel-Motoren entwickelt und produziert und lässt damit einen Seitenhieb auf den Motorenlieferanten Audi los. Als Fahrzeughersteller übernehme Porsche aber die volle Verantwortung gegenüber den Kunden, heißt es weiter.

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