Viele Euro-5-Diesel sollen kostenlos umgerüstet werden

Dieser Termin war mit Spannung erwartet worden: Heute trafen sich die Chefs der großen deutschen Autokonzerne mit den Ministerpräsidenten und der Bundesumweltministerin unter Vorsitz von Bundesverkehrsminister Dobrindt zum Auto-Gipfel. Jetzt ist das Ergebnis bekannt. Es lässt sich wie folgt zusammenfassen: Software statt Hardware und Vermeidung von generellen Fahrverboten.

Nachrüstung von fünf Millionen Pkw
Was wurde im Einzelnen beschlossen? Der wichtigste Punkt: Die deutschen Pkw-Hersteller bieten an, freiwillig einen Großteil ihrer Euro-5-Diesel und teilweise auch Euro-6-Diesel über Software-Updates nachzurüsten. Einschließlich der 2,5 Millionen bereits vom Volkswagen-Konzern umgerüsteten Autos geht es um mehr als fünf Millionen Fahrzeuge. Die Nachrüstung wird unmittelbar nach Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen durchgeführt. Zugesagt wird auch, dass den Haltern keine Kosten entstehen und die Nachrüstung keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben wird. Das Ziel ist eine durchschnittliche Stickoxidreduzierung von 25 bis 30 Prozent der nachgerüsteten Fahrzeuge.

Freiwillige Prämien für Alt-Diesel
Hinzu kommen laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) ,herstellerspezifische Vertriebsmaßnahmen", um noch ältere Diesel aus dem Verkehr zu ziehen. Wie das aussieht, gibt BMW bereits bekannt. Demnach soll es zeitnah bis Ende 2017 modellabhängig eine ,Umweltprämie" von bis zu 2.000 Euro geben, wenn ein BMW i3, ein Plug-in-Hybrid oder ein Euro-6-Neufahrzeug der Marken Mini und BMW gekauft wird. Weitere staatliche Anreize wie der Umweltbonus für elektrifizierte Autos werden davon nicht berührt. BMW spricht übrigens von rund 225.000 Euro-5-Dieselautos, die seitens der Marke aktuell in Deutschland unterwegs sind.

Was bringt die Zukunft?
Sowohl Bundesregierung als auch die Länder bekennen sich zum Grundsatz der Technologieneutralität. Die Autokonzerne betonen, dass der Diesel zu einem ,zukunftsfähigem und nachhaltigen Antriebsmix" dazugehört. Gleichzeitig wird man bis 2020 rund 40 Milliarden in die Entwicklung neuer Elektroautos investieren und ihre Zahl verdreifachen. Von staatlicher Seite wurde der Vermeidung von generellen Fahrverboten Priorität eingeräumt.

Besserung durch neuen Zyklus
Interessant ist eine Zahl des Umweltbundesamtes, nach dem die Stickoxidemissionen des Straßenverkehrs im Zeitraum 1990 bis 2015 in Deutschland um 70 Prozent zurückgegangen sind. Hinsichtlich der Prüfstandsabweichung neuerer Diesel beim Stickoxid-Grenzwert verweisen die Hersteller auf die Diskrepanz zwischen Prüfstands-Fahrzyklen und realem Straßenverkehr. Diese Abweichung soll durch die Nachrüstung spürbar verringert werden. Realistischere Messungen verspricht man sich vom neuen RDE-Zyklus, der europaweit ab 2017 für neu typgeprüfte Pkw gilt.

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