Die neue S-Klasse bietet mehr Luxus, Leistung und einen Hauch Maybach

Die S-Klasse gilt vielen als das repräsentative Luxusauto schlechthin. Sie ist ein Stern mit besonderer Leuchtkraft und für Mercedes imageträchtig wie wirtschaftlich bedeutend. Mit der Baureihe 140 (von 1991 bis 1998) hat dieser Nimbus etwas gelitten – viele beschreibende Adjektive zum Design waren wenig schmeichelhaft. Doch 1998 dann Aufatmen: Die noch aktuelle Baureihe 220 überzeugte mit sportlicher Eleganz und verlieh dem leicht ermatteten Stern wieder volle Strahlkraft. Die Zweifler verstummten und die bis heute 485.000 gebauten Exemplare belegen eindrucksvoll die Oberklasse-Kompetenz der Stuttgarter.

Neuauflage wird mit Spannung erwartet
Stellt sich die Frage, ob der Nachfolger an diesen Triumph anknüpfen kann. Mit großer Spannung wird deshalb die im Herbst 2005 erscheinende fünfte Generation erwartet. Wie viel Technik, wie viel Luxus, wie viel Dynamik steckt in der Neuauflage? Kommt vielleicht ein kleiner und sportlicher Maybach? Bislang gab es einige Erlkönig-Fotos und Retuschen, der endgültige Ein- und Ausblick auf den Mega-Star ließ auf sich warten.

Vollauf gelungenes Design
Nun endlich lüftet Mercedes den Schleier und gibt den Blick frei auf die neue S-Klasse. In unserer Redaktionssitzung herrschte sofort Einigkeit über die ersten Bilder: Das Design sitzt, die neue S-Klasse ist ein Hingucker von Format. Ihr herrlich straffes Blechkleid wirkt edel, muskulös und erfrischend neu. Die nach hinten aufsteigende Schulterlinie, die im weiten Bogen elegant verlaufende, großzügig ausgelegte Fahrgastzelle, die prominente Mercedes-Schnauze mit großem Kühlergrill und das an den Maybach erinnernde Heck – einfach alles macht Lust auf einen ersten Blickkontakt in natura. Die kommende Generation ist ausnehmend schön und setzt bereits optisch neue Maßstäbe in der Oberklasse.

Großes wird größer
Der Kunde hat wie bisher die Wahl zwischen zwei Karosserievarianten, diesmal entweder 5.076 oder 5.206 Millimetern lang. Das sind 33 beziehungsweise 43 Millimeter mehr als beim Vorgänger. Der Radstand vergrößerte sich dabei um 70 beziehungsweise 80 Millimeter, die Karosserie ist zudem 16 Millimeter breiter und 29 Millimeter höher. Obwohl sich die Passagiere in der bisherigen S-Klasse über Platzmangel nicht beschweren konnten, legt die neue Version in allen komfortrelevanten Maßen nochmals zu. Nebenbei wuchs auch der Kofferraum von 500 auf 560 Liter.

Innenraum: Edles Ambiente, einfache Bedienung
Gehobenen Komfortanspüchen dürfte auch das Innenraumdesign gerecht werden. Mercedes verspricht Edelholz, Chrom, formschöne Bedienelemente und sorgfältig abgestimmte Farben. Daneben soll die Übersichtlichkeit und Funktionalität ebenfalls vorbildlich sein. Verantwortlich ist dafür unter anderem ein neues Bedienkonzept. Es soll den schnellen Zugriff auf besonders häufig genutzte Funktionen bieten. So befinden sich wichtige Bedienknöpfe zugleich am Lenkrand und in der Mittelkonsole. Lenkrad und ein Kombi-Instrument bilden den Primär-Bereich dieses Bedienkonzepts. Hier sind alle wichtigen Informationen und Funktionen integriert, die der Fahrer unterwegs benötigt. Im Mittelpunkt steht ein Farbbildschirm an dessen unteren Rand sich eine Textzeile zur Steuerung von bis zu sieben Hauptmenüs für individuelle Einstellungen, Anzeigen und Bedienfunktionen befindet. Für die schnelle Wahl dieser Funktionen hat Mercedes die Bedienelemente des serienmäßigen Multifunktions-Lenkrads weiterentwickelt und setzt kreisrunde, beleuchtete Fünf-Wege-Taster ein, die der Autofahrer durch leichten Daumendruck betätigt.

Reichlich Annehmlichkeiten
Auch für gehobene Komfortansprüche hat Mercedes für die neue S-Klasse wieder einiges zu bieten. Bereits serienmäßig sind die Vordersitze elektrisch einstellbar und mit Lordosenstütze ausgestattet. Sitzheizung, Sitzbelüftung und auch die genialen fahrdynamischen Multikontursitze mit Massagefunktion sind optional. Besonders komfortabel ist man auch dank der serienmäßigen Luftfederung Airmatic unterwegs. Hier hat der Fahrer die Wahl zwischen einer sportlichen oder komfortablen Einstellung. Neben dem Komfort will Mercedes zudem ein besonders hohes Sicherheitsniveau bieten. Dazu zählt der vorausschauende Brems-Assistent Plus.

Sternstunde der Sicherheit
Die neue Technik arbeitet wie folgt: Der vorausschauende Brems-Assistent nutzt zwei Radarsysteme, um die Verkehrslage vor dem Auto zu beobachten. Das Distronic-Radar wird durch ein Nahbereichsradar ergänzt, das im Winkel von 80 Grad das unmittelbare Umfeld vor dem Fahrzeug abtastet. Die Reichweite der Radarstrahlen beträgt 150 Meter, sodass vorausfahrende Autos rechtzeitig erkannt werden. Verringert sich der Sicherheitsabstand berechnet das System aufgrund der Radarinformationen, welche Bremskraftunterstützung in der jeweiligen Fahrsituation notwendig ist, um einen drohenden Auffahrunfall zu vermeiden. Diesen Bremsdruck kann der Autofahrer sofort beim Tritt auf das Bremspedal abrufen. Dadurch soll nach Aussage von Mercedes bei Unfallgefahr eine noch bessere Bremswirkung erzielt werden.

Pre-Safe verbessert
Übersteigt die Bremsverzögerung ein bestimmtes Niveau, schaltet sich automatisch auch der vorsorgliche Insassenschutz Pre-Safe zu, den Mercedes-Benz ebenfalls weiterentwickelt hat. So wird die künftige S-Klasse neben den bisherigen Pre-Safe-Funktionen wie Gurtstraffung und Sitzpositionierung auch mit neuartigen Multikontursitzen ausgestattet, deren Luftpolster in Kissen und Lehne sich bei drohender Unfallgefahr automatisch aufpumpen. Diese Polster umschließen die Insassen, stützen sie ab und vergrößern dadurch beim Aufprall den Abstand zur Türinnenverkleidung. Der Sidebag kann deshalb eine noch größere Schutzwirkung entfalten. Auch die Fondeinzelsitze werden mit aufblasbaren Stützpolstern in den Rückenlehnen ausgestattet.

Nachtsicht-Assistent schaut weiter
Ein neuartiger Nachtsicht-Assistent soll zudem das Unfallrisiko bei Nachtfahrten verringern. Das System funktioniert mit Infrarotlicht, das für das menschliche Auge unsichtbar ist und deshalb entgegenkommende Autofahrer nicht blendet. Zwei Infrarot-Scheinwerfer beleuchten die Fahrbahn und vergrößern die Sichtweite des Autofahrers bei eingeschaltetem Abblendlicht auf über 150 Meter. So macht der Nachtsicht-Assistent Fußgänger, Radfahrer, parkende Autos oder andere Hindernisse weitaus früher sichtbar. Eine Infrarotkamera an der Innenseite der Frontscheibe nimmt das reflektierte Bild der Straßenszene auf, die auf dem Display des Kombi-Instrumentes erscheint.

Schalthebel hinterm Lenkrad
Neben diesen neuen Sicherheitsfeatures wird die neue S-Klasse serienmäßig mit der 7G-Tronic ausgestattet. Bei der Siebengang-Automatik wird die Fahrtrichtung durch leichtes Antippen eines Hebels rechts an der Lenksäule gewählt. Entsprechend fehlt der bislang in der Mittelkonsole platzierte Automatik-Wahlhebel.

Zunächst drei Benziner und ein Diesel
Zum Marktstart im Herbst 2005 wird es die S-Klasse zunächst mit zwei Benzinmotoren geben: Den S 350 mit 272 PS und den S 500 mit 388 PS. Im ersten Quartal 2006 kommen dann außerdem die 231 PS starke V6-Dieselversion S 320 CDI und der S 600 mit 517 PS starkem V12-Motor. Alle Motorisierungen bieten deutlich mehr Leistung als beim Vorgänger. Der neue Achtzylinder mit 388 PS und 530 Newtonmetern ab 2.800 Umdrehungen soll den 100-km/h-Sprint nach nur 5,4 Sekunden absolvieren. Noch antrittsschneller dürfte wohl der 517 PS starke S 600 mit seinem ab 1.900 Umdrehungen anliegenden Drehmoment von 830 Newtonmetern sein. Bisher brauchte der 500 PS starke Vorgänger aus dem Stand 4,8 Sekunden bis Tempo 100.

S 350 ab 70.760 Euro
Zunächst bietet Mercedes ab Herbst 2005 die Modelle S 350 und S 500 an. Den S 350 wird es ab 70.760 Euro geben, den S 500 ab 89.668 Euro. Über die Preise der später erscheinenden Modelle gibt es von Mercedes derzeit noch keine Angaben. Vermutlich dürften sie aber rund 5.000 Euro teurer werden als die vergleichbaren Modelle der noch aktuellen S-Klasse. Es wird aber noch eine Motorisierung folgen, die sich preislich unterhalb vom S 350 bewegt.
(mh)

Bildergalerie: S kommt noch besser