Italiener weiter auf Blockade-Kurs

Bei der Sicherheit der europäischen Straßentunnel gibt es noch lange keine Entwarnung: Viele Röhrensysteme im Verkehrsnetz weisen erhebliche Defizite auf. Dies ist das Ergebnis des fünften ADAC Tunneltests, bei dem 25 Röhrensysteme in elf Ländern überprüft wurden.

Elf Röhren fallen durch
Lediglich drei Mal konnte die Note "sehr gut" vergeben werden, vier der Testkandidaten erreichten die Note "gut" und sieben Tunnel erhielten die Bewertung "ausreichend". Die restlichen elf Röhren mussten die ADAC-Tester entweder mit "bedenklich" oder sogar "mangelhaft" einstufen. Damit erfüllen 44 Prozent der getesteten Tunnel die Mindestanforderungen nicht.

Fehlende Fluchtwege
Schon bei kleineren Unfällen sind die Folgen in einem Tunnel sehr viel schwieriger beherrschbar, als auf einer normalen Straße. Die Tester beanstandeten unter anderem fehlende Fluchtwege und lückenhaften Brandschutz, schlechte Lüftung und mangelhaftes Verkehrsmanagement sowie unzureichende Kommunikationsmittel.

Sieger und Verlierer
Testsieger wurde der deutsche Weserauentunnel zwischen Porta Westfalica und Minden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen - ebenfalls mit der Bestnote - der Somport-Tunnel zwischen Zaragoza in Spanien und Pau in Frankreich sowie der Tunnel Pomy bei Yverdon in der Schweiz. Die beiden weiteren deutschen Tunnel in Hamburg (Elbtunnel, vierte Röhre) und München (Petueltunnel) landeten mit guten Bewertungen im vorderen Drittel der Tabelle. Der Testverlierer liegt auf der spanischen Insel Mallorca: Der 1997 eröffnete einröhrige Sòllertunnel bei Palma fiel in allen Bewertungskategorien durch.

Italiener weiter auf Blockade-Kurs
Auch in diesem Jahr hatten der ADAC und seine Testpartner aus den europäischen Partnerclubs Probleme, den italienischen Röhrensystemen auf den Zahn zu fühlen. Lediglich der Tunnel bei Franzensfeste auf der Brenner-Strecke, der ein "ausreichend" erhielt, wurde von den Betreibern zur Überprüfung zugelassen. Alle anderen Anfragen nach Tunneltests boykottieren die italienischen Behörden und Betreiber seit Jahren systematisch, obwohl gerade die Südrouten durch den Tourismusverkehr stark frequentiert sind.

Erfreuliche Entwicklung
Auch 2003 hat der ADAC wieder bei den Betreibern, deren Tunnel in den vergangenen vier Jahren getestet und mit der Note bedenklich oder mangelhaft bewertet wurden, nachgefragt. Das erfreuliche Ergebnis: Viel ist in Bewegung gekommen in punkto Sicherheit. Und nicht wenige Tunnel werden mit hohem Kostenaufwand saniert.

Die Ergebnisse im Detail finden Sie auf der folgenden Seite

Ergebnisse im Detail:
Deutschland
Elbtunnel (4. Röhre): gut (Hamburg)
Petueltunnel: gut (Stadttunnel in München)
Weserauentunnel: sehr gut (zwischen Porta Westfalica und Minden)

Österreich
Gleinalm: ausreichend (bei Graz)
Pfändertunnel: ausreichend (Zürich)
Perjen: ausreichend (südöstlich von Zürich)

Schweiz
Gorgier: gut (westlich von Zürich)
Milchbruck: bedenklich (Zürich)
Piumogna: bedenklich (A9 Richtung Mailland) Pomy: sehr gut (bei Yverdon)

Slowenien
Karawanken: ausreichend (vor Ljubljana)

Belgien
Waasland: mangelhaft (bei Antwerpen)

Niederlande
IJ-Tunnel: bedenklich (bei Amsterdam)
Maastunnel: mangelhaft (bei Rotterdam)

Frankreich
Norgent-sur-Mame: bedenklich (Paris)
Prado Caréngage: gut (bei Marseille)

Großbritannien
Blackwall Nord: mangelhaft (Stadttunnel in London)
Blackwall Süd: bedenklich (Stadttunnel in London)
Rotherhithe: bedenklich (London) Tyne: bedenklich (Newcastle)

Spanien
Sóller: mangelhaft (bei Palma Mallorca)
Somport: gut (südwestlich von Pau)

Norwegen
Ekeberg: ausreichend (Oslo)
Festnings: ausreichend (Oslo)
(pk)