Interview mit Matthias Heinz, Geschäftsführer Kia Deutschland

Kia hat im Jahr 2003 in Deutschland rund ein Drittel mehr Autos verkauft als 2002. Der Marktanteil beträgt 0,81 Prozent. Die Ein-Prozent-Hürde zu nehmen ist das große Ziel des weltweit boomenden Wirtschaftsunternehmens. Zu den ehrgeizigen Zielen in Deutschland lesen Sie das Interview mit Matthias Heinz, dem Geschäftsführer von Kia Deutschland in Bremen. Der 47-jährige Manager leitet seit Januar 2002 die deutsche Tochter des koreanischen Automobilherstellers.

Selbst Branchen-Größen wie der VW-Vorstandsvorsitzende Pieschetsrieder oder der Ferrari-Chef Luca di Montezemolo haben der Leistung von Kia öffentlich Anerkennung gezollt. Was hat Kia, was andere Wettbewerber nicht haben?

Matthias Heinz: Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern hat Kia seine Produkte verbessert, ohne gleichzeitig das Preis-Leistungs-Verhältnis zu verschlechtern. Mit anderen Worten: Es war nie günstiger als heute, einen Kia zu fahren. Hinzu kommt das sympathische Image der Marke. Kia wird als jung, dynamisch und unverbraucht gesehen. Zudem legen wir großen Wert auf guten Service und dies sowohl bezogen auf die Leistung des Händlers als auch auf unsere eigene Leistung in der Bremer Zentrale.

Der Kia-Absatz in Deutschland ist 2003 um 32 Prozent gestiegen, und europaweit ist keine Marke in diesem Jahr so schnell gewachsen wie Kia. Welches Absatz-Ziel setzen Sie sich für 2004?

Matthias Heinz: Wir wollen weiter wachsen und in diesem Jahr in Deutschland ein Prozent Marktanteil bei den Neuzulassungen realisieren. Dabei werden uns die attraktiven neuen Modelle helfen. Den Anfang machen der Kleinwagen Picanto, der kompakte Cerato sowie ein unter dem Sorento angesiedelter Geländewagen. 2005 wollen wir in den Segmenten, in denen Kia in Deutschland vertreten ist, einen Marktanteil von durchschnittlich 1,5 Prozent erreichen.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht der deutsche Markt in den kommenden Jahren entwickeln? Welche Segmente werden wachsen, welche schrumpfen?

Matthias Heinz: Dieses Jahr werden wir bereits eine Belebung des Marktes erleben, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Die derzeitige Situation ist doch die, dass das Durchschnittsalter des Fahrzeugparks überdurchschnittlich hoch ist. Dadurch wird eine Substitution im Markt erfolgen müssen. Die Steigerungen werden wir bei den freizeitorientierten Fahrzeugen wie den SUVs und bei den kompakten Vans erleben. Aber auch das Kompaktwagen-Segment, das die letzten Jahre einen Rückgang zu verzeichnen hatte, wird durch Produkterneuerungen wieder einen Aufschwung erleben. Andere Segmente wie die Mittelklasse oder große Vans werden dagegen eher stagnierende Volumen aufweisen.

Nach den USA ist Deutschland für Kia inzwischen der zweitgrößte Exportmarkt. Welche Position strebt die Marke hier langfristig an?

Matthias Heinz: Kia ist eine Marke, die in Deutschland noch viel Potenzial hat. So stehen wir mit dem Umbau der Modellpalette noch am Anfang. Mit dem Opirus und dem Sorento haben wir begonnen, 16 weitere neue Produkte beziehungsweise Derivate werden in den nächsten fünf Jahren folgen. Kia und seine Partner haben damit beste Chancen, den eingeschlagenen Wachstumskurs auch künftig fortzusetzen.

Was ist Ihre Zielgruppe? Oder anders gefragt: Wie sieht der typische Kia-Käufer aus?

Matthias Heinz: Ich möchte nicht über einen typischen Kia-Kunden sprechen, da wir hier keine Homogenität über die Baureihen hinweg haben. Ein Sorento, Opirus oder die Top-Versionen eines Carnival sprechen eine andere Kundengruppe an als die eines Rio oder Shuma. Unsere Zielsetzung für die Zukunft ist, unsere Kundengruppe mit unseren neuen Produkten emotionaler anzusprechen und in der Altersstruktur im Durchschnitt zu verjüngen. Das heißt auch in den jüngeren Zielgruppen viel stärker vertreten zu sein als heute.

Gerade bei Import-Marken ist die Qualität und Dichte des Service-Netzes sehr unterschiedlich. Wie weit hat es ein Kia-Kunde bis zur nächsten Vertragswerkstatt?

Matthias Heinz: Wir planen unser Händlernetz bis Ende 2004 so zu organisieren, dass wir dem Kunden mit einer maximalen Anfahrzeit von 45 Minuten Vertrieb und Service bieten können. Konkret planen wir 250 Handelspartner mit weiteren 150 angeschlossenen Vertriebspartnern sowie 70 reine Werkstattbetriebe. Wir haben derzeit zwei eigene Niederlassungen.

Sie arbeiten tagtäglich mit koreanischen Managern und Mitarbeitern zusammen. Wie unterscheidet sich die Mentalität - und was können Deutsche von Koreanern lernen?

Matthias Heinz: In unserem Unternehmen sehe ich es so, dass beide Seiten voneinander profitieren. Wir können sicherlich von unseren koreanischen Kollegen einiges in Bezug auf Problemanalyse und rationale Lösungsansätze lernen. Auf der anderen Seite bringen wir mehr die emotionalen Faktoren ins Spiel, die in diesem Geschäft sehr wichtig sind. Dadurch hat sich bei Kia mittlerweile eine sehr harmonische und fruchtbare Zusammenarbeit beider Nationalitäten ergeben.
(hd/sl)