VW forscht am ,unfallvermeidenden Auto"

Es passiert täglich hundertfach im Straßenverkehr: Eine Sekunde Unaufmerksamkeit oder die Fehleinschätzung einer Situation verursacht Sachschäden, verletzt Menschen oder fordert gar Leben. Zwar machen Airbags, Antiblockiersysteme, Bremsassistenten und elektronische Stabilitätsprogramme das Autofahren bereits heute sicherer als noch vor zwanzig Jahren. Doch in Zukunft werden noch viele andere elektronische Helferlein in den Autos gegen die menschlichen Schwächen ankämpfen. Wie viele andere Hersteller forscht auch Volkswagen an so genannten Fahrerassistenzsystemen: Das ,unfallvermeidende Auto" wird bei VW einige dieser Systeme aufweisen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Automatische Notbremse
Ein Abstandssensor liefert Informationen zur Entfernung von vorausfahrenden Fahrzeugen und Hindernissen. Kommt die Automatische Notbremse (ANB) zu dem Ergebnis, dass durch Bremsen die Folgen eines bevorstehenden Unfalls vermindert werden können, löst sie eine Vollbremsung aus und reduziert somit die Schwere des Unfalls.

Lane Departure Warning (LDW)
Nach einer Analyse der Volkswagen-Unfallforschung seien 18 Prozent aller Unfälle darauf zurückzuführen, dass der Fahrer von der Straße abkommt. Um dem entgegenzuwirken, hat VW ein bereits seriennahes System entwickelt: das Lane Departure Warning (Linienerkennung; LDW). Dieses Assistenzsystem erkennt bei vorhandenen Fahrbahnbegrenzungslinien durch im Fahrzeug integrierte Kameras die Position innerhalb einer Fahrspur. Weicht der Wagen von der Ideallinie zu stark ab, warnt das System den Fahrer vor dem Verlassen der Straße.

Aufmerksamkeitskontrolle
Bis zu 25 Prozent der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr sind laut VW auf Müdigkeit zurückzuführen. Das von den Wolfsburgern entwickelte System der Aufmerksamkeitskontrolle (AMK) will die Gefahr der Unaufmerksamkeit eliminieren. Eine Kamera erfasst permanent die Lidschlagdauer und -frequenz. Der Fahrer wird bei der Gefahr der Übermüdung frühzeitig auf eine zwingend notwendige Ruhepause hingewiesen.

Verkehrszeichenanlage
Tempolimits und deren Aufhebungen wechseln oftmals häufig hintereinander auf einer Strecke. Die von der Volkswagen Konzernforschung entwickelte Verkehrszeichenanzeige (VZA) wird hier eine neue Komfort- und Sicherheitsqualität bieten: Mittels des Systems werden die aktuellen Hinweise entlang der Autobahnen digital im Fahrzeugcockpit angezeigt.

Automatische Distanz-Regelung
Im VW Phaeton und im Audi A8 wird bereits jetzt eine Automatische Distanz-Regelung (ADR) eingesetzt, die den Abstand zum Vordermann konstant hält, aber erst ab einer bestimmten Geschindigkeit funktioniert. Die nächste Generation heißt ADR+F2S (F2S = Follow to Stop). Sie kann das Fahrzeug, falls erforderlich, automatisch hinter dem Vordermann bis zum völligen Stillstand abbremsen. Darüber hinaus sind eine Kollisionswarnung, das Bremsen vor einem stehenden Hindernis, die vorausschauende Kurvenerkennung und das leichte Abbremsen vor Kurven automatisiert möglich.

Integraler Fahrdynamikregler
Die Aufgabe des Integralen Fahrdynamikreglers (IFDR) ist es, alle aktiven Komponenten wie Antrieb, Bremse, Lenkung und Fahrwerk in jeder Situation aufeinander abgestimmt zu regeln. Anderes als bei heutigen Fahrdynamik-Systemen, die meist erst beim Ausbrechen des Autos eingreifen, wird hierbei der stabile Zustand kontinuierlich überwacht. Der Handling- und Komfortcharakter des Fahrwerks kann dabei mittels Knopfdruck, gesteuert über eine Software, von sportlich bis komfortabel variiert werden.

Assistiertes und automatisches Einparken
Mit dem von VW entwickelten System kann der Autofahrer sowohl assistiert (Assistiertes Einparken) wie auch automatisch (Automatisches Einparken) in Parklücken hineinfahren. Im Vorbeifahren werden die Dimensionen der Parklücke sowie mögliche Hindernisse erfasst. Nach dem Auswerten der Sensordaten berechnet das System automatisch den idealen Weg zum Parken des Autos. Im Folgenden startet der Fahrer per Knopfdruck die Einparkassistenz; das Auto fädelt im Rückwärtsgang in die Parkfläche ein.

Umfeldwahrnehmung
Bei dem Projekt der Umfeldwahrnehmung geht es darum, das komplette Fahrzeugumfeld (360 Grad) darzustellen. Die per Sensor ermittelten Daten dienen dazu, die Verkehrsumgebung und die augenblickliche Situation so zu erfassen, dass darauf aufbauende Fahrerassistenzsysteme Gefahren wie tote Winkel beim Einfädeln auf die Autobahn erkennen können.

Enhanced Night Version
Zum Bereich der Umfeldwahrnehmung gehört ein weiteres System: die Enhanced Night Vision. Hierbei handelt es sich um eine infrarotgestützte Einheit zur Erkennung von Fußgängern oder möglichen Gefahrenquellen. Ziel ist es, Fußgänger und deren Position und Entfernung zum Fahrzeug rechtzeitig zu erkennen, um dem Fahrer einen Hinweis auf deren Gefährdung mitzuteilen.
(hd)

Bildergalerie: Warnen, bremsen, parken