Ab 2012 könnten die ersten Serien-Mercedes mit Wasserstoff fahren

Auf der Tokyo Motor Show vom 19. Oktober bis zum 6. November werden auch deutsche Hersteller mit innovativen Ideen glänzen. Mercedes tut dies mit dem F 600 Hygenius: Einem Kompaktwagen mit Brennstoffzellen-Antrieb und vielen Technik-Highlights.

Völlig emissionsfrei
Das Prinzip der Brennstoffzelle basiert auf der chemischen Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff. Hierbei entsteht neben reinem Wasser auch Energie. Beim F 600 Hygenius beläuft sich die so gewonnene Leistung auf 82 PS, die über einen Elektromotor für Vortrieb sorgt. Wird nicht die volle Kraft der Brennstoffzelle benötigt, speichert eine leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterie den Überschuss. Bei hohem Energiebedarf schaltet das System Batterie und Brennstoffzelle zusammen, was zu einer Gesamtleistung von 115 PS führt. Das Drehmoment liegt bei 250 beziehungsweise 350 Newtonmetern. Der Verbrauch des Forschungsfahrzeuges soll bei umgerechnet 2,9 Litern auf 100 Kilometer liegen, was ihm zu einer Reichweite von 400 Kilometern verhelfen soll.

Verbesserte Technik
Die Brennstoffzelle des F 600 Hygenius ist rund 40 Prozent kleiner als bisher, soll effizienter arbeiten und sich durch ein gutes Kaltstartverhalten auszeichnen, so Mercedes. Dafür sorgen Innovationen wie die Neukonzeption der Brennstoffzellenstacks, ein elektrischer Turbolader und ein neues Be- und Entfeuchtungssystem.

Großes Platzangebot
Trotz der knapp 4,30 Meter langen Karosserie soll das Platzangebot im Innenraum die Dimensionen der Oberklasse übertreffen. Der Abstand zwischen den Vorder- und Fondsitzen beträgt fasst einen Meter und lässt sich dank verschiebbarer Fondeinzelsitze nochmals um bis zu 40 Zentimeter vergrößern.

Hohe Variabilität
Mit vielen Detaillösungen richtet sich das Forschungsfahrzeug vor allem an Familien. Das zeigen die kind- und familiengerecht konstruierten Sitze: Dank einer neuen Technik sind die Rückenlehnen des Beifahrersitzes und der Einzelsitze im Fond beidseitig nutzbar; sie lassen sich so nach vorne schwenken, dass auf den Sitzpolstern Isofix-Kindersitze entgegen der Fahrtrichtung eingeklinkt werden können. Zudem lassen sich die hinteren Sitze in Längs- und Querrichtung verschieben, sodass die hinten sitzenden Kinder während der Reise bequem vom rechten Fondsitz erreichbar sind.

Neu entwickelter Fahrersitz
Für den Fahrer hat Mercedes-Benz einen neuartigen Sitz entwickelt, dessen zweiteiliges Rückenpolster den Bewegungen des Oberkörpers folgt und in jeder Sitzposition die optimale Entlastung der Bandscheiben gewährleistet. Lehnt sich der Autofahrer beispielsweise im Sitz weiter zurück, schwenkt automatisch der untere Teil des Rückenpolsters nach vorne und stützt das Becken ab.

Rundumsicht
Kameras in den Gehäusen der Außenspiegel beobachten das Verkehrsgeschehen neben und hinter dem F 600 Hygenius, auch wenn das Forschungsfahrzeug parkt. Nähert sich ein anderes Auto oder ein Zweiradfahrer von hinten, blockiert das System automatisch für kurze Zeit die Türen, um beim Öffnen eine Kollision zu verhindern. Während der Fahrt überwacht das Videosystem den toten Winkel der beiden Außenspiegel und warnt den Fahrer beim Spurwechsel, wenn sich von hinten ein Fahrzeug nähert.

Zweiteilige Heckklappe
Die Heckklappe ist zweiteilig konstruiert und bietet dadurch ein Maximum an Funktionalität. Bei beengten Platzverhältnissen klappt sie während des Öffnens automatisch das untere Element nach innen, sodass sich der Schwenkbereich der Heckklappe deutlich verkleinert. Gleichzeitig bewegt sich der Heckstoßfänger nach unten und zieht die Bodenplatte des Kofferraums hervor, die dadurch leichter zu beladen ist. Auch die vorderen Türen des Forschungsfahrzeugs zeichnen sich durch eine Technik aus, die auf engstem Parkraum hohen Ein- und Aussteigekomfort bietet: Sie schwenken schräg nach oben und nehmen dabei weniger seitlichen Raum in Anspruch als herkömmliche Autotüren.

Neues Bedienkonzept
Um die Vielzahl von Funktionen des F 600 Hygenius schnell, intuitiv und sicher zu steuern, entwickelten die Mercedes-Ingenieure ein Bedienkonzept, das auf dem Prinzip der neuen Mercedes-Benz S-Klasse basiert. Auch beim Forschungsfahrzeug stehen besonders häufig genutzte Systeme wie Autoradio, Klimaanlage, Telefon und Navigation mittels eigener Taster in der Instrumententafel zur Verfügung. Sie sind für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen gut erreichbar.

Individuell für Fahrer- und Beifahrer
Der zentrale Dreh- und Drücksteller des Bedienfelds erkennt automatisch, ob er vom Fahrer oder vom Beifahrer berührt wird und ermöglicht so beiden Passagieren individuelle Klima-Einstellungen. Diese Benutzer-Erkennung basiert auf hautelektrischer Signalübertragung: Sobald der Beifahrer den zentralen Dreh-/Drückschalter berührt, schließt sich ein Datenkontakt zwischen dem Bedienelement und einer Sensormatte im Sitzpolster und schaltet die Displayanzeige auf die Einstellungen für die Beifahrerseite um.
Für erweiterte Bedienaufgaben fährt der für die S-Klasse entwickelte Comand-Controller aus der Armauflage zwischen den Vordersitzen hervor und ermöglicht einen bequemen Einstieg in die Menüsteuerung des Systems.

Spezielle Displays schonen die Augen
Die Darstellungen auf den beiden hochauflösenden Farb-Displays in der Instrumententafel werden über zwei Spiegel umgelenkt und so projiziert, dass sie optisch in einer Entfernung von 1,40 Meter vor dem Fahrer erscheinen. Der Grund für diese Entwicklung ist simpel: Die Augen des Autofahrers müssen bei dieser Technik nicht zwischen Nah- und Fernsicht adaptieren und ermüden deshalb nicht so schnell.

Multifunktions-Scheinwerfer
Scheinwerfer mit Hochleistungs-LEDs sollen die Sicht des Autofahrers bei Dunkelheit verbessern. Die LEDs sind auf drei Projektionsmodule verteilt: Das mittlere Lichtmodul wird je nach Fahrsituation geschaltet und übernimmt zusätzliche Aufgaben wie Fern-, Kurven- oder Abbiegelicht.

Erweiterte Sicherheitsmerkmale
Das präventive – also vor einem Unfall eingreifende – Insassenschutzsystem Pre-Safe, das 2002 in der Mercedes-Benz S-Klasse Weltpremiere feierte, haben die Ingenieure für den F 600 Hygenius weiterentwickelt. Ein aktiver Knieschutz, der den Beifahrer abstützt, und Kopfstützen mit automatisch ausfahrbaren Seitenwangen, die den Kopf fixieren, sollen die Zukunft des Sicherheitssystems zeigen.
(jk)

Bildergalerie: Mercedes in Tokio