Tresor-Ding sorgt für Aufsehen und leichtes Unverständnis

Manch kuriose Fahrzeugstudie veranlasst Auto-Ästheten zum angestrengten Stirnrunzeln: Was hat sich der Autobauer dabei eigentlich gedacht? Abenteuerlich, versponnen oder einfach nur absurd – so wirken viele Konzepte, die von Zeit zu Zeit auf die automobilen Laufstege geschickt werden. Doch alles Bisherige erscheint nahezu vernünftig im Vergleich zu dem, was Ford für die Detroit Auto Show 2005 mit dem Syn-Us angeschleppt hat. Dieses Konzept ist mit dem Prädikat durchgeknallt durchaus treffend umschrieben.

Zweckmäßig: Fiesta als Minivan
Zunächst mag die Umschreibung für den Syn-Us durchdacht klingen: Auf Basis des in Europa beliebten Kleinwagen Fiesta hat Ford USA einen kompakten Minivan für die Großstadt aufgebaut. Praktisch, variabel und mit kraftvollem Spardiesel – das klingt ganz und gar vernünftig. Doch der optische Auftritt des Syn-Us schlägt dem Fass den Boden aus: Das Ding sieht aus wie ein rollender Tresor.

Panzerglas und Schutzschilde
Dabei versteht Ford dieses Gefährt als durchaus nutzvolles Vehikel zur Rückeroberung der verwahrlosten Großstädte Amerikas. Vor allem die Ford-Heimat Detroit ist ein ganz besonders dramatisches Beispiel für den Verfall einiger US-Metropolen. Das Tresor-Design des Syn-Us ist nicht nur reiner Showeffekt. Die Fiesta-Festung wurde mit viel Sicherheitstechnik versehen. Wird der Syn-Us beispielsweise im Sicherheitsmodus geparkt, schieben sich automatisch Schutzschilde vor die Windschutzscheibe und die vorderen Seitenfenster. Die hinteren kleinen Seitenfenster und die Fenster auf dem Dach bleiben unverdeckt, bestehen dafür aber aus kugelsicherem Panzerglas. Der Kasten ist also eine sturmsichere Wagenburg.

Mega-Monitor
Die Hecktür, mit einem großen Drehkreuz zum Öffnen, sieht aus wie die Tür eines Tresors. Die wuchtig wirkende Pforte zum Fondabteil ist zudem fensterlos. Statt dessen befindet sich auf der Innenseite der Hecktür der größte jemals in ein Fahrzeug verbaute LCD-Flachbildschirm, so Ford. Auf diesem Bildschirm stellt während der Fahrt eine Heckkamera den Blick nach hinten dar. So lässt sich ohne Heckfenster der rückwärtige Verkehr im Innenspiegel beobachten. Darüber kann der Bildschirm zum Internetsurfen, als Kinoleinwand oder als Bildschirm für die zahlreichen Beobachtungskameras genutzt werden.

Gemütlich und praktisch innen
Der Syn-Us ist aber nicht nur Hightech-Beobachtungsposten, sondern außerdem ein wohnlicher und funktional gestalteter Minivan. Schön sind die edlen Materialien und die warmen Farben im Innenraum. Die zwei Einzelsitze vorne lassen sich in der Fahrzeuglänge verschieben und sogar um 180 Grad drehen. Die vorderen Passagiere können so sitzend auf den Bildschirm in der Hecktür schauen. Die für zwei Personen ausgelegte hintere Sitzbank ist komplett umgelegbar. So ist das Fondabteil auch als großer Gepäckraum nutzbar.

Fahrspaß gibt's auch noch
Angetrieben wird der Syn-Us von dem Zweiliter-Turbodiesel aus dem Ford Mondeo. Das 134 PS starke Aggregat mit 236 Newtonmeter Drehmoment soll auf Biodiesel eingestellt sein. So ist der rollende Sicherheitskasten auch noch umweltfreundlich unterwegs. Darüber hinaus verfügt der Syn-Us über das agile und kurvenfreudige Fahrwerk des Fiesta. Zusätzlich sorgen die erweiterte Spur und die 18-Zoll-Leichmetallfelgen mit 225er-Reifen für eine verbesserte Straßenlage – damit man auch wirklich sicher ums Eck kommt.
(mh)

Fiesta als Wagenburg