2006 feiert die italienische Automarke Jubiläum

Lancia feiert im Jahr 2006 einen runden Geburtstag: Am 29. November 1906 wurde die Firma gegründet, zwei Jahre später gab es das erste Auto. Das Unternehmen geht zurück auf Vincenzo Lancia, der 1881 in dem Ort Fobello im Piemont geboren wurde. Er war ein leidenschaftlicher Techniker und ein kreativer Perfektionist.

Typ 12 HP: Erstes Lancia-Auto
1908 stellte Lancia mit seinem Partner Claudio Fogolin in der gemeinsamen Werkstatt – der Lancia & C. Fabbrica Automobili im Turiner Vorort San Paolo – das erste Auto auf die Räder. Der Typ 12 HP, später Alpha genannt, hatte einen Reihenvierzylinder, der aus 2,5 Liter Hubraum 28 PS bei 1.800 Touren produzierte. Für die damalige Zeit war das eine Schwindel erregend hohe Drehzahl – und ein erster Hinweis auf Lancias Vorliebe für sportliche Antriebe.

1913 bereits 70 PS
Der Theta von 1913 brachte es mit seinem 4,9-Liter-Motor schon auf 70 PS. Er wurde per Pedaldruck mit einem elektrischen Anlasser gestartet, eine Batterie versorgte die Zündung und die Lichtanlage. Bei seinem Nachfolger, dem Kappa (1919), verlegte Lancia den Brems- und den Schalthebel von außen in den Innenraum; die Lenksäule ließ sich in drei Positionen einstellen.

Trikappa: Auch hinten Bremsen
1922 folgte der Trikappa. Er bremste als erster Lancia nicht nur die vorderen, sondern auch die hinteren Räder. Vor allem aber war sein Motor ein Geniestreich: Die beiden Zylinderbänke des 98 PS starken 4,6-Liter-V8 standen in nur 14 Grad Winkel zueinander und kamen deshalb mit nur einer oben liegenden Nockenwelle aus – ein exklusives Prinzip, das die Marke über Jahrzehnte hinweg immer wieder weiterentwickelt hat.

Lambda: Selbsttragende Karosserie
Unmittelbar nach dem Trikappa entwarf Vincenzo Lancia den Lambda. Statt des bis dato üblichen Kastenrahmens besaß dieser als erstes Fahrzeug ein selbsttragendes Chassis aus Pressstahl. Die Kardanwelle rotierte nicht mehr unter dem Boden, sondern in einem Tunnel. Diese Bauweise sorgte für niedriges Gewicht, hohe Verwindungs- und Crashsteifigkeit sowie für einen tiefen Schwerpunkt. Als Antrieb diente ein schmalwinkliger, hochdrehender V4, dessen Nockenwelle über eine Königswelle angetrieben wurde. Er leistete anfangs mit nur 2,1 Litern Hubraum 49 PS, später mit 2,6 Litern immerhin 69 PS.

Remarque: ,Grauer Puma"
"Design enthüllt das innere Wesen einer Sache", hat Vincenzo Lancia gesagt. Getreu dieser Maxime ließ er seine Fahrgestelle mit elegant geformtem Blech verkleiden, namhafte Karossiers wie Pinin Farina und Touring arbeiten für das Unternehmen. Mit den Luxusmodellen der 20er- und 30er-Jahre – dem Dilambda und dem Astura – etablierte sich Lancia als Luxusmarke. Greta Garbo, Marlene Dietrich, Max Schmeling, Ernest Hemingway und Erich Maria Remarque saßen in den Autos aus Turin. Der Autor Remarque nannte seinen Dilambda "grauer Puma" und beschrieb ihn so: "Ein Renner, der Zeit und Raum überstürmte."

Fünfgang-Getriebe ab 1939 in Serie
Gleichzeitig trieb Lancia die technische Entwicklung weiter voran, und zwar in den neuen kleineren Modellen. Bei der Aprilia (1937) waren die Bremsen und das Differenzial an der Hinterachse zu einem Block zusammengefasst, alle Räder waren einzeln aufgehängt, und das Karosseriedesign folgte in Ansätzen den Gesetzen der Aerodynamik. Die Ardea, 1939 aufgelegt, rollte in ihrer vierten Serie mit einem serienmäßigen Fünfgang-Getriebe aus dem Werk, und die Artena war ab 1940 mit hydraulisch betätigten Bremsen ausgestattet.

1948: Sohn Gianni übernimmt das Geschäft
Vincenzo Lancia erlebte die Erfolge seiner kompakten Modelle nicht mehr, er starb Anfang 1937 unerwartet an einem Herzanfall. Sein Sohn Gianni übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 die Leitung des Unternehmens. Zwei Jahre später präsentierte er die Aurelia. Sie trug als erstes Serienauto weltweit einen V6-Motor unter der Haube und das Getriebe saß in Transaxle-Bauweise an der Hinterachse. Aus der Urversion entwickelte sich rasch eine ganze Familie von Limousinen, Sportwagen und sogar Formel-1-Rennwagen, die über 300 PS leisteten. Als enthusiastischer Motorsportler gründete Gianni Lancia ein Werksteam. Als Kennzeichen trugen seine Autos einen kleinen blauen Elefanten – den "elefantino blu".

Flaminia: Rundum Scheibenbremsen
Auch in den 50er- und 60er-Jahren stellte Lancia technische Leckerbissen auf die Räder: Die Flaminia von 1957 hatte in ihrer zweiten Serie Scheibenbremsen rundum an Bord. Die 1960 erschienene Flavia besaß einen Vierzylinder-Boxermotor, der seine Kraft auf die Vorderräder abgab. Kurz nach seinem Debüt erhielt er eine mechanische Benzineinspritzung. Lancia galt in jenen Jahren als sportliche Nobelmarke und zählte Prominente wie Brigitte Bardot, Sophia Loren, Jean-Paul Belmondo, Gary Cooper, Marcello Mastroianni und Alain Delon zu seinen Fahrern.

1969: Fiat übernimmt die Firma
Das teure Motorsport-Engagement brachte das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage. 1969 übernahm Fiat die Firma. Damit schloss sich ein Kreis: Von 1899 bis 1910 war Vincenzo Lancia für die Turiner Marke erfolgreich als Test- und Werksrennfahrer unterwegs gewesen.

Lancia Thema: Ferrari-Motor bringt 240 km/h
Unter der Fiat-Regie schärfte Lancia sein sportliches Profil. Das Fulvia Coupe begründete in den späten 60er-Jahren die große Rallye-Tradition, die kompromisslosen Sportmaschinen Stratos (1973) und der 037 mit Kompressor-Aufladung (1982) holten die ersten WM-Titel nach Turin. Danach gewannen die allradgetriebenen Delta HF 4 WD und Integrale die Markenwertung sechs Mal. In der Serie setzten 1974 der Beta Montecarlo mit seinem Mittelmotor und später der Thema Akzente: Die Oberklasse-Limousine hatte als Modell 8.32 (1986) einen Dreiliter-V8 von Ferrari als Antrieb und war damit 240 km/h schnell.

Heute: Vier Modelle im Angebot
Heute versteht sich Lancia nicht mehr als sportliche, sondern als noble Marke in italienischer Tradition und zugleich als technologische Speerspitze im Fiat-Konzern. Zu den Hightech-Lösungen im Portfolio zählen die elektrische Parkbremse und das so genannte Skyhook-Fahrwerk mit adaptiver elektronischer Dämpfung. Beide Techniken finden sich in der großen Limousine Thesis. Zurzeit hat Lancia in Deutschland vier Modelle im Angebot: den Kleinwagen-Van Musa, den Kleinwagen Ypsilon, den Thesis und den Van Phedra.
(hd)

100 Jahre Lancia