Einparken leicht gemacht: In Zukunft soll die Technik diesen Vorgang übernehmen

Arzttermin: mit den Kleinen nachmittags in die Stadt, es ist kurz vor knapp. Und dann mit dem Van noch die passende Parklücke finden. Da wird eine frei, probieren wir`s - zu eng, es klappt nicht, also weitersuchen. Die Kinder quengeln, die Zeit wird knapp, Frust kommt hoch – wenn das doch leichter ginge!

Mehr Technik – weniger Arbeit für den Fahrer
Die Firma Heller möchte uns in Zukunft zumindest von diesen Sorgen befreien. Die passende Längsparklücke zu finden und zu nutzen, wird schon bald dank intelligenter Sensorik ganz einfach sein. Der elektronische Einparkassistent soll dem Fahrer komfortables und sicheres Einparken ermöglichen, auch in engen Längsparklücken. Beim Vorbeifahren vermisst ein Ultraschallsensor die Lücke. Ist sie groß genug, kann der Einparkvorgang gestartet werden. Der Fahrer bedient lediglich Gas- und Bremspedal. Die notwendigen Lenkeinschläge erfolgen automatisch. Hella bringt das elektronische Einpark-Assistenzsystem im Jahr 2009 in die Serie.

Gas geben und bremsen, der Rest geht von allein
"Das meiste Kopfzerbrechen beim Parken in Längsparklücken bereitet es, in der Hektik die Größe der Lücke richtig zu beurteilen", sagt Hella-Entwicklungsingenieur Thomas Ottenhues. Weniger geübte Fahrer lassen zudem Lücken aus, die eigentlich groß genug wären. Diese unangenehmen und stressigen Situationen soll der elektronische Einparkassistent von Hella ihren Schrecken nehmen. Sobald das System eine passende Parklücke erkennt, gibt es dem Fahrer ein Signal. Bestätigt er dies, je nach Systemauslegung durch Anhalten und Einlegen des Rückwärtsgangs oder per Knopfdruck, übernimmt der Assistent das Einparken. Der Fahrer legt die Hände in den Schoß, beobachtet den Verkehrsraum und steuert das Einparken durch Gas geben und bremsen. Nach wenigen Sekunden ist das Fahrzeug in einem Zug passgenau in die Lücke geglitten. Dann noch kurz vorfahren, und er steigt entspannt aus.



Selbst Bordsteine werden vom System berücksichtigt
Dies funktioniert, indem die Parklücke sozusagen scheibchenweise vermessen wird. Dabei wird die Länge und Tiefe der Parklücke unter Berücksichtigung von Bordsteinen bestimmt – die teuren Alufelgen danken es. Hat das System die Parklücke als geeignet bestimmt, erhält der Fahrer ein optisch-akustisches Signal. Um den Parkvorgang in einem Zug durchzuführen, berechnet das System, auf Basis der vom Sensor erstellten Umgebungskarte, den optimalen Weg. Mit Hilfe von Bahnen, deren Krümmung sich kontinuierlich im Laufe des Fahrwegs in die Parklücke ändern, stellt das System einen stetigen Winkelverlauf mit minimalen Lenkkräften sicher, sodass das Fahrzeug ohne Lenkbewegungen des Fahrers automatisch in die Parklücke hineinfährt.

Die Verantwortung liegt immer noch beim Fahrer
"Wichtig ist jedoch, dass der Fahrer nach wie vor die volle Verantwortung für den Einparkvorgang hat und durch Betätigen von Brems- und Gaspedal auch aktiv beteiligt ist", so Hella-Fachmann Ottenhues. Außerdem lässt sich der Vorgang durch einen Eingriff ins Lenkrad jederzeit abbrechen.

Deutlich erweiterte Eigendiagnose-Funktion
Das für die Automobilindustrie entwickelte System soll vor allem durch einen einfachen Aufbau überzeugen. Ein Sensor je Fahrzeugseite kommuniziert mit der zentralen Recheneinheit, dadurch lässt sich das System einfach in das Fahrzeug integrieren. Da die weiteren notwendigen Messdaten "Radgeschwindigkeit" und "Lenkwinkel" heute in der Regel ohnehin über ABS- oder ESP-Funktionen bereitgestellt werden, sind keine weiteren externen Sensoren notwendig. Der von Hella entwickelte Ultraschallsensor beinhaltet eine eigene Intelligenz, die es ermöglicht, die Umgebung situativ wahrzunehmen. Dadurch ist eine robuste und gegenüber herkömmlichen Park Distance Control (PDC)-Sensoren deutlich erweiterte Eigendiagnose sowie eine Unterscheidung von mehreren Zielen möglich, auch wenn diese hintereinander liegen.



Auch Hindernisse in Fahrtrichtung werden erkannt
Für die präzise Vermessung der Parklücken sorgt eine speziell für diese Anwendung optimierte astigmatische Ultraschallkeule mit hoher Reichweite, die einen großen Detektionsbereich in Abstrahlrichtung erzeugt, aber ebenso eine gute Lokalisierung von Hindernissen in Fahrtrichtung ermöglicht. Neben den Messdaten "Radgeschwindigkeit" und "Lenkwinkel" ist die elektrische Lenkung (EPS = Electrical Power Steering) eine weitere Voraussetzung für das systemgesteuerte Lenken. Aber auch ohne EPS ist geführtes Einparken möglich. Dabei berechnet das EPA-System Lenkhinweise aus den Daten der EPA-Sensoren und des Fahrzeugs. Sie werden dem Fahrer über optische und akustische Signale mitgeteilt, damit er selbst steuern kann.
(cn)

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