Das neue Verkehrszentrum des deutschen Museums ist jetzt komplett

Weil der Mensch schwach, klein und langsam ist, hat das Deutsche Museum jetzt die Hallen I und II seines Verkehrszentrums eröffnet. In einer interaktiven Show kann jeder erleben, wie menschliche Wesen mit der Zeit immer besser die Tatsache überwunden haben, dass sie zu Fuß in einer Stunde gerade mal fünf Kilometer zurücklegen können. Und mit zwei Händen lassen sich zudem nicht gerade sonderlich große oder schwere Lasten schleppen. Aber der Mensch ist schlau und ein Freund davon, Probleme technisch zu lösen.

Ohne Verkehr läuft nichts
Eine wichtige Grundla-ge aller Gesellschaften: Verkehr. Mobilität gehört untrennbar zum menschlichen Überleben. Immer dichtere Städte und steigende Bevölkerungszahlen stellen das Mobilsein im Moment vor eine immense Herausforderung. Vor allem die Vernetzung aller zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel wird hierbei zum Knotenpunkt der Betrachtung. Und genau diese ganzheitliche Betrachtung rückt das Verkehrszentrum des Deutschen Museums in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Sämtliche Objekte und Technologien sollen in ihren systemischen und kulturellen Zusammenhängen in Erscheinung treten.

Drei Hallen
In insgesamt drei hellen Hallen wird das Thema Verkehr vielschichtig beleuchtet. Dabei geht es in Halle I um eines der drängendsten Probleme unserer Zeit: Den Stadtverkehr. Halle II beschäftigt sich da schon mit einer vom Gefühl her angenehmeren Thematik: Fernreisen. Und in der schon seit 2003 für Besucher geöffneten Halle III geht es um Mobilität und Technik.

Statt Verkehr? Stadtverkehr
Halle I ist voll. Voll mit dem, was sich so an mobilen technischen Errungenschaften durch die Häuserschluchten der urbanen Wirklichkeit drängt. Von der Mofette bis zum ausgewachsenen Linienbus kämpfen Chaos und Ordnung um Selbstorganisation. Gerade die Vorläufer heutigen öffentlichen Personennahverkehrs geben ein lebendiges Stelldichein. Die Entwicklung zu heutigen Nahverkehrsmitteln erschließt sich quasi ganz von selbst. Das ist der Blick in die Vergangenheit. Wer nach vorn schaut, sieht sich mit bohrenden Fragen konfrontiert: Lässt sich Verkehr noch planen? Wie viel Verkehr verträgt unsere Umwelt? Wie tief kann Verkehr in die Erde eindringen? Und was haben Pendler in Delhi und München gemeinsam? Eine nicht zu unterschätzende Metapher: Über allem schwebt ein echter Rettungshubschrauber.

Kampf der Strapaze
In Halle II sind Menschen nun mal gerne unterwegs. Zunächst per pedes auf kurzen Strecken, seltener mal auf langen Pilgerreisen. Irgendwann half dabei der Holzkarren, damals ein fortschrittliches High-Tech-Produkt. Zudem wurde ein Haufen Tierarten gezwungen, ihre Muskelkraft für den menschlichen Transport einzusetzen. Auf der Suche nach Energiequellen blieb dem Menschen natürlich auch nicht die Kraft des Windes verborgen. Auf Schiffen konnte diese später durch Dampf aus Kohlekesseln ersetzt werden. Heute sind es Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin, die der Welt Beine machen. Elektrischer Strom treibt den in Halle II befindlichen Triebwerkskopf des ICE-V an. Die Geschichte geht vom reiselustigen Römer über die erste kontinentale Pferdebahn namens Hannibal bis zu den Pauschalreisen des Jetzt. Auch hier gibt es Antworten auf teilweise ungestellte Fragen, wie zum Beispiel: Was haben Bahnhöfe und Kirchen gemeinsam? Wie wurde Reisen Teil des Lebensstils? Und welche Reisekultur ist an bestimmte Verkehrsmittel gebunden?

Grenzen sprengen
Halle III zeigt Grenzen auf. Die engen biologischen Grenzen, denen die natürliche Bewegungs- und Transportmöglichkeit des Menschen unterliegt, konnte dieser nicht akzeptieren. Schon früh begann er damit, seinen Bewegungsradius zu erweitern. Die für diesen Zweck konzipierten Apparate wurden mit der Zeit immer komplizierter. Mit wachsenden technischen Möglichkeiten ging es nicht mehr nur um die Notwendigkeit des Transportes, sondern auch um die Lust an der schnellen Fortbewegung. Aber funktioniert das Prinzip ,Schneller-Größer-Stärker" ewig? In Zeiten sich verknappender Ressourcen und steigender Umweltbelastung ist hier ein differenzierter Blick angebracht. Die hier unter anderem beantworteten Fragen: Was hat die Geschichte der Schlitt- und Rollschuhe mit der Lust an Bewegung zu tun? Auf welchen Grundlagen fußt die moderne Fahrzeugtechnik? Und was machte eigentlich den Misserfolg des stromlinienförmigen Rumpler-Tropfenwagens aus?

Wo, Wann, Wie viel?
Geöffnet ist täglich von neun bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, mit Ermäßigung werden drei Euro fällig. Die Adresse der heiligen Hallen: Deutsches Museum, Verkehrszentrum, Theresienhöhe 14a, 80339 München, Tel.: 089-500 806, www.deutsches-museum.de.
(gh)

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