Heckmotor-Kleinwagen war der Start in ein neues Renault-Zeitalter

Im Jahr 2007 feiert Renault ein besonderes Jubiläum: Vor 60 Jahren kam der 4 CV erstmals auf den Markt. Blicken wir zurück ins Frankreich in der Mitte der 1940er-Jahre: Es fehlte an allem: Arbeitskräften, Rohstoffen, Geld. Auch Renault blieb von den Kriegsfolgen nicht verschont. Das Stammwerk Billancourt lag in Trümmern. Der französische Staat als neuer Eigentümer wollte das Unternehmen als reinen Nutzfahrzeugproduzenten weiterleben lassen. Doch der von der Regierung eingesetzte Firmenpräsident Pierre Lefaucheux hatte andere Pläne: Ein Kleinwagen, zu niedrigen Kosten in Massenproduktion gefertigt, sollte das Land mobilisieren und Renault wieder als Hersteller von Personenwagen etablieren.

,Katschewo" und ,Cremeschnittchen"
Das geeignete Fahrzeug dafür hatte Renault bereits in der Hinterhand: den Prototypen eines während des Zweiten Weltkriegs in aller Heimlichkeit konstruierten Heckmotormodells. Renault Chef Lefaucheux ließ das 4 CV (vier Steuer-PS) getaufte Automobil weiterentwickeln und stellte es im Oktober 1946 auf dem Pariser Automobilsalon aus. Die Öffentlichkeit fand schnell den Spitznamen ,Katschewo" (quatre Chevaux = vier Pferdestärken). Die cremegelbe Farbgebung der Vorserienwagen mit Lack aus den erbeuteten Beständen des ehemaligen deutschen Afrikakorps brachte ihm noch einen weiteren Namen ein: ,Cremeschnittchen".

So groß wie der neue Twingo
Die viertürige Limousine war mit 3,61 Metern fast auf den Zentimeter so lang wie der kommende Renault Twingo. Sie bot vier Erwachsenen Platz und hatte einen akzeptablen Kofferraum. In Zeiten rationierten Kraftstoffs war der Verbrauch besonders wichtig: Der 17 PS starke und 760 Kubikzentimeter große Heckmotor benötigte nur sechs Liter Sprit pro 100 Kilometer. Die Kraftübertragung an die Hinterräder übernahm ein robustes Dreigang-Schaltgetriebe. Das Heckmotorprinzip ermöglichte eine gute Traktion auch auf den damals häufig noch unbefestigten und schlechten Straßen.

1947: Die Serienfertigung startet
Das Konzept kam an: Im August 1947 startete die Serienfertigung, im daurauf folgenden Oktober kamen die ersten Fahrzeuge auf den Markt. Schon bald mussten sich die Kunden trotz ansteigender Produktionszahlen auf lange Lieferfristen einstellen. Am 8. April 1954 feierte Renault im Pariser Palais de Chaillot den 500.000sten ,Katschewo".

Auch mit Faltdach
Ab 1949 war der 4 CV in der Frischluftversion ,Décapotable" mit großem Faltdach erhältlich. Ein Jahr später debütierte der ,Grand Luxe" mit Velours-Ausstattung und der leistungsgesteigerten 21-PS-Maschine. Für gewerbliche Kunden gibt es den ,Commerciale" ohne Rücksitze und mit blechverkleideten Fondfenstern. Um das ,Cremeschnittchen" für einen breiteren Kundenkreis erschwinglich zu machen, legte der Hersteller die spartanische Basisversion ,Affaires" auf und führt 1954 ein Finanzierungssystem ein, den ,4 CV Sparkredit".

Produktionsort Spanien
Auch im europäischen Ausland, Japan und den Vereinigten Staaten kam der kleine Renault gut an. Rund ein Fünftel der Produktion gingen in den Export. Um der Nachfrage gerecht zu werden, richtete Renault im spanischen Valladolid einen weiteren Fertigungsstandort für den 4 CV ein. Der japanische Nutzfahrzeughersteller Hino Diesel fertigt den Kleinwagen ab 1953 unter eigenem Namen als Rechtslenker in Lizenz. Der 4 CV machte im Land der aufgehenden Sonne vor allem als Taxi Karriere. Die starke Nachfrage in den USA konnte Renault zunächst nicht erfüllen. Als der französische Automobilhersteller mit der Dauphine über den Atlantik drängte, kann allerdings auch das ,Cremeschnittchen" davon profitieren. Immerhin 15.000 Fahrzeuge gelangten 1959 nach Amerika.

Rennversion mit 32 PS
Im seriennahen Rennsport macht der auf 32 PS frisierte ,Katschewo" eine gute Figur. In der Hand kundiger Piloten wird er unter anderem Klassensieger bei der Mille Miglia, der Rallye Monte Carlo und den 24 Stunden von Le Mans.

1961: Abschied vom 4 CV
1957 gönnte Renault dem 4 CV nochmals eine Überarbeitung. Der auf 747 Kubikzentimeter Hubraum verkleinerte Heckmotor leistete dann in der Basisversion 21 PS und ermöglichte es dem Kleinwagen, die 100-km/h-Marke zu knacken. Ende 1958 erreichte der 4 CV als erstes Modell der Marke die Grenze von einer Million Einheiten. 1961 kam nach 14 Jahren das endgültige Aus: ,Katschewo" Nummer 1.105.543 ist gleichzeitig der letzte.

Bildergalerie: ,Cremeschnittchen" feiert