Das Anti-Schleuder-System könnte Tausende von Leben retten

Das Anti-Schleuder-System ESP kann jeden fünften tödlichen Verkehrsunfall verhindern. Dennoch ist das Sicherheitssystem in Europa noch längst nicht flächendeckend eingeführt. Dies ergaben Untersuchungen des EuroNCAP-Gremiums. Die europäische Organisation EuroNCAP (European New Car Assessment Programme) bringt europäische Verkehrsministerien und Automobilclubs an einem Tisch zusammen und wurde vor allem durch die gleichnamigen Crashtests bekannt.

Abbremsen einzelner Räder
ESP kam vor etwa zehn Jahren auf den Markt, wobei die Mercedes S-Klasse den Vorreiter spielte. Mithilfe von Sensoren erkennt das System rechtzeitig, wenn ein Fahrzeug ins Schleudern kommt. In Sekundenbruchteilen bremst die elektronische Steuereinheit einzelne Räder ab. Dadurch wird sowohl dem Übersteuern wie dem Untersteuern des Fahrzeugs entgegengewirkt. Das ESP vergleicht permanent den am Lenkwinkel erkennbaren Fahrerwunsch mit dem Fahrzustand. Motormanagement, die ABS-Drehzahlsensoren und ein so genannter Gierratensensor liefern den Input für den Fahrzustand. Wenn eine wesentliche Abweichung des Fahrzustandes vom Fahrerwunsch festgestellt wird, greift das System ein. Ein Übersteuern wird durch Abbremsen des kurvenäußeren Vorderrades, ein Untersteuern hingegen durch Abbremsung des kurveninneren Hinterrades korrigiert. Zusätzlich kann ESP auch die Motorleistung drosseln, um die Fahrzeuggeschwindigkeit zu verringern.

Weniger Unfälle durch ESP
Ob die Schleudergefahr durch ein Ausweichmanöver oder durch eine Fehleinschätzung entsteht – ESP hilft dem Fahrer, das Auto unter Kontrolle zu behalten. Das System unterstützt also nicht nur Fahrer, die zu schnell in die Kurve brausen. Nach verschiedenen Studien werden mit Stabilitätsprogramm ausgestattete Autos seltener in Unfälle verwickelt als Autos ohne das Sicherheitssystem, so EuroNCAP.

In Malta und Irland am seltensten
Was das Angebot an Fahrzeugen mit ESP angeht, so gibt es in Europa von Land zu Land große Unterschiede. Nach der EuroNCAP-Untersuchung sind die Autos in Großbritannien, den Niederlanden, in Griechenland, Malta und Irland am seltensten mit dem Sicherheitssystem ausgestattet. In Dänemark, Schweden und Deutschland ist ESP am häufigsten an Bord. Nach Daten des ADAC sind in Deutschland rund 71 Prozent der Pkw-Neufahrzeuge serienmäßig mit Stabilitätsprogramm ausgestattet. Bei 14 Prozent der Modelle gibt es das System gegen Aufpreis. 15 Prozent der Neuwagenkäufer müssen noch auf das elektronische Fahrsicherheitsprogramm verzichten, weil der Hersteller es nicht anbietet. Das sind in der Regel ausgerechnet Modelle der kleineren und kleinsten Klasse, die häufig von jungen Fahranfängern gefahren werden, so der ADAC. Bei Kleinwagen beträgt der ESP-Anteil nur dreißig Prozent, bei Kleinstwagen sogar nur 15 Prozent. Besser sieht es bei größeren Pkw aus. In der Golfklasse haben immerhin 72 Prozent der Autos ein Stabilitätsprogramm.

Lebensretter ESP