Showtime am Wörthersee: 325-km/h-Bolide sprintet in 3,7 Sekunden auf 100 km/h

Ein Zwölfzylinder in einem Kompaktwagen? Das gibt's ja nicht. Unsere erste Reaktion auf den GTI W12-650 hat ihren Grund auch in den Platzverhältnissen: Wie will man so ein Monstrum im VW Golf unterbringen? Doch nun wurde ein solches Auto beim alljährlichen GTI-Treffen am Wörthersee (16. bis 20. Mai 2007) vorgestellt. Der Bolide ist als reines Showcar für die Veranstaltung konzipiert. Nie war ein Golf stärker, nie breiter, nie schneller. Der Name W12-650 ist Programm: W12 steht für einen Zwölfzylinder in W-Form, also ein Aggregat aus zwei ineinander geschobenen V6-Motoren. Die Zahl danach bringt die Motorleistung von 650 PS zum Ausdruck.

3,7 Sekunden, 325 km/h, 750 Newtonmeter
Ganz leicht war es wohl nicht, den 6,0-Liter-Biturbo im rund 4,20 Meter langen Golf unterzubringen. Jedenfalls wurde der Motor hier längs direkt hinter Fahrer und Beifahrer eingebaut. Der GTI wandelt sich so zum klassischen Mittelmotorsportwagen. Ein Sechsgang-Automatikgetriebe leitet die Kraft von maximal 750 Newtonmetern nicht wie beim Golf üblich an die Vorderachse oder an alle Räder, sondern an die Hinterachse. Dieser Antrieb katapultiert den GTI in 3,7 Sekunden auf 100 km/h. Wer auf dem Gaspedal bleibt, den trägt der Biturbo bis zur Marke von 325 km/h. Damit enteilt der W12-650 fast allen anderen Autos dieser Welt.

1,88 Meter Breite, 235er-Reifen vorn, 295er hinten
Auch an der Karosserie ändert sich einiges gegenüber dem normalen GTI. So ist die W12-Version mit 1,88 Metern deutlich breiter als die Serie. Die Höhe nahm auf 1,42 Meter ab. Vorne werden 235er-Reifen im 19-Zoll-Format aufgezogen, hinten sind es gar 295er-Pneus. Sie werden auf Leichtmetallräder im Design der glanzgedrehten GTI-Felge ,Detroit" eingesetzt – hier allerdings aufgrund der gigantischen Reifendimensionen in Richtung Radnabe ,geschüsselt" und eigens angefertigt. So liegt der Lochkranz mit den Radmuttern weitaus tiefer als der Felgenkranz.

70 Millimeter tiefer, 160 Millimeter breiter
Die Achsen wurden sieben Zentimeter weiter in die Karosserie geschoben; die Ausschnitte der Radhäuser und die gigantischen Radläufe werden so wie bei einem Coupé zu Bestandteilen der Schulterpartie. VW- Chefdesigner Klaus Bischoff: ,Hinten ist das Showcar auf jeder Seite um 80 Millimeter breiter. Die Karosserie des GTI steckt das aber locker weg. Wir haben hier ja schon beim Serienmodell eine starke Schulterpartie. Die konnten wir wie bei einem Sportwagen noch stärker nach außen ziehen."

Trotz allem noch als GTI erkennbar
70 Millimeter tiefer und 160 Millimeter breiter – wer die Unterschiede zur Serie in Breite und Höhe nachrechnet, kommt auf etwas andere Werte. Dies ist laut VW-Pressesprecher Christian Buhlmann auf die Einbeziehung der Außenspiegel beziehungsweise der Haifisch-Antenne zurückzuführen. Die Fans werden sich daran kaum stören. Für die ist wesentlicher, dass das Monster-Auto immer noch ein GTI bleibt. Aus diesem Grund wurden ansonsten möglichst viele Teile aus der Serie übernommen. Dazu gehören die Scheinwerfer, die aufgrund der breiten Seitenschweller neu aufgehängten Türen, die Fronthaube und die Rückleuchten.

C-Säulen für die Motorkühlung
,Unsere größte Herausforderung war es", so Bischoff, ,den Sechsliter-Mittelmotor mit ausreichend Luft zu versorgen, ohne dabei die Silhouette des GTI zu verwässern. Das stärkste Golf-Design-Element sind die C-Säulen. Genau an dieser Stelle brauchten wir aber Strömungskanäle für die Motor-Kühlluft. Deshalb wurden die C-Säulen kurzerhand so umfunktioniert, dass sie die Luft zum Motor leiten. Wir haben dabei einfach die hinteren Seitenscheiben nach innen laufen lassen. So entstanden zwischen den Scheiben und den C-Säulen links und rechts zwei Kanäle, durch die Luft zum Motor strömt. Den Rest holen wir uns vorn durch den riesigen Kühler und hier angeschlossene Kanäle sowie seitlich in den Lufteinlässen der Schweller."

Kohlefaserdach ist ein Diffusor
Bei einem derart schnellen Wagen musste für ausreichend Abtrieb an der Hinterachse gesorgt werden. Einen riesigen Heckflügel wollten die Designer aus ästhetischen Gründen aber nicht auf den Wagen setzen. Klaus Bischoff: ,Dieser GTI trägt den Flügel nach innen. Das Dach ist Teil eines riesigen Diffusors, der für ausreichend Abtrieb an der Hinterachse sorgt. Es besteht aus Kohlefaser und leitet die Luft so über und unter dem Heckspoiler hindurch, um einen Anpressdruck wie im Motorsport zu erzielen." Vorn bekam der GTI W12-650 gewaltige Lufteinlässe, und hinten rahmen zwei verchromte Doppelendrohre den Luftauslass ein.

Interieur mit Rennsport-Ambitionen
Im Interieur würde sich jeder GTI-Fahrer auf Anhieb zurecht finden, verspricht VW. Neu gestaltet wurden die Leder-Alcantara-Bezüge der Schalensitze. Drei runde Zusatzinstrumente im mittleren Bereich der Armaturen erinnern ebenfalls an den Ur-GTI. Aus dem Rennsport übernommen wurden die transparenten Flip-up-Schalterabdeckungen für Zentralfunktionen wie das abschaltbare ESP. Um Fehlbedienungen zu vermeiden, werden die transparenten Abdeckungen vor dem Aktivieren der jeweiligen Schalter zuerst mit dem Zeigefinger hochgeflippt. Ebenfalls an den Rennsport erinnert der anstelle des Handschuhfaches integrierte Feuerlöscher. Aus Gewichtsgründen komplett weggelassen wurden die Türverkleidungen. Hier kommen lediglich Gitter zum Einsatz, die ganz bewusst Einblick in das Innenleben der Türmechanik gewähren.

Bildergalerie: Golf mit Zwölfzylinder