Beim ADAC-Test vom Dach gefallene Box soll laut Hersteller in Ordnung sein

Dass Hersteller, die bei Produkttests durchfallen, sich nicht gerade freuen, ist verständlich. Und so fechten sie diese Tests immer einmal wieder an. So auch beim soeben durchgeführten Dachboxen-Test des ADAC. Acht verschiedene Dachboxen zum Transport von Skiern wurden von dem Automobilclub untersucht. Ergebnis: Die Atlantis-780-Box vom Hersteller Thule schnitt mit ,mangelhaft" ab. Das teuerste Modell im Test riss nämlich komplett vom Dach ab. Die zweite Box von Thule, die Ocean, bekam immerhin die Note ,befriedigend". Nun reagiert Thule auf das Resultat – nicht indem der Hersteller seine Produkte nachbessert, sondern mit einem Gegengutachten.

Erneuter TÜV-Test
Die Firma lässt ihre Dachboxen vor der Markteinführung vom TÜV Süd testen. Dabei hätten die Boxen immer gut abgeschnitten, so Thule. Dachboxen mit dem Befestigungssystem der Atlantis-Box wurden bisher zehnmal in Crashtests geprüft, ohne dass die Befestigungsklauen außen Schäden aufwiesen oder gar eine Dachbox das Dach verlassen hätte, erklärt der Hersteller. Auf das ADAC-Testergebnis hin ließ Thule die Atlantis- und die Ocean-Box erneut beim TÜV testen. Dabei verwendeten die Tester sogar härtere Bedingungen als der ADAC: Während der Automobilclub die Boxen nach Herstellerangabe belud, überluden die TÜV-Experten die Boxen jeweils mit etwa 25 Prozent. Wie beim Automobilclub wurde der Crash bei 30 km/h durchgeführt.

Zweifelhaftes Ergebnis
Das Ergebnis des erneuten Tests laut Thule: Beide Boxen bestanden den Test mit Überlast erfolgreich. Doch ein Blick in den TÜV-Testbericht ergibt ein anderes Bild. Bei der Atlantis notiert der TÜV: ,Der hintere Befestigungsgurt ist gerissen, ein Ski ragt aus der Box". Auch bei der Ocean ist das Ergebnis nicht optimal: ,Der mittlere Verschlusshaken ist ausgerissen." Demnach wurde keine Box vom Dach gerissen, aber wie ein erfolgreicher Produkttest liest sich der TÜV-Bericht auch nicht.

Thule zweifelt weiter
Das Ergebnis des ADAC-Tests bleibt für Thule nicht nachvollziehbar. Der schwedische Hersteller kann nicht glauben, dass eine nach Montageanleitung montierte Dachbox wie die Atlantis oder die Ocean bei einem Crashtest versagen kann. Thule vertritt die Ansicht, dass hier eine Ungereimtheit besteht und zweifelt die ordnungsgemäße Durchführung der Tests an.

Testsieger Kamei ist zufrieden
Mit dem ADAC-Test zufrieden kann dagegen Kamei sein, ein anderer Dachbox-Hersteller. Nur zwei der acht getesteten Boxen erreichten die Note gut. Den City-Crash-Test überstand die Corvara 310 von Kamei als einzige unbeschadet. Als weitere Stärken hob der ADAC die einfache Montage, die Wasserdichtigkeit, die gute Verarbeitung und die robuste Bauweise hervor. Die Corvara-Dachboxen gibt es neben der getesteten Variante noch mit 475 Litern Fassungsvermögen, und neu als 1,90 Meter kurze und 390 Liter fassende Kompaktversion. Diese eignet sich speziell für den Transport von den in der Regel maximal 1,80 Meter langen Carving-Skis. Durch die kompakten Abmessungen dieser Corvara 390 K lässt sich auch bei Fahrzeugen der Golf-Klasse die Heckklappe vollständig öffnen. Außerdem ragt die Box bei kleinen Autos nicht mehr so stark über die Dachlinie hinaus.
(sl)

Bildergalerie: Dachboxen-Ärger