Murciélago LP640: Durch mehr Hubraum wurde der V12 um 60 PS stärker

Lamborghini präsentiert auf dem Genfer Autosalon (2. bis 12. März 2006) den Murciélago LP640. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Motorposition (,longitudinale posteriore", also hinten längs) sowie auf die Leistung von 640 PS. Der LP640 stellt den Nachfolger des Murciélago dar. Das alte Modell, das seit Herbst 2001 auf dem Markt ist, wird noch eine Zeit lang parallel verkauft.

Asymmetrisches Design
Insgesamt wirkt der Murciélago LP640 noch etwas aggressiver als das alte Modell. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten neue Stoßfänger an Front und Heck. Im hinteren Stoßfänger findet sich ein neuer Heckdiffusor, in den das Auspuffrohr integriert ist. Ebenfalls neu sind die Heckleuchten. Bemerkenswert ist das asymmetrische Design der Seitenpartien: Während der rechte Schweller hinter der Lufteinlassöffnung nahezu geschlossen ist, gibt es an der linken Seite eine große Öffnung zur Entlüftung des Ölkühlers. Auf Wunsch ist ab sofort auch eine Motorhaube mit transparenten Lamellen aus Glas erhältlich, sodass man den Motor nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Weitere Modifikationen betreffen die Außenspiegel mit einer besseren Aerodynamik, den Scheibenwischer und neue Aluräder.

60 PS mehr unter der Haube
Die wichtigste Neuheit ist jedoch der Motor, der nun 640 statt 580 PS leistet. Dies wurde erreicht, indem der Hubraum des 60-Grad-V12-Triebwerks von 6,2 auf 6,5 Liter vergrößert wurde. Die Höchstleistung wird bei 8.000 U/min erreicht. Das maximale Drehmoment von 660 Newtonmetern liegt bei 6.000 Touren an. Während der alte Murciélago nur die Euro-3-Abgasnorm schaffte, hält der Nachfolger die Euro-4-Norm ein. Dazu musste der Motor komplett überarbeitet werden. Der Zylinderkopf ist ebenso eine Neukonstruktion wie der Ansaugtrakt, die Kurbelwelle, die Nockenwellen sowie die Abgasanlage.

In 3,4 Sekunden auf Tempo 100
Den Standardsprint von null auf 100 km/h erledigt der Murciélago LP640 in 3,4 Sekunden – das sind 0,4 Sekunden weniger als der Vorgänger benötigte. Auch der Drehmomentverlauf soll sich durch eine kontinuierlich variable Ventilsteuerung (ansaug- und abgasseitig) und einem Motormanagement mit Drive-by-Wire-System verbessert haben. Um den höheren thermischen Anforderungen des Motors gerecht zu werden, wurde der Ölkühler vergrößert. Nach außen dokumentiert dies ein vergrößerter Lufteinlass an der linken Fahrzeugflanke. Unverändert dagegen blieb die Flüssigkeitskühlung mit VASC-System (variable geometry air inlet system). Je nach Außentemperatur und Kühlluftbedarf öffnen sich elektronisch gesteuert zusätzliche Hutzen.

Angepasstes Getriebe
Mehr Leistung und mehr Drehmoment bedeuten auch höhere Anforderungen für die Antriebskomponenten. Deshalb wurden das Sechsgang-Getriebe, das Heckdifferenzial und die Halbachsen angepasst. Auf Wunsch steht auch das automatisierte Schaltgetriebe E-Gear mit neu abgestimmtem Thrust mode (Beschleunigungsprogramm) zur Verfügung. Wie der Vorgänger verfügt der neue Murciélago über einen permanenten Allradantrieb. Im Normalfall wird die Antriebskraft zwischen Vorder- und Hinterachse im Verhältnis 30 zu 70 verteilt. Ein selbstständiger Regelkreis passt gemäß der gewählten Charakteristik der Viskokupplung die Verteilung der Antriebskraft den dynamischen Schwankungen, der Gewichtsverteilung und den anliegenden Reibwerten an. Im Extremfall können so bis zu 100 Prozent der Antriebskraft auf eine Achse geleitet werden.

Neue 18-Zoll-Aluräder
Beim Fahrwerk gibt es neue Federn und Stabilisatoren. Außerdem wurden die elektronisch kontrollierten Dämpfer überarbeitet. Die neuen Aluräder haben vorne die Maße 8,5 x 18 und hinten 13 x 18. Vorne rollt der neue Murciélago auf Reifen der Dimension 245/35 ZR 18, hinten 335/30 ZR 18. Die Abmessungen der innen belüfteten Bremsscheiben betragen vorne 380 Millimeter, hinten 355 Millimeter. Das Vierkanal-ABS mit elektronischem Bremsenmanagement und Traktionskontrolle wurde neu abgestimmt. Optional gibt es Karbon-Keramik-Bremsen mit 380 Millimetern Scheibendurchmesser und Sechs-Kolben-Bremssätteln. Für Sicherheit sorgen zwei Frontairbags.

Komfortablere Sitze
Im Innenraum betreffen die wesentlichsten Änderungen die Sitze. Sie sind nun breiter, haben modifizierte Kopfstützen und sollen damit komfortabler geworden sein. Die Sitzpolster erhielten ein rautenförmiges Nahtbild. Das gleiche Muster findet sich an den Türverkleidungen und der Schottwand zwischen den Sitzen und dem Motorraum sowie an der Dachverkleidung. Die Instrumente bekamen eine neue Grafik. Hinzu kommt ein neues Autoradio von Kenwood mit 6,5-Zoll-Monitor und MP3-fähigem DVD-Lesegerät. Weiterhin als Sonderausstattung erhältlich ist das Navigationssystem.

Ab Frühling 2006 für etwa 254.000 Euro
Auch beim neuen Modell besteht die Möglichkeit der Individualisierung durch spezielle Ausstattungspakete. Erstmals gibt es für das Coupé die aus dem Murciélago Roadster bekannte asymmetrische, fahrerorientierte Innenraumausstattung, bei der die Sitz- und Türverkleidung der Fahrerseite in perforiertem Leder ausgeführt sind. Der Verkauf des Murciélago LP640 beginnt im Frühling 2006. Beim Preis soll der Neue zehn Prozent über dem Vorgänger liegen. Da das alte Modell ab 230.840 Euro zu haben war, muss man wohl mit knapp 254.000 Euro rechnen.
(sl)

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