Bei der DARPA Urban Challenge geht ein VW Passat ins Rennen

Der VW Passat fährt vorbildlich um den Kreisverkehr, an der belebten Kreuzung gelingt ihm ein sauberes Abbiegemanöver. Geschmeidig ordnet er sich in den fließenden Verkehr ein und beachtet jede noch so verzwickte Verkehrsregel. Am Steuer des Wagens: Zwei Intel Core Duo-2-Prozessoren mit zwei Simultanverarbeitungseinheiten pro Chip. Menschen sind nicht an Bord.

Tests fürs Militär
Volkswagen nimmt am 3. November 2007 an der DARPA Urban Challenge teil. DARPA steht für "Defense Advance Research Projects Agency", eine Agentur des Verteidigungsministeriums der USA. Militärs gehören seit jeher zu den Interessiertesten, wenn es um technologischen Fortschritt geht. Ziel der Urban Challenge: Fahrzeuge zu testen, die ohne menschlichen Eingriff autonom von A nach B kommen, wobei zwischen A und B ein 96 Kilometer langer nachgebauter Stadtkurs mit starkem Verkehr liegt. VW möchte mit einem umgerüsteten Passat die DARPA Urban Challenge gewinnen und zwei Millionen Dollar Prämie (zirka 1,5 Millionen Euro) einstreichen, wobei das Geld die Kosten für die Entwicklung des Fahrzeugs nicht deckt.

Hightech-Junior
Der selbstfahrende Passat trägt den Namen ,Junior", was eine Hommage an den Gründer der Stanford-Universität, Leland Stanford Junior, sein soll. Das Institut für künstliche Intelligenz eben dieser Universität steuert nämlich die Software für den Junior bei. Ihr Werk verrichtet diese Software in einem Rechnersystem, welches vom ERL (Electronic Research Laboratory) entwickelt wurde. Dieses von VW 1998 gegründete, im Herzen des Silicon Valley gelegene Institut hat auch das ausgeklügelte Sensorsystem und die dafür benötigten Aufbauten konzipiert. Auch die elektromechanische Servolenkung, das elektrische Gaspedal, das Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und die elektrische Handbremse wurden vom ERL so modifiziert, das sie sich vom Rechner steuern lassen. Am 14. Juni 2007 fand ein erster Vorausscheid statt, welchen der Junior problemlos überstand. Ende Oktober 2007 wird ein zweiter Vorausscheid stattfinden. Sollte der Passat erwartungsgemäß auch diesen schaffen, darf er am Finale teilnehmen.

Erfahrungen von der Grand Challenge 2005
Die Wolfsburger können am 3. November 2007 auf ihre Erfahrungen aus der ebenfalls von der DARPA veranstalteten Grand Challenge vom 11. Oktober 2005 zurückgreifen. Dort wurde zum zweiten Mal überhaupt ein Wettkampf zwischen mehr oder weniger intelligenten selbststeuernden Fahrzeugen ausgetragen. VW nahm mit einem umgerüsteten Touareg TDI mit 174 PS teil – und siegte. Damals ging es 211 Kilometer über Wüstenpisten, ausgetrocknete Flussbetten und durch Tunnel. Von 23 Teilnehmern erreichten nur fünf das Ziel. Der ,Stanley" getaufte autonome Touareg gewann in einer Zeit von sechs Stunden und 54 Minuten. Beim ersten Versuch 2004 war VW noch nicht mit von der Partie, damals kam kein einziger Teilnehmer ins Ziel. Stanley wurde mit regenerativem SunFuel betrieben, einem synthetisch aus Biomasse gewonnenem Kraftstoff, der in Sachen Treibhausgasemissionen um bis zu 90 Prozent bessere Werte liefert. Auch der Passat Junior wird voraussichtlich mit diesem Kraftstoff unterwegs sein.

Stanleys Technik
Der Touareg Stanley war seinerzeit ein fast unverändert aus der Serie übernommenes Fahrzeug, welchem lediglich ein kompletter Unterbodenschutz sowie verstärkte Stoßdämpfer verpasst wurden. Hinzu kamen zahllose Sensoren, die im Verbund mit vier Laser-Detektoren arbeiteten. Sie ermittelten für Stanley den Weg durch die Mojave-Wüste in Kalifornien. Ergänzt wurde die Sensorik durch Stereo-Sichtgeräte, 24-Gigahertz-Radaranlagen und ein besonders präzise arbeitendes GPS-Navigationssystem, welches die millimetergenaue Abbildung der Fahrzeugposition ermöglichte. Die so gewonnen Informationen wurden von sieben zusammengeschalteten Pentium-M-Motherboards mit einer Rechenleistung von 1,6 Gigahertz pro Prozessor verarbeitet. Über Drive-by-Wire-Systeme konnte Stanley so auf Streckenveränderungen in Echtzeit reagieren und die damals ebenfalls zwei Millionen Dollar betragende Siegprämie einfahren. Am 7. November 2007 wird sich zeigen, ob die Fußstapfen des Touareg Stanley nicht zu groß sind für den Passat Junior.

VW Passat ohne Fahrer