Spektakuläre Resultate durch neue Motoren und Spritspartechnik

Kürzlich war in einem Wirtschaftsmagazin zu lesen, BMW wolle weg vom rein sportlichen Image und sich in Zukunft mehr über das Schlagwort EfficientDynamics definieren. Einfacher gesagt: mehr Öko, weniger PS-Huberei. Egal ob das stimmt oder nicht: Mit ihrem neuesten Coup gehen die Münchner in genau diese Richtung. Fast alle Autos werden stärker, aber vor allem deutlich sparsamer. Im Modelljahr 2008 steigt zudem die Zahl der BMW-Fahrzeuge, die von dem Klimakiller Kohlendioxid weniger als 140 Gramm pro Kilometer abgeben, auf 18 an. Dies machen unter anderem neue Motoren möglich.

116i sparsamer als Basisgolf
Bei den Benzinern greift die aus den Sechszylindern bekannte Benzindirekteinspritzung (High Precision Injection, HPI) um sich. Kürzlich wurden zwei neue HPI-Zweilitermotoren im 1er vorgestellt: als 118i und 120i. Nun kommt die effektive Einspritzmethode auch in das Einstiegsmodell 116i, das bisher mit 115 PS üppige 7,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchte. Die Verbesserung durch den neuen Motor ist spektakulär: Der 122 PS starke 1,6-Liter-Nachfolger benötigt nur noch 5,8 Liter. Was das bedeutet, zeigt der Vergleich mit dem Einstiegsbenziner im VW Golf. Der ist zwar rund 40 PS schwächer, benötigt aber einen Liter mehr. Hier muss sich wohl so mancher von seinen Vorurteilen trennen. Wer einen Golf mit 80 PS für umweltfreundlicher als den 122-PS-BMW hält, irrt sich.

Alle 3er-Benziner mit HPI
Leider bleibt der hocheffiziente Motor in Deutschland ein 1er-Einzelstück. Er würde sich gut im 3er machen – mit einem Verbrauch von nur 5,9 Liter. Doch soll der 316i nur in wenigen europäischen Märkten angeboten werden. Beim Mittelklassemodell beginnt die Palette also weiterhin beim 318i. Beim 3er sind nun alle Benziner mit Benzindirekteinspritzung ausgerüstet. Das bezieht sich auch auf die Topmotorisierung, den 335i, dessen Reihensechszylinder es mit einer Twinturbo-Aufladung auf 306 PS bringt. Darüber hinaus gibt es fünf Diesel.

Neue Diesel-Vierzylinder
Bei den Selbstzündern baut BMW die neue Vierzylindergeneration aus. Im 1er wurden kürzlich zwei neue Zweilitermotoren eingeführt – im 118d und 120d. Der stärkere mit 177 PS wird nun auch im 3er, 5er und im X3 eingesetzt. Der neue 520d zum Beispiel benötigt 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Zum Vergleich: Der alte 520d brauchte 5,9 Liter. Parallel rutscht das Modell bei den Kohlendioxidemissionen unter die 140-Gramm-Marke. Klar, dass auch der 320d darunter liegt. Der X3 2.0d bleibt mit dem gleichen Motor allerdings deutlich höher. Hier werden 172 Gramm pro Kilometer emittiert. Vorbildlich dagegen der kleinere Diesel. Der 143 PS starke 318d braucht nur 4,7 Liter Sprit und emittiert 123 Gramm Kohlendioxid. Noch umweltschonender ist natürlich der 118d mit einem Verbrauch von 4,5 Liter. Auch hier wieder der Vergleich mit dem Klassenprimus: Ein VW Golf mit einem 140-PS-Diesel braucht 5,5 Liter.

VTT-Diesel im 1er und X5
Zu den beiden Zweiliterdieseln kommt nun noch ein dritter mit dem gleichen Hubraum hinzu: der schon kürzlich angekündigte 204-PS-Diesel mit Stufenaufladung oder neudeutsch Variable Twin Turbo. Das von den Sechszylindern her bekannte VTT-System besteht aus zwei Ladern unter schiedlicher Größe. Der kleinere arbeitet schon bei niedrigen Touren; mit steigender Drehzahl kommt dann auch der größere Turbo dazu. Zum Einsatz kommt das Aggregat im 1er; das Resultat heißt 123d und bringt nicht weniger als 204 PS. Wen soviel Kraft in einem Kompaktwagen nicht beeindruckt, den verblüfft vielleicht der Verbrauch von nur 5,2 Liter. Zum Vergleich: Mit 180 PS war bisher der Volvo C30 D5 der stärkste Diesel-Kompakte auf dem Markt. Er braucht aber 6,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer – deutlich mehr als der rund 20 PS stärkere BMW.

3.0sd auch im X5
Noch einen weiteren VTT-Motor gibt es bei BMW, den 3.0sd. Dieser Dreiliter-Reihensechszylinder mit Stufenaufladung leistet 286 PS und ist vom X3 her bekannt. Ab Modelljahr 2008 ist er nun auch im großen Bruder X5 erhältlich. Damit spurtet das SUV in 7,0 Sekunden auf Tempo 100 und verbraucht 8,2 Liter auf 100 Kilometer.

Spritspartechnik für mehr
Aber nicht nur die neuen Motoren tragen zum niedrigen Verbrauch bei. Ohne zusätzliche Maßnahmen wären die oben genannten spektakulären Verbrauchsdaten kaum möglich. Nachdem der 1er seit Kurzem moderne Spritspartechnik mit Start-Stopp-Automatik, Schaltpunktanzeige und mehr besitzt, kommen viele weitere Modelle in diesen Genuss. Anders als sonst kommt nicht etwa der dicke 7er zuerst zum Zug, sondern die volumenstärksten Modelle. Denn so wirkt sich der technische Fortschritt auf den Flottenverbrauch und die durchschnittliche Kohlendioxidemission des BMW-Konzerns am schnellsten aus. Das betrifft ab August 2007 auch den Mini: Bei der neuen Generation verfügen sämtliche geschlossenen Modelle – mit anderen Worten, alle außer dem Cabrio – über eine Bremsenergie-Rückgewinnung, eine Auto- Start-Stopp-Funktion und eine Schaltpunktanzeige. Ergebnis: Das 95 PS starke Einstiegsmodell One braucht statt 5,7 nur noch 5,3 Liter je 100 Kilometer. Keine riesige Verbesserung, aber insgesamt ein guter Wert, wenn man etwa mit dem 100-PS-Topmodells des Renault Twingo vergleicht. Der braucht trotz verbrauchssenkendem Downsizing und geringerem Fahrzeuggewicht 5,9 Liter. Das Topmodell Cooper S mit seinem 175 PS starken 1,6-Liter-Turbo braucht künftig 6,2 statt 6,9 Liter. Die Ersparnis liegt beim Mini also bei etwa zehn Prozent.

Auto-Start-Stopp beim 3er
Aber auch bei den BMW-Modellen tut sich was. Alle 1er, 3er, 5er und 6er sowie der X5 verfügen zukünftig über die Bremsenergierückgewinnung. Verzichten müssen also vorerst der Z4, der X3 und der 7er. Mit der neuen Funktion wird die Erzeugung von Strom fürs Bordnetz auf die Schub- und Bremsphasen beschränkt. Wenn Beschleunigung gefragt ist, wird der Generator dagegen abgekoppelt. Während dieses Feature recht breit eingesetzt wird, ist BMW bei der Auto-Start-Stopp-Funktion restriktiver. Sie bleibt den handgeschalteten Vierzylindervarianten des 1er und 3er vorbehalten.

Spritsparen durch Schalten
Je nach Modell eingesetzt oder weggelassen werden Detailmaßnahmen wie die energieoptimierte Lenkung und Klimaanlage, das Leichtlaufgetriebeöl, die rollwiderstandsarmen Reifen, das verbesserte Hinterachsgetriebe sowie die geregelten Kühlluftklappen. Die Schaltpunktanzeige schließlich bekommen alle Handschalter im 1er, 3er, 5er und 6er – damit wir wenigstens ein bisschen beim Spritsparen mithelfen können. Die Ingenieure haben ihren Teil des Jobs offenbar schon gemacht, und zwar bemerkenswert gut.

BMWs Öko-Offensive