Audi-Antrieb katapultiert Zweisitzer in unter vier Sekunden auf Tempo 100

Unter anderem Honda, BMW und Suzuki sind gleichermaßen bekannt als Hersteller von Autos wie von Motorrädern. Die österreichische Firma KTM hat sich bisher allein als Produzent zweirädriger Fahrzeuge einen Namen gemacht. Das dürfte bald anders werden. Der alpenländische Spezialist für Offroad-Bikes will bereits Ende 2007 mit dem X-Bow sein erstes Auto auf den Markt bringen. Mit dem extrem puristischen Supersportwagen wird KTM ein gänzlich neues Kapital in seiner wechselhaften Firmengeschichte aufschlagen.

Nach der Pleite kam der Riesenerfolg
1954 begann die Serienproduktion von Motorrädern bei KTM. Unter anderem das Eindringen japanischer Motorradhersteller in die europäischen Märkte sorgte in den 1970er-Jahren jedoch für den wirtschaftlichen Abstieg. 1991 endete KTM schließlich im Konkurs. Doch bereits 1992, unter neuer Leitung wieder gegründet, begann für die alpenländische Krad-Schmiede ein beispielloser Aufstieg. Während noch Anfang der 90er-Jahre 160 Angestellte nur rund 6.000 Zweiräder im Jahr produzierten, montieren derzeit 1.700 Mitarbeiter jährlich über 80.000 Fahrzeuge. Mittlerweile ist KTM nach eigenen Angaben sogar Weltmarktführer im Offroad-Segment. Außerdem wandelt sich der erfolgreiche Nischenanbieter allmählich zu einem Motorrad-Vollsegmenter. Darüber hinaus arbeitet man bei KTM mit Hochdruck daran, neue Geschäftsfelder aufzubauen.

Ein vierrädriges Motorrad
Mit dem Zweisitzer X-Bow wird ein kompromissloses Spaßauto auf den Markt kommen, dass die Zweirad-Philosophie von KTM ungefiltert auf die vierrädrige Mobilität überträgt. Sprich: Fahrspaß pur. Der X-Bow ist ein puristisches Konzept, dass künftig in einem Atemzug mit dem Caterham Seven oder dem Ariel Atom genannt werden dürfte. Stolze 200 bis 300 PS werden das nur 700 Kilogramm schwere KTM-Katapult bewegen. Ein ausgefeiltes Aerodynamik-Design und ein motorsportlich orientiertes Fahrwerk sind weitere Garanten für eine radikal sportliche Auslegung. Wie bei Formelsportwagen stehen die Räder frei und ist der Wagen nach oben hin offen. Die Insassen werden lediglich durch eine 70 Millimeter hohe Frontscheibe vorm Fahrtwind geschützt.

Nach der Art eines Formelfahrzeugs
Optisch vermittelt der kantig wie aggressiv gezeichnete X-Bow bereits im Stand seine dynamischen Ambitionen. Klassisch KTM ist die Farbkombination Schwarz-Orange. Die puristische Geisteshaltung des Ösi-Racers findet ihren Ausdruck unter anderem in den spartanischen wie markanten Scheinwerfern und Heckleuchten. Das Heck dominieren ein zentraler Schalldämpfer und ein mächtiger Diffusor. Das beim Chassis reichlich verwendete Karbon hat man gut sichtbar zur Schau gestellt. Das nur 70 Kilogramm wiegende Kohlefaser-Monocoque wurde übrigens in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma Dallara entwickelt. Neben dem geringen Gewicht ist diese Konstruktion zudem extrem steif und sicher.

Motor von Audi
Nicht nur das Chassis, auch den Motor haben die Österreicher in einem Nachbarland eingekauft. Der turbogeladene Zweiliter-Benzindirekteinspritzer stammt von Audi. Optional will KTM für den X-Bow ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe oder das Direkschaltgetriebe DSG anbieten. Noch gibt es keine genauen Angaben zu Fahrleistungen, doch soll der 100-km/h-Sprint in unter vier Sekunden erledigt werden. Mit Feder- und Dämpferelementen von der KTM-Tochter White Power und Bremsen von Brembo dürften auch fahrwerksseitig beste Voraussetzungen für sportliches Fahren geschaffen werden. Darüber hinaus soll optional ein Sperrdifferenzial bestellbar sein, dass vor allem für den Rennstreckeneinsatz interessant ist. Ansonsten wird auf den Einsatz elektronischer Fahrhilfen verzichtet. Auch beim Thema Komfort ist Purismus pur angesagt: Klimaanlage? Audiosystem? Scheibenwischer? Airbags? Fehlanzeige. Für die passive Sicherheit der Insassen werden allein Vierpunktgurte verantwortlich sein.

Ab etwa 40.000 Euro
Bislang hat KTM vom X-Bow einige wenige Computer-Retuschen veröffentlicht. Spätestens im März 2007 werden die ersten Bilder folgen. Noch im selben Jahr startet die Produktion einer Vorserie von 100 Fahrzeugen bei Dallara in Italien. Den Basispreis gibt KTM mit rund 40.000 Euro an. Sollte die Resonanz auf die ersten 100 X-Bows positiv ausfallen, will KTM die Produktion ab 2008 in Österreich weiterführen und rund 500 Fahrzeuge im Jahr bauen. Sollte die Produktion ausgebaut werden, will man bis Ende 2008 außerdem ein kleines Händlernetz in verschiedenen europäischen Ländern aufbauen.

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