Smart macht den 71-PS-Fortwo noch umweltfreundlicher

Ein Meter reinster Pferdemist. Wenn sich das Verkehrsaufkommen weiterhin so entwickelt, dann wird ganz England 1961 unter einer stinkenden Ein-Meter-Decke Pferdemist begraben sein. Dies berechneten die klügsten Köpfe ihrer Zeit im Jahre 1873. Auch schon vor über hundert Jahren hatten die Städte ihre liebe Mühe mit den Hinterlassenschaften des Transports. Heutzutage hat die Technik Pferdeausscheidungen durch Abgase mit klimaschädigendem CO2 ersetzt. Smart geht jetzt daran, den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß seines 71-PS-Modells mithilfe einer optional verfügbaren Start-Stopp-Automatik weiter zu reduzieren.

Geht einfach aus
Der Smart mit Start-Stopp-Funktion trägt den Beinamen ,Micro Hybrid Drive" (mhd). Zwar hat eine Automatik zur Motor-An- und Abschaltung nicht viel mit einem Hybrid zu tun, trotzdem hat sich dieser Begriff als unterste Stufe der Hybrid-Technologie eingebürgert. Darüber kommen der ,Mild-Hybrid" und der ,Full Hybrid". Der Smart stellt seinen Motor in den Leerlaufphasen ab. Dies erfolgt, wenn eine Geschwindigkeit von acht Kilometer pro Stunde unterschritten und das Bremspedal betätigt wird. Allerdings muss wegen der Einhaltung der Abgasnormen erst eine bestimmte Kühlwasser-Temperatur erreicht werden, damit das Sprit sparende System aktiv wird. Beim Rückwärtsfahren ist die Funktion für mindestens zehn Sekunden gesperrt, um ein flüssiges Rangieren zwecks Einparken zu ermöglichen. Per Knopf kann der Fahrer das Start-Stopp-System auch komplett deaktivieren, bei einem erneuten Fahrzeugstart ist sie aber wieder mit von der Partie.

Wie funktioniert das?
Anstelle der Lichtmaschine sitzt im Smart jetzt ein riemengetriebener Startergenerator (rSG). Dieser Stars-137-Generator der Firma Valeo liefert ein Drehmoment von 42 Newtonmeter und soll auch noch bei minus 25 Grad seinen elektrischen Dienst verrichten. Der Generator wirft den Motor wieder an, wenn der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt. Im Zusammenhang mit einer modifizierten Getriebeübersetzung sollen laut Smart acht Prozent weniger Kraftstoff verbraucht werden. Für den 71-PS-Fortwo bedeutet dies eine Absenkung des Verbrauchs von 4,7 auf 4,3 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Entsprechend wird der CO2-Ausstoß von 112 auf 103 Gramm pro Kilometer reduziert.

Lenkung der Ströme
Hinter der Batteriemulde ist ein Steuergerät mit integrierter Leistungselektronik eingebaut worden, welches sich um die Aktivitäten des Systems kümmert. Die Kommunikation mit den restlichen Steuergeräten des Fahrzeugs erfolgt über einen CAN-Datenbus. Als Speicher für den elektrischen Strom kommt eine AGM-Batterie (Absorbent-Glass-Matt) zum Einsatz. Dieser Batterietyp hat sich als resistenter gegen wechselnde Be- und Entladungszustände erwiesen als herkömmliche Bleiakkumulatoren mit Schwefelsäureelektrolyt.

Zur Praxis
Wir fahren auf eine rote Ampel zu und tatsächlich: Das Triebwerk ist ausgegangen. Da wir die Einzigen an der Kreuzung sind, erfüllt eine herrliche Ruhe die englische Landschaft. Beim Loslassen des Bremspedals überlegt die Steuerung einen kurzen Moment, dann springt der Motor wieder an. Die Verzögerung beim Wiederstarten des Motors ist länger als beispielsweise beim Honda Civic Hybrid, aber zu keinem Zeitpunkt störend. An die Tatsache, dass das Aggregat beim Halt einfach ausgeht, müssen wir uns erst noch gewöhnen. Am liebsten würden wir die wegen des automatisierten Schaltgetriebes nicht vorhandene Kupplung treten, um ein gefühltes Abwürgen des Triebwerks zu verhindern.

Keine negativen Einflüsse
Durch die Modifikationen wird der Smart insgesamt um zirka zehn Kilogramm schwerer. Dies bedeutet, dass der Umbau keine Nachteile mit sich bringt, der Verbrauch steigt bei langen Autobahnfahrten ohne Stop-and-go-Verkehr nicht an. Ab dem 15. Oktober 2007 ist es soweit: Der erste Smart mit Start-Stopp-Funktion wird verfügbar sein. Konkrete Preise gibt der Hersteller noch nicht an, stellt aber einen Aufpreis von unter 500 Euro in Aussicht. Schade, dass diese Automatik nicht serienmäßig verfügbar ist. Aber Smart lässt verlauten, dass dies zu einem bis jetzt unbekannten Zeitpunkt der Fall sein könnte. Außerdem werden nach und nach alle Smart-Motorisierungen optional mit der Start-Stopp-Automatik verfügbar sein, dies gilt auch für die kräftigen Brabus-Modelle. Der CO2-Champion Smart-Diesel kommt erst später an die Reihe, weil die Integration des neuen Systems wegen der zum Benziner unterschiedlichen Start-Funktion sehr aufwendig sein soll.

Bildergalerie: Start-Stopp für den Fortwo