Zu den Highlights des Boliden gehört das hochgeschwindigkeitstaugliche Dach

Als im Juni 2007 ein Formel-1-Wagen mit weit über 200 Sachen gegen eine Betonmauer fuhr und der Fahrer fast unverletzt aus dem Wagen stieg, hat sich wohl so mancher gefragt, wie das möglich ist. Ein Teil der Antwort ist: Die Formel-1-Monocoques bestehen aus Karbon, einem Werkstoff, der besonders gute Crashsicherheit bietet. Aus demselben Werkstoff wird der neue Mercedes SLR McLaren Roadster gemacht. Die ganze Karosserie, abgesehen von zwei aus Aluminium gefertigten Motorrahmen, besteht vollständig aus Karbonfaser-Werkstoffen. Das Ergebnis sind geringes Gewicht, gute Energieabsorption und damit sehr hohe Insassensicherheit. Außerdem wird eine bislang bei offenen Fahrzeugen nicht erreichte Torsionssteifigkeit erreicht, so der Hersteller.

Optik und Fahrleistungen fast wie in der Formel 1
Auch die Optik – wie zum Beispiel die pfeilförmige Spitze – soll an Formel-1-Silberpfeile erinnern. Die Fahrleistungen befinden sich ebenfalls fast schon auf Formel-Niveau. Um eine optimale Gewichtsverteilung und somit perfekte Fahrdynamik und hohe Bremsstabilität zu erzielen, ist der Roadster als Frontmittelmotor-Sportwagen mit dem Triebwerk hinter der Vorderachse konzipiert. Sein AMG-V8-Kompressortriebwerk mit Wasser-Ladeluft-Kühlung, Dreiventiltechnik, Trockensumpfschmierung und vier Metallkatalysatoren ermöglicht dank tiefer Einbauposition einen günstigen, niedrigen Schwerpunkt. Mit 626 PS und einem maximalen Drehmoment von 780 Newtonmetern beschleunigt der an eine AMG-Fünfgangautomatik gekoppelte 5,5-Liter-V8 den Roadster in 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 332 km/h und liegt damit auf dem Level des Coupés.

Stoffverdeck für extremes Tempo
Über 330 km/h mit einem Stoffdach-Roadster? Da schüttelt so mancher wohl den Kopf. Denn normalerweise bläht sich so ein Stoffverdeck schon bei viel niedrigeren Geschwindigkeiten auf, was als Balooning bezeichnet wird. Doch beim SLR Roadster soll dies nicht der Fall sein. Das neu entwickelte Dachmaterial ermöglicht die gleiche Höchstgeschwindigkeit wie beim Coupé. Möglich wird dies unter anderem durch geringe Abstände zwischen den Spriegeln – so nennen Fachleute die Streben unter der Stoffhaut. Auf diese Art ergibt sich eine optimale Stoffanbindung. Selbst bei Höchsttempo verändert sich laut Mercedes die Dachkontur nur um wenige Millimeter im hinteren Bereich. Zu den Besonderheiten des Verdecks gehört außerdem seine Optik. Beim Weben des Stoffs werden für Kette und Schuss unterschiedliche Fäden benutzt – schwarze und farbige. Dies ruft je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall ein farbliches Wechselspiel hervor. Das Dach ist in den drei Stofffarben Anthazit-Schwarz, Rot-Schwarz und Beige-Schwarz zu haben.

Halbautomatischer Verdeckmechanismus
Das Dach öffnet und schließt in zirka zehn Sekunden halbautomatisch: Zum Öffnen muss es am Dachrahmen entriegelt und kurz angehoben werden, danach faltet es sich elektrohydraulisch. Aus Sicherheitsgründen funktioniert dies nur im Stand. Da im vorderen Teil des Dachs eine Aluminiumkappe integriert ist, schließt es das abgelegte Verdeck elegant nach oben ab. Für hohe Sicherheit sorgen mit Stahl verstärkte A-Säulen sowie zwei fest stehende Überrollbügel.

Ausgefeilte Aerodynamik und Rennsportfahrwerk
Im Windkanal wurde der Roadster für hohe Geschwindigkeiten hinsichtlich Handling, Aeroakustik und Aerodynamik optimiert. Er nutzt ebenfalls das vom Coupé bekannte Aerodynamikkonzept mit einer im Kofferraumdeckel integrierten Airbrake – also einer Luftbremse analog zu den auftriebsenkenden Störklappen eines Jets –, einem geschlossenen Unterboden und einem Diffusor im Heckstoßfänger für möglichst großen Abtrieb. Der offene Zweisitzer ist mit einem Fahrwerk, das für den Rennsport entwickelt wurde, einem elektrohydraulischen Bremssystem sowie mit hoch belastbaren Karbon-Keramik-Bremsscheiben ausgerüstet.

Fast eine halbe Million Euro
Zur Serienausstattung zählen unter anderem mit Semi-Anilinleder bezogene Karbon-Schalensitze, die für Fahrer und Beifahrer durch in der Größe unterschiedliche Sitzpads individuell angepasst werden, eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein Bose-Soundsystem, ein Multifunktions-Sportlenkrad mit Schaltpaddles sowie ein Navigationssystem mit integriertem Radio und CD-Wechsler. Für Sicherheit sorgen adaptive Airbags, sowie Gurtstraffer und ein Reifendruck-Kontrollsystem. Der SLR Roadster ist ab September 2007 lieferbar. Der Preis liegt bei 493.850 Euro.

Kette, Schuss und Spriegel